„Kann in allen Familien funktionieren“: Mutter testet uralte Erziehungsmethode und ist baff

StartseiteWeltStand: 20.07.2026, 21:07 UhrKommentareUns auf Google folgenSobald Schlafenszeit ist, wollen viele Kinder partout nicht ins Bett. Warum zwingen wir sie trotzdem, fragt sich eine Mutter aus den USA....

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„Kann in allen Familien funktionieren“: Mutter testet uralte Erziehungsmethode und ist baff

Stand: 20.07.2026, 21:07 Uhr

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Sobald Schlafenszeit ist, wollen viele Kinder partout nicht ins Bett. Warum zwingen wir sie trotzdem, fragt sich eine Mutter aus den USA.

Frankfurt – Es ist nervenaufreibend, was sich Abend für Abend in Kinderzimmern auf der ganzen Welt abspielt: von Heultiraden über Zähneputz-Wrestling bis zum plötzlichen Betteln nach einer Schüssel Müsli um 21:30 Uhr. Kein Wunder, dass der Selbstversuch von Elena Bridgers, einer zweifachen Mutter aus den USA, im Netz für Wirbel sorgt: Sie startete vor einigen Wochen ein „radikales Experiment“, wie sie es nennt, und hat die feste Schlafenszeit ihrer Kinder abgeschafft.

Inspiriert von der uralten Erziehungsmethode der Jäger und Sammler durften ihre vier- und sechsjährigen Kinder selbst entscheiden, wann sie ins Bett gehen. „Ich frage mich, ob ich meinen Kindern durch das jahrelange Aufzwingen einer Schlafenszeit die Fähigkeit genommen habe, ihre eigene Müdigkeit zu spüren“, schreibt sie auf Substack über ihr viertägiges Experiment. Bridgers setzte auf viel Bewegung am Vor- und Nachmittag, ein striktes Bildschirmverbot nach dem Abendessen und gedimmtes Licht am Abend.

Ihre Kinder mussten in dieser Zeit nicht um Punkt 21 Uhr ins Bett, sondern durften sich ab dieser Zeit nur noch mit ruhigen Aktivitäten wie Malen oder Basteln allein im Wohnzimmer beschäftigen. So wie sie es im Urlaub immer tun, wo es viel weniger Streit gebe, berichtet Bridgers. Das verblüffende Ergebnis ihres Versuchs: Spätestens um 22 Uhr krabbelten die Kinder von selbst und ohne Geschrei ins Bett. Ihr Fazit: „Wenn etwas weniger Schlaf der Preis für ein friedliches Familienleben ist, zahle ich ihn gerne.“

Mutter und Kinder in Bett

Eine Mutter testet, wie sich das Leben anfühlt, wenn ihre Kinder keine feste Schlafenszeit haben. (Symbolbild) © IMAGO / Westend61

Schlafmediziner reagiert auf Schlafenszeit-Experiment von US-amerikanischer Mutter

Bridgers‘ Experiment wirft die Frage auf, warum nicht alle Eltern auf feste Schlafenszeiten verzichten. Sie habe in ihrem Bericht die „wesentlichen Voraussetzungen für den gesunden Kinderschlaf eindrucksvoll beschrieben“, sagt Alfred Wiater der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Er ist Schlafmediziner und Schlafforscher, war viele Jahre Klinikchef und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. „Grundsätzlich kann die Vorgehensweise in allen Familien funktionieren.“

Das stressbelastende Hinauszögern der Einschlafzeiten samt einander aufschaukelnden Reaktionen seitens der Eltern und Kinder werde als „verhaltensbedingte Insomnie“ bezeichnet, erklärt Wiater. Es sei, wie Bridgers in ihrem Artikel zutreffend schreibe, „dysfunktional“ und müsse unbedingt gestoppt werden. Es sei wichtig, Kindern Raum für Selbstregulation zu geben. Diese beginnt mit dem Durchtrennen der Nabelschnur. In der ersten Zeit benötigten die Kinder elterliche Unterstützung, aber keine aktiven Interventionen, sondern vielmehr Hilfe dabei, zur Ruhe zu kommen, damit sie ihren individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus finden.

Kinderschlaf-Experte: „Späteres Einschlafen ist nicht das Problem"

Dass Bridgers in ihrem Erziehungs-Experiment abends das Licht gedimmt und auf technische Geräte bei ihren Kindern verzichtet habe, entspreche den allgemeinen schlafmedizinischen Empfehlungen. Helles Licht mit hohem Blaulichtanteil am Abend und in der Nacht zählt laut Wiater zu den am weitesten verbreiteten Störfaktoren des erholsamen Kinderschlafes. „Andererseits kann natürliches Sonnenlicht mit hohem Blauanteil am Morgen frühzeitigeres abendliches Einschlafen fördern.“

„Das spätere Einschlafen ist nicht das Problem, sondern das zu frühe morgendliche Aufwecken“, sagt der Schlaf-Experte der Frankfurter Rundschau. „Der Einschlafzeitpunkt wird sich unter dem von der Mutter praktizierten Vorgehen auf den individuell passenden Zeitpunkt einpendeln. Optimal wäre es, dass die Kinder sich morgens ausschlafen können, um ein Schlafdefizit zu vermeiden.“ Deshalb setzt er sich gemeinsam mit anderen Experten und Expertinnen aus dem Bereich Schlafmedizin für einen späteren Schulbeginn ein. (Quellen: eigene Recherche, Elena Bridgers Substack)