Naumburg: Neues "Zentrum Welterbe" am Dom eröffnet

Ein neues "Zentrum Welterbe" beim Naumburger Dom soll seit Donnerstag Touristen an die gesamte Welterberegion heranführen. Empfangsräume und eine neue Ausstellung sollen spielerisch vermitteln, was das Welterbe ausmacht. Für das Zentrum wurde die historisches Bischofskurie jahrelang saniert.

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Naumburg: Neues "Zentrum Welterbe" am Dom eröffnet
Die Türme des Doms in Naumburg sind durch ein Fenster der ehemaligen Bischofskurie zu sehen, in der sich das neue Welterbe-Zentrum befindet

AUDIO: Naumburg bekommt ein Welterbezentrum (4 Min)

Domplatz

Stand: 28.08.2026 14:08 Uhr

Ein neues "Zentrum Welterbe" beim Naumburger Dom soll seit Donnerstag Touristen an die gesamte Welterberegion heranführen. Empfangsräume und eine neue Ausstellung sollen spielerisch vermitteln, was das Welterbe ausmacht. Für das Zentrum wurde die historisches Bischofskurie jahrelang saniert.

von Sandra Meyer, MDR Kulturdesk

  • Das Zentrum Welterbe hat rund 13 Millionen Euro gekostet.
  • Dort können Besucher die berühmten Stifterfiguren persönlich kennenlernen oder Glasfenster des Doms nachpuzzeln.
  • Zur Eröffnung ist das Haus drei Tage lang gratis zu besuchen.

Am Naumburger Domplatz ist am Donnerstag das neue "Zentrum Welterbe" eröffnet worden. Es befindet sich in der historischen Bischofskurie gegenüber dem Dom. Sie wurde in den vergangenen Jahren umfänglich saniert, restauriert und mit einer modernen Ausstellung ausgestattet. Dafür haben Bund, Land und andere Stifter rund 13 Millionen Euro investiert.

Die Grundidee ist eine Vermittlung des Welterbe-Gedankens und des Naumburger Doms – für jedermann. Ausstellungsgestalterin Katrin Steinert

Im Zentrum Welterbe gibt es Tickets für den Naumburger Dom und einen Informationsservice, barrierearme Besucherführungen sowie einladende Aufenthaltsbereiche mit Zugang zum neu gestalteten Kuriengarten. Es soll als erster Anlaufpunkt für alle Gäste der Welterberegion Saale-Unstrut dienen.

Eine weiße Fassade eines alten Gebäudes mit der Aufschrift "Centrum Welterbe"

Das Welterbe-Zentrum in Naumburg befindet sich in der sanierten Bischofskurie am Domplatz.

Zentrum Welterbe als touristisches Highlight

Allein die sanierte Fassade des Renaissancebaus und die moderne bronzene Eingangstür spiegeln die Idee des neuen Welterbezentrums: Geschichte sinnlich, aber modern zu erzählen. Ausstellungsgestalterin Katrin Steinert sagte MDR KULTUR, die Grundidee für das Zentrum Welterbe sei "eine Vermittlung des Welterbe-Gedankens und des Naumburger Doms – für jedermann". Es solle "sinnlich, ohne Schwellenangst" sein und Lust machen, das Welterbe und seine Kulturlandschaft zu entdecken.

Video: Einweihungsfeier für Welterbe-Zentrum am Naumburger Dom (2 Min)

Der Direktor der Vereinigten Domstifter, Holger Kunde, ergänzte, der Dom sei "der Leuchtturm", aber er stehe "im Geflecht einer Kulturlandschaft". Der Unesco-Titel von 2018 verpflichtet die Vereinigten Domstifter, genau diesen Zusammenhang sichtbar zu machen.

Wie eine mittelalterliche Graphic Novel

Das wird schon im Erdgeschoss deutlich: Dort gibt es einerseits einen ebenfalls bronzenen Informationstresen für Ticketverkauf, Besucherservice und viele Prospekte zu allen anderen Welterbestätten in Sachsen-Anhalt.

Ein riesiger Wandteppich, auf dem eine weite Landschaft abgebildet ist

Ein riesiger Wandteppich im Eingangsbereich erzählt Geschichten aus Naumburg und Umgebung.

Außerdem hängt dort ein etwa drei mal vier Meter großer zeitgenössischer Wandteppich. Angelehnt an mittelalterliche Bildteppiche werden hier Geschichten der Region erzählt. Für Stiftsdirektor Holger Kunde ist der Teppich ein "Knaller".

Holger Kunde

Holger Kunde, Direktor der Vereinigten Domstifter.

