Paris: Mit unterirdischer Fernkälte gegen die Hitze
Hitzeschutz Frankreich Paris: Mit einem unterirdischen Kühlsystem gegen die Hitze Unter den Strassen von Paris verläuft eines der grössten Fernkältenetze Eur...
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Hitzeschutz Frankreich Paris: Mit einem unterirdischen Kühlsystem gegen die Hitze
Unter den Strassen von Paris verläuft eines der grössten Fernkältenetze Europas. Bereits 900 Gebäude werden so gekühlt.
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21.07.2026, 06:40
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Gleich neben dem Gare de Lyon, unbemerkt von Passantinnen und Touristen, befindet sich eine der Kältefabriken des Pariser Fernkältenetzes. Von hier aus werden unter anderem Museen, Kaufhäuser, das Parlament und Bürogebäude gekühlt. Bisher vor allem im Zentrum von Paris.
Eingang zu einer der Kältefabriken: «Fraîcheur de Paris» betreibt insgesamt 14 solche Kältezentralen. Rund 900 Gebäude, darunter auch der Louvre, werden so gekühlt.
SRF / Zoe Geissler
Das Pariser Kältesystem funktioniert, einfach gesagt, wie ein Kaltwasserkreislauf. Durch das rund 120 Kilometer lange Leitungsnetz fliesst etwa fünf Grad kaltes Wasser bis zu den angeschlossenen Gebäuden. Dort gibt die Leitung die Kühle ab und nimmt die Gebäudewärme mithilfe eines sogenannten Wärmetauschers auf. Anschliessend gelangt das erwärmte Wasser zurück zur Kältezentrale, wo es – im Sommer – erneut mit Kühlanlagen heruntergekühlt wird.
Die dabei entstandene Abwärme muss abgeführt werden. Drei der insgesamt vierzehn Kältezentralen nutzen dafür die Seine.
Das Fernkältenetz von «Fraîcheur de Paris» ist ein Bestandteil der Strategie von Paris im Rahmen der Energiewende.
Fraîcheur de paris
Die Seine dient sozusagen als natürlicher Kühler. Doch genau das kann während Hitzewellen zur Herausforderung werden. Es gäbe strenge Auflagen, sagt Tim Guigon, Kommunikationschef von «Fraîcheur de Paris»: «Wir dürfen das Wasser, das wir aus der Seine pumpen, nicht um mehr als drei Grad über seine natürliche Temperatur erwärmen und maximal auf 30 Grad.»
Fernkälte statt Klimaanlagen?
Nach der vergangenen Hitzewelle, bei der in Frankreich Züge ausfielen, Teile der Bretagne keinen Strom hatten und die Zahl der Todesfälle deutlich anstieg, wird hierzulande erneut heftig über den Umgang mit der Hitze diskutiert. Dabei sind die klassischen Klimaanlagen erneut zum Politikum geworden.
Das noch eher unbekannte Kältenetz von «Fraîcheur de Paris» habe demgegenüber Vorteile, sagt Geschäftsführerin Marie Carlo: «Es verbraucht weniger Strom, stösst weniger CO₂ aus und bläst keine warme Abluft auf die Strassen.» Ausserdem bleibe die Infrastruktur weitgehend unsichtbar im Untergrund.
Ein Vorteil in einer Stadt, in der das historische Stadtbild und das architektonische Erbe besonders geschützt werden.
Kühlanlagen kühlen das erwärmte Wasser wieder herunter. Sie funktionieren ähnlich wie Kühlschränke.
SRF / Zoe Geissler
Doch auch dieses Netz wurde bei der letzten Hitzewelle auf eine harte Probe gestellt, räumt die Geschäftsführerin ein, auch wenn es grundsätzlich sehr robust sei. «Wir haben durchgehalten. Aber wenn unsere Anlagen mehrere Tage auf Hochtouren laufen, kann es zu Problemen kommen.» Das Netz sei nicht dafür ausgelegt, bei Temperaturen von 40 Grad allen Kunden die gewohnte Kühlleistung bereitzustellen.
Verdreifachung des Kältenetzes
«Fraîcheur de Paris», das mehrheitlich dem Energiekonzern Engie gehört, betreibt das Fernkältenetz im Auftrag von Paris. Im Auftrag der Stadt soll das Unternehmen das Netz innert rund 20 Jahren verdreifachen. Im Fokus stünden dabei eher Spitäler, Schulen oder Altersheime, so Carlo. Sie findet: «Kühlung ist kein Komfort. Sie ist absolut notwendig, um eine Stadt wie Paris an den Klimawandel anzupassen.»
Tage mit 40 Grad waren in der letzten Hitzewelle im Juni in Paris keine Seltenheit. Die Kühlsysteme kommen ans Limit.
REUTERS / Tom Nicholson
Der Ausbau dürfte auch einige Herausforderungen mit sich bringen. So brauchen die Rohrsysteme viel Platz im Untergrund. Und selbst wenn das Netz wie geplant wächst, ist es in Paris – einer der am dichtesten besiedelten Städte Europas – nur ein Baustein unter vielen, um die Stadt an ein wärmeres Klima anzupassen.
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Echo der Zeit, 20.7.2026, 18 Uhr