Gesünder Essen dank KI – das sind die Chancen und Risiken

KI und Lebensmittel Was KI mit unseren Lebensmitteln machen kann – und sollte Künstliche Intelligenz kann helfen, unsere Nahrung zu optimieren. Doch sie soll...

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Gesünder Essen dank KI – das sind die Chancen und Risiken

KI und Lebensmittel Was KI mit unseren Lebensmitteln machen kann – und sollte

Künstliche Intelligenz kann helfen, unsere Nahrung zu optimieren. Doch sie sollte sie auch nachhaltiger machen.

21.07.2026, 06:47

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Darum geht es: Ein personalisiertes Müesli für ein längeres Leben – dank Künstlicher Intelligenz. KI soll helfen, die Auswirkungen von Lebensmitteln auf unseren Organismus besser zu verstehen. Die Lebensmittelindustrie wittert ein gigantisches Geschäft mit individuell perfektionierter Ernährung. Es gibt aber auch Kritik.

Hände, die frische Erdbeeren halten.
Legende:

Können Erdbeeren noch mehr? Mit KI sollen Lebensmittel auf ihre Einzelbestandteile untersucht und optimiert werden.

Sebastian Kahnert, Keystone

Was wir wirklich essen: «Du bist, was du isst», heisst es. Doch das stimme nur bedingt, sagt Computerwissenschaftler Ilias Tagkopoulos. «Eine Kichererbse oder eine Erdbeere kennen wir, aber nicht deren einzelne Moleküle.» Der Forscher lehrt am AI Institute for Next Generation Food Systems der Universität von Kalifornien in den USA. Man habe Kenntnis von Proteinen, Fetten oder Kohlenhydraten. «Es gibt aber Abertausende Moleküle, für die wir noch keinen Namen haben. Wir wissen auch nicht, welchen Einfluss sie auf unseren Körper und unseren Stoffwechsel haben.»

Ilias Tagkopoulos

KI-Unternehmer und Informatikprofessor UC Davis, USA

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Ilias Tagkopoulos ist Professor für Informatik an der University of California Davis und Direktor des AI Institute for Next Generation Food Systems. Da untersucht er KI und mögliche Anwendungen in den Bereichen Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit. Gleichzeitig ist der gebürtige Grieche aber auch Gründer verschiedener Unternehmen, in denen er zum Beispiel gemeinsam mit der Lebensmittelindustrie durch KI die Gesundheit der Menschen und der Umwelt verbessern will. Er war Gast an der International Food Innovation Conference des Gottlieb Duttweiler Instituts GDI.

Ilias Tagkopoulos, UC Davis

Food verstehen mit KI: Künstliche Intelligenz könne nun helfen, diese Fragen zu klären: «KI kann riesige Datenmengen in kurzer Zeit verarbeiten und so Zusammenhänge zwischen den einzelnen Molekülen aufzeigen.» Seine Forschungsteams könnten so herausfinden, welche Funktionen diese Moleküle hätten. Die einzelnen Bestandteile von Lebensmitteln und ihre Funktionen werden so nachvollziehbar.

Lebensmittel sollen uns weniger altern lassen, Krebs vorbeugen, entzündungshemmend und bioaktiv sein.

Keine Superfood-Pille: Kenne man das Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile, könne man Lebensmittel optimieren. Das Resultat sei keine Superfood-Pille, sagt der Wissenschafter. Gemeinsame Mahlzeiten als wichtiger Teil vieler Kulturen könne man nicht einfach abschaffen: «In Zukunft werden wir wie heute in den Supermarkt oder ins Restaurant gehen und etwas essen, das wie bisher schmeckt – oder gar besser.» Die Lebensmittel blieben dabei bezahlbar, aber seien viel gesünder. «Lebensmittel sollen uns weniger altern lassen, Krebs vorbeugen, entzündungshemmend und bioaktiv sein.» Dieses Ziel wollen er und sein Team erreichen.

Sara Roversi

Social Entrepreneurin und Think-Tank-Gründerin

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Sara Roversi ist Gründerin und Präsidentin des Future Food Institute in Bologna. Sie setzt sich weltweit für nachhaltige Ernährungssysteme ein. Im Paideia Campus in Pollica bei Salerno untersucht sie die mediterrane Diät und entwickelt ein Modell für nachhaltige Gemeinschaften, das Umwelt, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit verbindet. Sara Roversi war Referentin an der International Food Innovation Conference des Gottlieb Duttweiler Instituts GDI.

Future Food Institute Bologna

Mehr Zukunft statt Superfood: Die Idee, Lebensmittel für die Gesundheit jedes Einzelnen zu optimieren, stösst allerdings auch auf Kritik. Zum Beispiel von Sara Roversi. Sie ist Gründerin des Future Food Institute in Bologna und engagiert sich weltweit für nachhaltige Ernährungssysteme. Mit Blick auf die Möglichkeiten durch KI, stellt sich ihr eine ganz andere, zentrale Frage: «Welche Zukunft wollen wir mit dieser Technologie bauen?»

Wir dürfen uns nicht allein fragen, welchen kurzfristigen Nutzen, welchen Vorteil die Technologie der Industrie oder den Konsumierenden bringt.

KI für Nachhaltigkeit: Für die Unternehmerin und Think-Tank-Gründerin müssten sich Konsumentinnen und Unternehmer in erster Linie fragen, wer ein Lebensmittel produziert habe und wie, ob dabei die Menschenrechte eingehalten oder wie viel Ressourcen verbraucht worden seien. «Wir dürfen uns nicht allein fragen, welchen kurzfristigen Nutzen, welchen Vorteil die Technologie der Industrie oder den Konsumierenden bringt.» Für Sara Roversi ist klar, dass KI da helfen kann. Denn es brauche intelligente Lösungen, um trotz weltweit beschränkter Ressourcen die Menschen rund um den Globus nachhaltig ernähren zu können.

KI – eine Vertrauensfrage?

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Vertrauen wir KI? Zu wenig, bilanziert Food-Vordenkerin Sara Roversi. «Es fehlt das Vertrauen gegenüber den Maschinen und der KI, das Vertrauen gegenüber den Influencern, die mir sagen, was ich essen soll. Wir haben nicht einmal mehr Vertrauen in die Ärztinnen, weil nicht klar ist, ob sie wirklich medizinisch geschult sind.»

Es brauche mehr Authentizität, mehr echte Erfahrungen, um dieses Grundvertrauen wiederherzustellen. Die Lösung: Vertrauen schaffen durch Bildung.

Das findet auch Ilias Tagkopoulos. Wir müssen noch besser lernen, mit Künstlicher Intelligenz richtig umzugehen. «Solange wir KI vertrauen müssen, ohne die Prozesse wirklich zu verstehen, werden wir uns dem Fortschritt verschliessen.»

So sollte es weitergehen: Wissenschaft und Industrie sind gefordert, mit KI künftig nicht nur die perfekt gesunden Lebensmittel zu kreieren, sondern auch deren Produktion ökologisch und sozial nachhaltig zu gestalten. Wenn wir als Gesellschaft verstehen, wo KI wie und wofür eingesetzt wurde, sind wir eher bereit, rundum optimierte Lebensmittel zu akzeptieren und in unsere Esskultur zu integrieren.

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Echo der Zeit, 20.7.2026, 18 Uhr; wilh