„Zaren-Dynamik“: Putin erfährt möglicherweise nicht die Wahrheit im Ukraine-Krieg
StartseitePolitikCIA-Chef warnte Kreml vor Kriegslage – und zweifelt, ob Putin die Wahrheit erfährtStand: 28.08.2026, 14:28 UhrKommentareUns auf Google folgenWeiß Putin, wie es um Russland im Ukraine-Krieg steh...
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CIA-Chef warnte Kreml vor Kriegslage – und zweifelt, ob Putin die Wahrheit erfährt
Stand: 28.08.2026, 14:28 Uhr
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Weiß Putin, wie es um Russland im Ukraine-Krieg steht? CIA-Analysten haben ihre Zweifel – einiges spricht dafür, dass sie recht haben.
Moskau – Die Invasion Russlands in der Ukraine zieht sich nunmehr über vier Jahre – und Putins Truppen erzielen seit Monaten kaum Fortschritte. Dafür erleiden Putins Truppen immer wieder herbe Verluste, die russische Wirtschaft leidet zunehmend und die Ukraine schlägt beherzt mit Drohnenangriffen im Innern Russlands zurück. Dennoch hat sich Kreml-Chef Wladimir Putin bisher nicht auf ernsthafte Verhandlungen eingelassen, den Krieg zu beenden. Es drängt sich die Frage auf: Ist dem 73-Jährigen überhaupt bewusst, wie es um die russische Position im Krieg steht?

Nicht unbedingt, fürchten CIA-Analysten seit Längerem. Sie bezweifeln, dass Putins Berater ihm eine ehrliche Einschätzung zum Verlauf des Krieges und den Verlusten geben. Das berichtet die New York Times vor dem Hintergrund eines Moskau-Besuchs von CIA-Direktor John Ratcliffe vor wenigen Tagen.
CIA-Direktor spricht offen Russlands Schwachstellen an
Ratcliffes Besuch war der erste CIA-Chef in Moskau seit 2021. Der Direktor des US-Geheimdienstes soll dem Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Aleksandr Bortnikow, nahegelegt haben, nicht die NATO anzugreifen. Außerdem soll er versucht haben, Russland zum Einlenken im Ukraine-Krieg zu bewegen – vor dem Hintergrund der verheerenden Lage im Krieg sowie Russlands ächzender Wirtschaft.
Schon kurz zuvor hatte Ratcliffe öffentlich Russlands Schwachstellen benannt: Die Lebenserwartung eines russischen Soldaten an der Front betrage weniger als 35 Minuten und Russland habe seit eineinhalb Jahren lediglich ein Prozent der Ukraine eingenommen. Er führte den Stillstand auf die hochentwickelte Drohnenstrategie der Ukraine zurück.
Die bekommen auch die Russen mittlerweile deutlich zu spüren. Immer wieder attackiert die Ukraine seit geraumer Zeit Ziele im Landesinnern Russlands und auf der annektierten Halbinsel Krim. Lager des Versandhändlers Wildberries oder Ölraffinerien fallen den ukrainischen Drohnenangriffen zum Opfer; auch vor Russlands Hauptstadt Moskau machen sie nicht Halt. Aktionen, die für Unsicherheit und Wut in der Bevölkerung sorgen und sich in sinkenden Zustimmungswerten für Putin bemerkbar machen. Wegen des durch die Angriffe auf Raffinerien knapp gewordenen Benzins forderte Putin seine Regierung auf, Subventionen für die Krim bereitzustellen. Putin bekommt also durchaus die Folgen der ukrainischen Angriffe auf seine Bevölkerung mit.
Allerdings ist davon auszugehen, dass sich der Kreml-Chef, was die Fortschritte im Krieg angeht, in einer sogenannten Echokammer befindet – ein sozialer Raum, in dem man hauptsächlich auf Menschen trifft, die die eigene Meinung teilen und verstärken. Darauf deuten unterschiedliche strategische Fehlkalkulationen aus der Vergangenheit hin. Etwa, dass Putin davon ausging, in der Ukraine von einem Großteil der Bevölkerung mit offenen Armen begrüßt zu werden und die Regierung in Kiew in wenigen Tagen zerfallen und Russland das Feld überlassen würde.
Ein Trugschluss, wie sich schnell herausstellen sollte. Beobachter berichten von einer „Zaren-Dynamik“ und einem Klima der Angst vor schlechten Nachrichten, in dem selbst hochrangige Militärs und Geheimdienstler negative Entwicklungen von Putin fernhalten. Zudem soll sich der russische Präsident Berichten zufolge immer weiter abschotten und seinen sozialen Umkreis eingrenzen – aus Angst vor möglichen Anschlägen.
Plant Putin den Angriff auf die NATO?
All das könnte dafür sprechen, dass Putin, wie von der CIA vermutet, kein realistisches Bild der Lage im Ukraine-Krieg hat. Man kann nur spekulieren, ob etwa die Rekrutierung von Soldaten aus Nordkorea und Afrika ein Akt der Verzweiflung in einem Krieg ist, den Putin sehenden Auges verliert. Oder ob Aktivitäten wie diese Teil einer größeren Vision sind, etwa Vorbereitungen eines Angriffs auf die NATO – vor dem Russland nun durch den CIA-Direktor eine dringliche Warnung bekommen hat. (Quellen: New York Times, Kyiv Post, Kyiv Independent, Novaya Gazeta, The Cipher Brief, Business Insider, Carnegie Endowment for International Peace) (ial)