News am Morgen - Nachrichten vom 21. Juli 2026
Ungarns Schachspielerin Polgár lehnt Staatspräsidentschaft ab. USA kündigt Zölle gegen Kanada an. Britischer Premier Burnham beruft Kabinettsmitglieder. Debatten um Spahn-Nachfolge in Deutschland.
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Ausgerechnet eine Schachspielerin hat Ungarns neuem Ministerpräsidenten Péter Magyar eine erste Niederlage beschert. Mit Judit Polgár wollte Magyar eine nationale Ikone an seine Seite holen. Er hatte sie deshalb als Staatspräsidentin vorgeschlagen. Polgár ist die erste und einzige Frau, die es je in die Top Ten der Weltrangliste im Schach geschafft hat, das war 1996. Sehr früh ausschließlich aufs Schachspielen gedrillt, überwand die Ungarin alle Grenzen, die es für Frauen in dem Spiel zuvor zu geben schien. Im Land ist sie beliebt. Mit ihr wäre der Umbruch, den Magyar gerade herbeiführt, sehr vielen noch leichter als Fortschritt erschienen. Magyar baut die Machtstruktur des politischen Apparats derzeit um, unter anderem musste der bisherige Staatspräsident Tamás Sulyok abtreten.
Doch Polgár sagte Nein. Sie verkündete öffentlich: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Kraft habe, die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen. Daher kann ich die Einladung nicht annehmen.“ Schade für Ungarn. Aber vermutlich ist Polgár einfach das, was ihre vielen Schach-Titel sowieso schon nahelegen: eine kluge Frau.
Von Jens Spahn ist nicht bekannt, dass er sich jemals eine politische Rolle nicht zugetraut hätte. Im Drama um seinen Rücktritt vom Unions-Fraktionsvorsitz, das die CDU übers Wochenende aufführte, spielten Frauen auch keine wahnsinnig große Rolle (bis auf eine Sitzung der Frauen-Union und eine anonyme Leihmutter). Wohl aber geht es auch hier um einen Bruch, den manche nun am liebsten sofort als Fortschritt verkaufen wollen. Etwa, indem sie schnell einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin präsentieren. Schon am 29. Juli soll er oder sie von der Fraktion gewählt werden.
Bevor man sich diesem Drang nach vorn anschließt, hilft durchaus noch mal der Blick zurück, um den Wahnsinn der vergangenen Tage zu verdauen. Wieso musste Jens Spahn so rasant zurücktreten? Ist eine „Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung“ mit Schuld, wie es Spahn selbst in seinem Rücktrittschreiben zumindest nahezulegen scheint? Meine Kollegin Katharina Riehl lässt ihm das nicht durchgehen: „Schuld an Jens Spahns Rücktritt ist nicht die Debattenkultur, sondern Jens Spahn“, kommentiert sie. Was denken Sie?
Was heute wichtig ist
USA kündigen neue Zölle gegen Kanada an – auf Hockeyschläger und Wein. Wegen eines Gerichtsurteils musste der US-Präsident mit seiner Zollpolitik erst kürzlich zurückrudern. Kaum ist die Fußball-WM vorbei, will er erneut gegen „Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte“ vorgehen. Kanada signalisiert Gesprächsbereitschaft. Zum Liveblog zur US-Politik
USA beenden weitere Angriffswelle gegen Iran. Bereits die zehnte Nacht in Folge haben die USA Ziele in Iran angegriffen. Nach US-Angaben hat das amerikanische Militär seine Angriffswelle nach rund fünf Stunden beendet. Ziel seien militärische Einrichtungen gewesen. Trump hatte zuvor mit Vergeltung für getötete US-Soldaten gedroht. Zum Liveblog zum Krieg in Nahost
- MEINUNG Iran: Trump ist in die Falle des Krieges geraten
Britischer Premier Burnham beruft Kabinett und telefoniert mit Trump. Nach seiner Ernennung zum britischen Premierminister hat Andy Burnham eine überraschende Personalentscheidung getroffen. Burnham hat zudem nicht nur mit Trump telefoniert, sondern auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij. Von Kanzler Merz gibt es eine Einladung nach Berlin. Zum Artikel
- MEINUNG Andy Burnham: Chance Nr. 7 in 10 Downing Street
Debatte über Spahn-Nachfolge: Wie das Ego der CSU gestreichelt wird. Es ist eine Spekulation: Aus der kleinen Schwesterpartei CSU könnte der neue zentrale Kopf der gesamten Unionsfraktion kommen. Alexander Dobrindt, bisher Innenminister, ist beliebt und gilt als guter Verhandler. Doch selbst in der CSU fehlt vielen die Fantasie für einen Fraktionschef Dobrindt. Dazu kommt: Die Christsozialen sind mit der Performance des Innenministers zufrieden. Zum Artikel
- SZ-Podcast „Auf den Punkt“: Bei Spahn fehlte dem Kanzler das Gespür für seine Partei
- Spahn-Nachfolge: Jetzt steht der Fahrplan fest
Eklat um Kranzentfernung: Bonhoeffer-Großneffe Korenke erklärt sich. Beim Gedenken an den 20. Juli 1944 löst der Enkel von Rüdiger Schleicher und Großneffe der Bonhoeffer-Brüder einen Eklat aus, als er versucht, einen Kranz der AfD zu entfernen. Der SZ sagt Tobias Korenke, er habe die Aktion nicht geplant. Die AfD sei eine Partei, die die „Freiheiten der Demokratie total ausnutzt“ – mit dem Ziel, sie möglicherweise sogar abzuschaffen, fürchtet Korenke. Zum Interview
- NS-Vergangenheit in der Süddeutschen Zeitung: Schatten auf dem Neuanfang
EXKLUSIV Volkshochschulen werfen der Regierung „Demontage“ der Integrationskurse vor. Sprache, Kultur, Geschichte: Kurse sollen Geflüchteten und Migranten helfen, in Deutschland anzukommen und zu arbeiten. Nun gefährdet der Sparplan sogar schon laufende Programme. Der Deutsche Volkshochschulverband sieht ein Versprechen der Bundesregierung gebrochen. Zum Artikel
Weitere wichtige Themen
- Konsumverbot: Deutsche Bahn will Alkohol an allen Bahnhöfen verbieten – bisher gilt das nur an großen Bahnhöfen
- Italien: Friedlicher Protest und Krawalle nach tödlichem Polizeieinsatz in Bologna
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Dossier Digitalwende: Wie könnte ein Datengesetzbuch aussehen? Das Datenrecht ist zuletzt immer komplexer geworden. Ein Gutachten im Auftrag des Normenkontrollrats skizziert nun ein dreistufiges Konzept für ein Datengesetzbuch. Auch wichtig: Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit soll helfen, die „Gender Data Gap“ zu schließen. Zum Briefing
Dossier Geoökonomie: Wolfram aus Schrott. China erschwert die Ausfuhr von Wolfram, doch Europas Industrie braucht das Metall dringend. Der österreichische Hersteller Plansee gewinnt deshalb 90 Prozent seines Wolframs aus Recycling – und zeigt, wie die Kreislaufwirtschaft Abhängigkeiten wirksam verringern kann. Zum Briefing