Ein Knaller. Stiftsdirektor Holger Kunde über großformatigen Wandteppich

Auf dem großformatigen Werk, in Belgien gewebt, entfaltet sich die hochmittelalterliche Herrschafts- und Kulturlandschaft an Saale, Unstrut und Elster – comicartig, detailverliebt und mit Witz. Zu sehen sind Weinberge, Steinbrüche, das Zisterzienserkloster Pforte, Neuenburg, Dörfer, Flößerei, mythische Figuren.

Banksy des Mittelalters: Anonymer Naumburger Meister

Und natürlich ist auch der Naumburger Meister zu sehen, der die berühmten Stifterfiguren im Westchor des Doms geschaffen hat. Hier ist er mit Sonnenbrille gewebt – man weiß ja bis heute nicht, wer er wirklich war.

Blick in einen Ausstellungsraum mit Vitrinen und Tischen

Einer der Ausstellungsräume im neuen Zentrum Welterbe Naumburg.

Er steht auch im Zentrum eines weiteren Schwerpunktes im Obergeschoss. Der anonyme Architekt und Bildhauer wird hier als reisender Künstler greifbar – von Frankreich über Mainz nach Naumburg, weiter nach Meißen, vielleicht bis nach Spanien.

Originale aus dem Dom, ergänzt durch Gipsabgüsse aus anderen Orten, zeigen, was seine Kunst ausmacht: das Zusammenspiel von Architektur, Skulptur und Glasmalerei.

Stifterfiguren in der Ausstellung zum Dom

Die Stifterfiguren aus dem Dom gibt es im Welterbe-Zentrum als erzgebirgische Holzfiguren zu sehen.

Hello, I'm Uta – Stifterfiguren aus Dom stellen sich vor

Besonders publikumsnah sind die berühmten Stifterfiguren, allen voran die Uta. Sie stehen hier als 20 Zentimeter kleine erzgebirgische Holzfiguren, die man in eine markierte Fläche stellen kann. "Dann stellt die Figur sich selbst vor", erklärt Kunde mit sichtlicher Freude.

Ausstellungsgestalterin Steinert schätzt an diesem Element den spielerischen Zugang: "Das ist etwas, was für jedermann funktioniert." Die Figuren sprechen Deutsch und Englisch.

Glas, das leuchtet – und sich zusammensetzen lässt

Die Glasfenster des Westchores aus dem 13. Jahrhundert gehören zu den kostbarsten Schätzen des Doms. Im Zentrum Welterbe werden sie "begreifbar" gemacht: An einem Lichttisch können Kinder und Erwachsene zwei Bischofsmedaillons aus Bleiglas nachpuzzeln.

Studienzimmer Julius Pflug im Welterbe-Zentrum Naumburg

Im einstigen Studienzimmer des Bischofs Julius Pflug wird im Welterbe-Zentrum an ihn erinnert.

Das Prinzip ist simpel, der Effekt groß, erklärt Steinert: "Damit begreift eigentlich auch ein Kind, wie die damaligen Baukünstler die Glasfenster gestaltet haben."

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Welterbe Naumburger Dom – auch für Kinder

Dass das Zentrum Welterbe nicht nur für Fachpublikum gedacht ist, zeigt sich an vielen Details. Steinert betont: "Auch Kinder sollen hier einen Einstieg in den Welterbe-Gedanken finden."

Mappe zeigt Kultur- und Welterbelandschaft in Sachsen-Anhalt

Das Zentrum Welterbe soll der Zugang zur gesamten Kultur- und Welterbelandschaft der Region sein.

Ein unerwartetes Maskottchen unterstützt sie: Bei den Restaurierungsarbeiten kam eine farbenprächtige Renaissance-Malerei eines Eisvogels zum Vorschein. Henri, wie er nun heißt, führt künftig vor allem jüngere Besucherinnen und Besucher spielerisch durch Haus, Dom und Region.

Zum Start öffnet das Zentrum Welterbe seine Türen drei Tage lang kostenfrei. Führungen, kreative Angebote der KinderDomBauhütte, ein Informationsstand der Welterbestätten Sachsen-Anhalts, ein Kunsthandwerkermarkt sowie Weine und Spezialitäten aus Saale-Unstrut knüpfen den Bogen von der Ausstellung hinaus in die Region.

Eröffnungswochenende "Kunst – Geschichte – Genuss"

Mit u.a. kostenfreien Besichtigungen und Führungen, Workshops der KinderDomBauhütte und einem Kunsthandwerkermarkt.

Termine:
28. August 2026, 14 bis 18 Uhr
29. August 2026, 10 bis 18 Uhr
30. August 2026, 10 bis 18 Uhr

Eintritt:

frei

Quelle: MDR
Redaktionelle Bearbeitung: hki, vp