Nach WM: Warum Bayern-Superstar Kane immer noch Weltfußballer werden kann
tzSportFC BayernStand: 21.07.2026, 14:29 UhrKommentareUns auf Google folgenHarry Kane und seine Three Lions können mit dem Ausgang der Weltmeisterschaft nicht ganz zufrieden sein. Dennoch ist für den FCB-Toptor...
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Stand: 21.07.2026, 14:29 Uhr
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Harry Kane und seine Three Lions können mit dem Ausgang der Weltmeisterschaft nicht ganz zufrieden sein. Dennoch ist für den FCB-Toptorjäger ein großes Ziel noch möglich. Ein Kommentar.
München – England, das Mutterland des Fußballs, ist bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko mit dem Ziel angetreten, den zweiten Titel nach 1966 auf die Insel mitzunehmen. Der große Hoffnungsträger von Thomas Tuchels Team war vor dem Turnier Kapitän Harry Kane, der zuvor für den FC Bayern eine fantastische Saison abgeliefert hatte. Für den 32-Jährigen ging es dabei auch um die Erhaltung seiner Chancen auf den Ballon d’Or, die FIFA-Auszeichnung für den Weltfußballer der Vorsaison.

Nicht immer brillant kämpften sich die Three Lions bis ins Halbfinale des Turniers, wo der amtierende Weltmeister Argentinien mit Superstar Lionel Messi wartete. Nach einer höhepunktarmen ersten Halbzeit leitete Kane in der 55. Minute die englische Führung mit einem weiten Pass in die argentinische Hälfte durch Anthony Gordon ein.
Bitteres WM-Ende für Kane
Anschließend verlegten sich die Engländer jedoch ausschließlich aufs Verteidigen, selbst der Münchner Toptorjäger war aufgrund dieser fatalen Taktikänderung nur noch im und vor dem eigenen Strafraum zu finden. Diese destruktive Spielweise konnte im Grunde nicht gut gehen und wurde durch die späten Treffer durch Enzo Fernandez (85.) und Lautaro Martinez (90.+2) bestraft.
So scheiterte England auch im dritten WM-Halbfinale nach dem Heimtriumph vor 60 Jahren, und befand sich nach der Partie im Tal der Tränen. Der Ex-FCB-Coach Tuchel sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, welche sich aufgrund der Startformation – ohne Kane und Jude Bellingham – im Spiel um den dritten Platz fortsetzte. Nach dem wilden 6:4-Sieg über den eigentlichen Turnierfavoriten Frankreich gehörte Kane erneut zu den Verlierern, obwohl dieser die zweitbeste WM-Platzierung der englischen WM-Historie brachte.
Vor dem Halbfinale bestand für Kane mit sechs Turniertoren immer noch eine, wenn auch eher minimale, Möglichkeit auf den WM-Torschützenkönig, vor allem, weil Real-Superstar Kylian Mbappe gegen Spanien mit seinem Team krachend gescheitert und torlos geblieben war. Die Tuchel-Taktik nach der englischen Führung verhinderte aber, dass ein englischer Stürmer in den letzten 40 Minuten nur ansatzweise in die Nähe des Tors kommen konnte.
Ob Kane beim 6:4 über Frankreich tatsächlich so erschöpft war, dass er keine Minute spielen konnte, wurde nicht kommuniziert. Hätte der weltbeste Torjäger der Saison 2025/26 diese spezielle Partie jedoch bestritten, wäre ihm ein Doppelpack, ein Hattrick oder sogar mehr zuzutrauen gewesen.
Mbappe (10 Turniertore) und der spät eingewechselte Bellingham (7) konnten folglich davonziehen, selbst Ousmane Dembele (6) zu Kane aufschließen. Das Ende all seiner Hoffnungen auf den Ballon d’Or? Nicht unbedingt. Denn es gab bei der WM 2026 definitiv keinen Spieler, der dem Turnier seinen Stempel aufdrückte, wie dies in früheren Turnieren schon eindrucksvoll geschehen war, obwohl sie zwischenzeitlich zum „Wettschießen der Superstars für die Torjägerkrone“ deklariert worden war.
Gewinnt Spieler von Weltmeister Spanien den Ballon d’Or?
Zum „Spieler des WM-Turniers“ wurde von der FIFA der spanische Weltmeister Rodri gewählt. Der 30-Jährige war als defensiver Mittelfeldspieler der Kopf und Stabilisator des Europameisters von 2024. Wirklich brillieren konnte er dabei aber selten, in den acht Turnierspielen gelang ihm keine einzige Torbeteiligung. Zudem spielte Rodri bei Manchester City auch verletzungsbedingt eine für ihn eher unterdurchschnittliche Saison. In der letzten Pep-Guardiola-Spielzeit wurde die Meisterschaft verpasst und in der Champions League scheiterten die Citizens kläglich im Achtelfinale an Real Madrid (0:3; 1:2). Eine Wiederholung von 2024, als er von der FIFA zum Weltfußballer ernannt worden war, sollte es nicht geben (dürfen).
