Partners Group aus der Schweiz: Investor erregt Aufsehen mit Vorstandsexit bei Techem

Knall auf Fall tauscht das Private-Equity-Haus Partners Group zwei Vorstände beim Heizkostenerfasser Techem aus. Die Schweizer fallen in Deutschland auch mit den Schwierigkeiten beim Tierfigurenhersteller Schleich auf.

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Partners Group aus der Schweiz: Investor erregt Aufsehen mit Vorstandsexit bei Techem

Mit dem Austausch zweier Geschäftsführer bei seinem Heizkostenerfasser Techem rückt der Finanzinvestor Partners Group ins Rampenlicht. Knall auf Fall sind Unternehmenschef Matthias Hartmann und Finanzchef Carsten Sürig aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Einen Tag nach Bekanntgabe der Personalie standen beide am Freitag schon nicht mehr an der Spitze des Unternehmens, und es gibt zwei interimistische Ko-Leiter. Wie die F.A.Z. aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, wurden beide Manager äußerst kurzfristig über ihren Abgang informiert. Eine Person aus dem Umfeld des Unternehmens sagte, der Investor habe Hartmann und Sürig am Dienstag zu einem Gespräch am Donnerstag gebeten. Darin erfuhren sie von der Personalie mit Wirkung vom selben Tag. Techem und Partners Group lehnten dazu einen Kommentar ab. Der Schweizer Investor hält die Mehrheit am Ablesekonzern aus Eschborn, andere Investoren sind mit Minderheitspaketen beteiligt.

In einer Mitteilung an Mitarbeiter, die der F.A.Z. vorliegt, informierte der Aufsichtsrat, er habe sich mit den beiden 60 Jahre alten Managern „einvernehmlich auf einen Wechsel an der Führungsspitze verständigt“.
Hartmann hatte vor vier Monaten angekündigt, seinen Vertrag über das Frühjahr 2027 hinaus nicht zu verlängern. Er hat dem Vernehmen nach schon einen neuen Leitungsposten in einem anderen Unternehmen in Aussicht. Eine vorzeitige Trennung vonseiten des Eigentümers ist in einer solchen Situation nicht völlig ungewöhnlich – unüblich aber ein derart abrupter Abgang, zumal noch kein regulärer Nachfolger benannt ist. Stattdessen führt nun eine Übergangsdoppelspitze das Unternehmen aus Eschborn, „bis die Positionen endgültig neu besetzt sind“, wie Techem mitteilte. Das Duo besteht aus dem Deutschlandchef Ulrich Schiller, 50 Jahre, und Aufsichtsratsmitglied Michael Nilles, 53 Jahre. Das dritte Mitglied der Geschäftsführung, Nicolai Kuß, verbleibt in seiner Position, er verantwortet Vertrieb und Kundenmanagement.

Abgang noch am selben Tag

Komplett überrascht worden ist dem Vernehmen nach Sürig, der unter anderem bei Anleiheinvestoren einen guten Ruf genießt – so wie auch Hartmann in der Branche anerkannt ist. Als Techem Ende April bekannt gab, Hartmann werde seinen Vertrag im kommenden Frühjahr nicht verlängern, hatte man sich mit der Nachfolge noch Zeit gelassen: Das zuständige Gremium werde „zu gegebener Zeit einen strukturierten Nachfolgeprozess durchführen“, hieß es damals. Erst vor einer Woche schickte Techem eine Terminvormerkung („Save the Date“), wonach Hartmann am 1. Oktober den „Techem Atlas“ vorstellen sollte, der die Entwicklung von Energie-, Wärme- und Wasserverbrauch in deutschen Mehrfamilienhäusern beleuchtet – ein weiteres Indiz dafür, dass der Wechsel auch intern abrupt kam.

Techem ist, mit Unterbrechung, seit 30 Jahren in der Hand von Private Equity. Im vergangenen Jahr geriet das Unternehmen zum wiederholten Male in eine neue Eigentümerkonstellation. Partners Group hatte den Erfasser von Heizungs- und Wasserkosten in Immobilien an den US-Finanzinvestor TPG veräußern wollen. Doch der zog sich aus der 6,7 Milliarden Euro schweren Vereinbarung zurück, als die EU-Kartellaufsicht eine vertiefte Prüfung wollte. Stattdessen stieg TPG am Ende mit einer Minderheitsbeteiligung ein. Nach damaligen Techem-Angaben lagen in der neuen Struktur noch 51 Prozent bei Partners Group. Als weitere Minderheitseigner wurden der singapurische Staatsfonds GIC und die Investmentgesellschaft Mubadala aus Abu Dhabi genannt.

Probleme auch anderswo im Portfolio

Partners Group ist in Deutschland vor allem durch den Spielzeughersteller Schleich bekannt, den der Investor 2019 erworben hatte. Das Unternehmen durchlief eine Umstrukturierung, der Firmensitz wurde von Schwäbisch Gmünd nach München verlegt, wichtige Abteilungen wanderten nach Prag ab. Laut einer aktuellen Mitteilung des Bundeskartellamts will der Investor H.I.G. Capital eine Minderheit an Schleich erwerben. Das Magazin „Finance“ aus der F.A.Z.-Gruppe arbeitet auf Basis einer Anmeldung bei der österreichischen Wettbewerbsbehörde heraus, es gehe um einen Debt-to-Equity-Swap, bei dem Kreditgeber Forderungen in Anteile tauschen. Die heimische Presse berichtete über Probleme auch in anderen Beteiligungen: „Götterdämmerung am Zugersee“, titelte die schweizerische „NZZ“ im Mai in Anspielung auf den Sitz der Gesellschaft. Partners Group gehört zu den Private-Equity-Häusern, die an der Börse notiert sind. Die Aktie hat seit Jahresbeginn etwa ein Viertel an Wert verloren.

Techem ist einer von zwei dominierenden Konzernen, die den Wärme- und Wasserverbrauch in Mehrfamilienhäusern erfassen und die Kosten für die einzelnen Haushalte berechnen. Großer Konkurrent ist Ista. Kunden sind Wohnungsbaugesellschaften, Hausverwaltungen und Eigentümer in Mehrfamilienhäusern. Der früher börsennotierte Konzern erzielt nach den jüngsten veröffentlichten Angaben mehr als eine Milliarde Euro Jahresumsatz mit 4300 Beschäftigten und bedient knapp 14 Millionen Wohnungen in 18 Ländern.