Zahl der Toten nach Sturzflut in Nepal steigt auf mehr als 500

Nach der Flutkatastrophe in Nepal und Tibet wurden 538 Tote geborgen. Die Arbeiten werden durch gestauten Seen gefährdet, die brechen könnten. Ein Hoffnungsschimmer: Eine vierköpfige deutsche Familie wurde gerettet.

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Zahl der Toten nach Sturzflut in Nepal steigt auf mehr als 500
Soldaten tragen in der Stadt Battar Bazar im nepalesischen Distrikt Nuwakot einen geretteten Einwohner in ein Militärlager.

Nach Sturzflut im Himalaya Mehr als 500 Tote in Nepal - deutsche Familie gerettet

Stand: 28.08.2026 • 14:10 Uhr

Nach der Flutkatastrophe in Nepal und Tibet wurden 538 Tote geborgen. Die Arbeiten werden durch gestauten Seen gefährdet, die brechen könnten. Ein Hoffnungsschimmer: Eine vierköpfige deutsche Familie wurde gerettet.

Zwei Tage nach der Sturzflut im Himalaya hat sich die Zahl der Todesopfer in Nepal und Tibet nach Behördenangaben auf insgesamt mindestens 543 erhöht. Der nepalesische Katastrophenschutz meldete 538 bestätigte Tote. Chinesische Staatsmedien zufolge stieg die Zahl der Toten in der von China kontrollierten autonomen Region Tibet auf fünf. Mehr als 1.400 Menschen gelten als vermisst.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts befindet sich eine niedrige zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger unter den Vermissten. Eine vierköpfige Familie konnte indes nach nepalesischen Armeeangaben gerettet werden.

"Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, wären wir gestorben"

Die Familie aus dem Berchtesgadener Land war nach einer Trekking-Tour gerade in Trishuli Bazar, als die Wassermassen kamen. Eine kurzfristige Planänderung habe ihnen vermutlich das Leben gerettet, sagte der 37-jährige Familienvater Manuel Münch der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben", sagte Münch. Er war mit seiner nepalesischen Frau und den beiden Kindern nach Nepal gereist, um Verwandte zu besuchen und in der Langtang-Region zu wandern.

Die Familie wurde zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Militärcamp gebracht, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur dpa. Aus Kreisen des nepalesischen Tourismusministeriums hieß es, insgesamt seien 117 ausländische Touristen in Sicherheit gebracht worden.

Suche nach Opfern unterbrochen

In Teilen des Katastrophengebiets mussten die Einsatzkräfte jedoch zeitweise ihre Suche nach Opfern im Grenzgebiet von Nepal und Tibet unterbrechen. Auch im nepalesischen Katastrophengebiet Rasuwa wurden Rettungsaktionen nach Angaben eines Armeesprechers unterbrochen.

Grund sei die Gefahr einer erneuten Flutwelle gewesen. Das chinesische Staatsfernsehen berichtete, ein See, der sich hinter Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut habe, trete über die Ufer. Nach einer Warnung der Polizei in Nepal war kurzzeitig Panik in der Bevölkerung ausgebrochen. Mittlerweile seien die Risiken durch den überlaufenden See unter Kontrolle, hieß es von den Behörden.

Dieses Luftbild, das am 27. August 2026 auf dem Weibo-Account des mobilen Feuerwehr- und Rettungsdienstes von Lhasa veröffentlicht wurde, zeigt einen Stausee, der sich nach einem Erdrutsch gebildet hat.

17.000 Kinder brauchen Hilfe

Die Flutkatastrophe hat verheerende Auswirkungen auf die Menschen im Katastrophengebiet. Die Internationale Rotkreuz-Föderation (IFRK) schätzt, dass mindestens 93.000 Menschen betroffen sind. Darunter seien nicht nur Verletzte, sondern etwa auch die ehemaligen Bewohner der zerstörten Häuser, sagte ein IFRK-Vertreter.

"Die Schäden sind einfach unglaublich", schilderte eine lokale Vertreterin des UN-Nothilfebüros OCHA, die derzeit das Katastrophengebiet besucht. Mehr als 40 Brücken und 40 Kilometer Straße seien zerstört oder schwer beschädigt. Auch Wasserkraftanlagen seien betroffen.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef benötigen mindestens 17.000 Kinder dringend humanitäre Hilfe. Es sei auch wichtig, Ersatz für zerstörte und beschädigte Schulen zu schaffen, hieß es. Kinder im Katastrophengebiet seien nun dem Risiko von Mangelernährung, Gewalt, Ausbeutung und psychologischem Trauma ausgesetzt, sagte Unicef-Sprecher Ricardo Pires in Genf. "Der Notstand endet nicht, wenn die Flut zurückgeht", sagte er.

Bergsturz wohl Ursache

Ausgelöst hatte die Flut am Mittwoch offenbar ein Bergsturz. Zusammen mit dem Fels war auch ein Gletscher abgebrochen, sagte Gletscherforscherin Mylène Jacquemart im Interview mit tagesschau24. Eine gewaltige Lawine aus Geröll, Eis und Schlamm hatte daraufhin in kürzester Zeit Dörfer, Straßen und Brücken in der Region zerstört. Den Menschen blieb kaum Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.