Rodris spanischem Teamkollegen Fabian Ruiz gelang 2026 dagegen etwas Außergewöhnliches: Er ist der 13. Spieler der WM-Geschichte, der nach einem europäischen Königsklassentriumph auch noch Weltmeister wurde. Sieben der 13 Profis waren übrigens Spieler des FC Bayern: 1974 hatten Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Schorsch Schwarzenbeck, Uli Hoeneß, Paul Breitner und Jupp Kapellmann zuerst den Europapokal der Landesmeister (4:0 gegen Atletico Madrid) gewonnen, bevor im Münchner WM-Finale die Niederlande mit 2:1 (Torschützen Müller und Breitner) besiegt wurden.
Kurios: Müller gewann 1970 den Ballon d’Or, Beckenbauer 1972 und 1976, im Jahr des historischen Doppeltriumphes mussten sie jedoch dem im WM-Finale unterlegenen Niederländer Johan Cruyff den Vortritt lassen. Während Müller in beiden Endspielen 1974 entscheidend traf und Beckenbauer der absolute Anführer der deutschen Elf war, spielte PSG-Profi Fabian Ruiz dagegen keine überragende Vereinssaison und war auch beim frisch gebackenen Weltmeister kein Führungsspieler: Dem zentralen Mittelfeldspieler gelang in 319 Spielminuten (durchschnittlich 40 Minuten Einsatzzeit pro Partie) ein Treffer.
Auch der vor dem WM-Turnier als potenzieller Superstar des Wettbewerbs gehandelte Lamine Yamal zählte nicht zu den für den spanischen Triumph entscheidenden Spielern. Der 19-jährige Profi des FC Barcelona spielte ein für seine Möglichkeiten eher mittelmäßiges Turnier, und erzielte bei zahlreichen Großtorchancen lediglich ein Tor. Für den FC Barcelona trumpfte er 2025/26 besser auf: Wettbewerbsübergreifend 42 Torbeteiligungen (24 Tore, 18 Assists) – allerdings wurden die Katalanen „nur“ Meister, scheiterten in der Copa del Rey im Halbfinale und in der Champions League bereits im Viertelfinale – jeweils überraschend an Atletico Madrid. Trotz WM-Titel wäre ein spanischer Ballon-d’Or-Gewinner eine Überraschung, eher unverdient.
Messi? Nein danke!
An dem 39-jährigen Lionel Messi schieden sich schon während des Turniers die Geister: Zwar war der achtfache Ballon-d’Or-Gewinner (zuletzt 2023) fast allein dafür verantwortlich, dass Argentinien ins Endspiel einziehen konnte. Bei den 19 Toren des dreifachen Weltmeisters war er an zwölf (8 Tore, 4 Vorlagen) direkt beteiligt. Allerdings genoss er von Turnierbeginn so etwas wie einen Prominenten-Bonus. Bereits in der ersten Hälfte der ersten Partie gegen Außenseiter Algerien hätte er aufgrund eines Foulspiels zwingend vom Platz gestellt werden müssen. Anstelle dessen und einer wahrscheinlichen 2-Spiele-Sperre ließ er beim 3:0-Sieg seinem ersten Tor vor der Aktion noch weitere zwei Treffer folgen.
Dann ist noch Messis unerklärliche Elfmeterschwäche zu erwähnen: Seine beiden Fehlschüsse bedeuten einen negativen WM-Rekord. Gegen Österreich zielte er ganz kläglich weit neben das Tor. Wie kein anderer Turnierspieler durfte er sich im argentinischen Spielsystem zudem für seine immer noch außergewöhnlichen Offensivaktionen schonen. Seine Laufleistungen dürften bei diesem Turnier sogar unter denen von Cristiano Ronaldo gelegen haben. In der Verlängerung des Endspiels agierte Argentinien nach der Ampelkarte für Enzo Fernandez in der Defensive für einige Zeit in doppelter Unterzahl. Messi unternahm defensiv keinen einzigen Schritt, ganz anders als dies in solchen Situationen bei Harry Kane der Fall ist.
Vom Finale bleibt zudem der „petzende Messi“ in Erinnerung, als er monierte, dass sich Marc Cucurella, ganz offensichtlich aber weder auf aggressive noch beleidigende Weise, kurz die Hand vor das Gesicht hielt. Als Akteur der zweitklassigen amerikanischen MLS dürfte der argentinische Volksheld ohne WM-Titel ohnehin nicht als Ballon-d’Or-Gewinner infrage kommen.
Wer kommt sonst noch als Weltfußballer infrage?
