Fall Patrick Frei: Nachbarn in Untersiggenthal sprechen von Doppelmoral
Publiziert20. Juli 2026, 20:42Untersiggenthal AG«Mir kam das Kotzen» – Fall um Ex-Grossrat erschüttert NachbarnDie Enthüllungen um einen ehemaligen SVP-Grossrat schockieren die Einwohner in seiner Wohngemeinde ...
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Publiziert20. Juli 2026, 20:42
Untersiggenthal AG«Mir kam das Kotzen» – Fall um Ex-Grossrat erschüttert Nachbarn
Die Enthüllungen um einen ehemaligen SVP-Grossrat schockieren die Einwohner in seiner Wohngemeinde Untersiggenthal AG. Viele sprechen von Doppelmoral und tiefem Entsetzen.

Darum gehts
- Der ehemalige SVP-Grossrat Patrick Frei aus Untersiggenthal hat sich schwer an der minderjährigen Tochter seiner Ex-Partnerin vergangen.
- Er betäubte die damals 14- bis 15-jährige Paula und missbrauchte sie während insgesamt 40 Stunden.
- Bewohnerinnen und Bewohner von Untersiggenthal AG reagieren schockiert.
Der ehemalige SVP-Grossrat Patrick Frei aus Untersiggenthal hat sich schwer an der Tochter seiner Ex-Partnerin vergangen. Er betäubte die damals 14- bis 15-jährige Paula und missbrauchte sie während insgesamt 40 Stunden – dabei filmte er die Taten. Auch die Mutter von Paula, seine damalige Lebenspartnerin, hat er betäubt, sowie eine weitere erwachsene Frau.
Der Fall sorgte nicht erst mit Publikwerden, sondern bereits bei Freis Verhaftung vor drei Jahren in Untersiggenthal für Aufsehen. «Ich kann es nicht mehr hören», sagt eine Einwohnerin zu 20 Minuten. «Er wohnte ganz in der Nähe von uns. Seine Ex-Frau und seine leiblichen Kinder sind inzwischen weggezogen, was wohl das Beste für sie war.»
Den SVP-ler hatte sie auch gekannt. «Er war eigentlich in Ordnung. Aber er ist aufgefallen, als er das Haus umgebaut hat. Er war nämlich immer sehr eifersüchtig auf die Bauarbeiter.» Selbst wenn seine Ex-Frau nur in Arbeitskleidung herumlief, soll Frei riesige Szenen gemacht haben. Die Nachbarin sagt: «Ist ja klar: wer selber Dreck am Stecken hat, vermutet auch immer das Schlimmste bei anderen.»
«Mutig von Mutter und Tochter», an die Öffentlichkeit zu gehen

Auch bei anderen Untersiggenthalern sitzt der Schock tief – und noch mehr, seit den neusten Enthüllungen. «Allein die Tatsache, dass er in der SVP war und sich noch politisch gegen Pädophile einsetzte, zeigt doch seine Doppelmoral. Mir kam einfach das Kotzen, als ich das alles las», sagt Jahnesta (38) aus Untersiggenthal. Sie fügt an: «Ich finde es auf jeden Fall sehr mutig, dass die Mutter und ihre Tochter den Gang an die Öffentlichkeit wagten.»
Wie konnte Frei so lange unentdeckt bleiben?

Elsbeth (76) kannte den Fall bereits seit längerer Zeit aus der Lokalpresse. «Klar bin ich schockiert. Dieser Mann ist aber nur einer von vielen – nur dass er aufgeflogen ist.» Seine Partei-Zugehörigkeit hat für die 76-Jährige jedoch nichts mit seinen Taten zu tun. «Das ist ein generelles Problem.»
Besonders schlimm findet sie, dass Patrick Frei seine Opfer mutmasslich noch betäubt hat. «Es erstaunt mich nicht einmal, dass er Grossrat ist und so lange die Fassade aufrecht halten konnte. In Frankreich beim Fall Pelicot fiel der Täter ja auch jahrelang nicht auf.»
«So einer gehört versorgt»

Peter Grimm (68) aus Untersiggenthal möchte in einem solchen Fall «nicht der Richter sein», wie er zu 20 Minuten sagt. «So einer gehört für immer versorgt. Das ist beinahe Mord für mich, ein Kind zu schänden – die Opfer sind fürs Leben gezeichnet.»
«Es ist tragisch, dass solche Leute Politiker sind»

Karin Henzen (53) aus Freienwil AG hat vom Fall erst am Montag aus dem Radio erfahren. Sie wohnt erst ein halbes Jahr in der Region und kannte den Politiker deshalb nicht. «Ich finde es einfach tragisch, dass solche Leute unter uns sind und in der Öffentlichkeit gar eine Verantwortung als Politiker haben, während er zu Hause sowas macht.» Das Vorgefallene sei für alle eine Katastrophe. «Dass er das Kind und die Frauen noch betäubt hat, schockiert zusätzlich.»
Insgesamt drei Betroffene
Wie die Aargauer Staatsanwaltschaft am Montagmorgen in einer Medienmitteilung schreibt, hat sie ihre umfangreiche Untersuchung im schwerwiegenden Sexualstrafverfahren abgeschlossen und Anklage gegen Patrick Frei erhoben.
Ihm wird vorgeworfen, Iwona L. und Paula L. wiederholt und eine weitere erwachsene Frau einmal in einen widerstandsunfähigen Zustand versetzt und in der Folge sexuell missbraucht zu haben.
Die Anklagepunkte sind umfangreich:
- Mehrfacher versuchter Mord
- Mehrfache qualifizierte Vergewaltigung
- Mehrfache qualifizierte sexuelle Nötigung
- Schändung
- Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern
- Mehrfache qualifizierte Körperverletzung
- Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
- Mehrfache Pornografie
- Mehrfache Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte
- Sexuelle Belästigung
Nach dem Ergebnis der Untersuchung soll der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft über einen längeren Zeitraum hinweg heimlich sogenannte «K.-o.-Tropfen» verabreicht haben, um die Opfer in einen Zustand tiefer Bewusstlosigkeit zu versetzen, in dem sie nicht mehr in der Lage waren, einen freien Willen zu bilden oder sich zur Wehr zu setzen. Diese Zustände soll er systematisch ausgenutzt haben, um sexuelle Handlungen an den Opfern vorzunehmen, welche diese in der Regel nicht wahrnahmen und an die sie keine Erinnerung hatten.
Zudem soll er die Taten aufgezeichnet haben. Die Auswertung dieser Aufnahmen bildet eine zentrale Grundlage der Anklage.
Wann es zur Gerichtsverhandlung kommt, ist noch offen.
Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?
Hier findest du Hilfe:
Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter
Clickandstop.ch, Online-Meldestelle der Stiftung Kinderschutz Schweiz
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio, Beforemore und bei den UPK Basel.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.