Der amtierende Ballon-d’Or-Gewinner ist Ousmane Dembele vom CL-Sieger Paris Saint-Germain. Der 29-Jährige kam jedoch in der abgelaufenen Saison nicht ansatzweise an die glanzvollen Leistungen der Vorsaison heran: Waren es 2024/25 satte 51 Torbeteiligungen (35 Tore, 16 Assists), gelangen nun nur noch 31 (20/11). Auch bei der WM 2026 war er trotz seiner sechs Treffer nicht der französische Unterschiedsspieler. Lange Zeit agierte er im Schatten der überragenden Kylian Mbappe und Michael Olise. Bei der bitteren 0:2-Halbfinal-Pleite blieb er wie alle sonst so brillanten Offensivkräfte der Equipe Tricolore weit unter seinen Möglichkeiten.
ManCity-Star Erling Haaland gehört mit Mbappe zu den Topstürmern, die mit Harry Kane seit dessen FCB-Engagement um den Goldenen Schuh und den Titel des besten CL-Torschützen kämpfen. Mit Norwegen spielte er seine glänzende WM, erzielte selbst sehr starke sieben Tore, scheiterte im Viertelfinale aber ausgerechnet an Kanes Engländern (1:2 nach Verlängerung). Die wettbewerbsübergreifend 47 Torbeteiligungen für City (38 Tore, 9 Vorlagen) sind beachtlich, aber für Haaland kein Spitzenwert. Als Malus gilt genauso wie bei Rodri die doch eher mäßige Vereinssaison 2025/26.
Kylian Mbappe war mit zehn Treffern (der erste zweistellige Wert seit Gerd Müller 1970) der Toptorschütze des WM-Turniers und mit zusätzlich vier Torvorlagen auch dessen Topscorer. Trotzdem reichte es für den Star von Real Madrid nicht für die Wahl zum besten Turnierspieler. Dazu trug sicherlich auch die klare Halbfinalniederlage gegen Rodris Spanier bei. Dass er beim wilden 4:6 gegen England zwei Tore erzielte, konnte die Enttäuschung über den 4. WM-Platz des Turnierfavoriten nicht kaschieren.
Nicht hilfreich für die Weltfußballerwahl ist für Mbappe ganz gewiss auch die extrem schwache Saison von Real Madrid. Dies gilt übrigens auch für seinen Teamkollegen bei den Königlichen, Jude Bellingham. Der offensive Mittelfeldspieler übertraf Kane in der internen englischen WM-Wertung mit seinem Treffer gegen Frankreich noch um ein Tor, ging aber mit Madrid in der vergangenen Spielzeit unter: In der Meisterschaft weit hinter Barcelona, in der Copa del Rey blamabel gegen einen Zweitligisten ausgeschieden, und im CL-Viertelfinale mit zwei Niederlagen am FC Bayern gescheitert (1:2; 3:4).
Harry Kane der verdiente Ballon d’Or-Gewinner, aber Bayern-Malus?
Der laut England-Legende Wayne Rooney „beste englische Spieler aller Zeiten“, Harry Kane, sollte trotz finaler WM-Enttäuschung weiterhin der leichte Favorit bei der Wahl zum weltbesten Fußballspieler bleiben.
Kanes Leistung beim deutschen Rekordmeister war über eine gesamte Saison herausragend. Nach zwei starken Spielzeiten in München steigerte er sich noch einmal gewaltig. 61 Tore – mit häufig atemberaubender Qualität – in 51 Pflichtspielen sind pure Weltklasse. Dazu kommen laut kicker-Datenbank noch elf Assists. 61 Tore und 72 Scorerpunkte sind der absolute Topwert der vergangenen Saison für alle Topligen in Europa und CL-Teilnehmer. Mit 36 Toren gewann er zum zweiten Mal nach 2023/24 den Goldenen Schuh und zum dritten Mal die BL-Torjägerkanone. Im DFB-Pokal-Finale schoss er den FCB mit seinem Hattrick beim 3:0 gegen den VfB Stuttgart zum ersten Triumph seit sechs Jahren.
In der Königsklasse traf er in allen K.-o.-Partien, in welchen er eingesetzt wurde, insgesamt 14 Mal. Hätte er beim 6:1-Kantersieg in Bergamo gespielt, wäre er wohl auch CL-Torschützenkönig geworden. Das wurde Mbappe mit einem Treffer mehr, profitierte dabei aber erheblich von seinen drei Toren gegen Almaty und vier Treffern gegen Olympiakos.
Hinter Kane und noch vor Mbappe, Haaland & Co. liegen bei den europäischen Topscorern 2025/26 übrigens Michael Olise (57/22–35) und Luis Diaz (50/26–24) vom FC Bayern. Olise galt auch vor der WM und nach einigen Spielen beim Turnier als Mitfavorit auf den Ballon d’Or, wurde mit sieben (acht?) Torvorlagen zum besten Assistgeber der WM-Geschichte. Seine ungewöhnlich schwache Halbfinalleistung machte jedoch alle Hoffnungen zunichte. Kane könnte es jedoch schaffen – wenn da nicht der gefürchtete „Bayern-Malus“ bei solchen Wahlen wäre. Franck Ribery (2013) und Manuel Neuer (2014) lassen grüßen.