"Eine ganze Nation trauert": Norwegens König Harald ist tot

Norwegen hat sein beliebtes Staatsoberhaupt verloren: Nach Jahren mit Krankheiten ist König Harald V. gestorben. Er hinterlässt seinem Sohn Haakon eine Monarchie in unsicheren Zeiten. In Oslo trauern Tausende.

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"Eine ganze Nation trauert": Norwegens König Harald ist tot

Jahrzehntelang war er ein Stabilitätsanker und bei seinen Landsleuten wegen seiner bescheidenen Art beliebt. Nun ist der norwegische König Harald V. im Alter von 89 Jahren gestorben. Um 6.35 Uhr war er im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. In tiefer Trauer gedenken die Norwegerinnen und Norweger in Oslo auf dem Schlossplatz ihres Königs. Viele haben Tränen in den Augen, als sie dort Blumen niederlegen. Den Thron erbt Haralds Sohn Haakon, der wie weitere Familienmitglieder am Krankenbett gewacht hatte.

Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.

Trauernde wischen sich Tränen aus den Augen
Trauer auf dem Schlossplatz von OsloBild: Lise Aserud/NTB/REUTERS

"Er war ein großartiger König", sagte eine Norwegerin der Deutschen Presse-Agentur auf dem Schlossplatz. "Es ist eine harte Zeit für alle."

Trauer auch in anderen Monarchien und in der Politik

 "Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens", sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. "Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kondolierte im Onlinedienst X. König Harald sei ein wahrer Europäer gewesen und habe die Norweger in guten und schlechten Zeiten geeint.

Dänemarks König Frederik X. und Königin Mary veröffentlichten einen Brief an den neuen König Haakon: "Lieber Haakon, mit großer Trauer haben wir vom Tod deines Vaters, Seiner Majestät König Harald, erfahren. Dein Vater hat für meine Mutter und für uns eine große Bedeutung gehabt. Onkel Harald konnte mit seiner herzlichen Art und seiner unerschütterlichen Ruhe jeden in seiner Gegenwart beruhigen. Er war ein feiner Mensch mit einem Lächeln in den Augen und einem großen Herzen."

Ein Leben mit Höhen und Tiefen

Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt.

König Harald V.
Auch das gehörte zu den royalen Pflichten - König Harald V. bei seiner Neujahrsansprache 2020Bild: Haakon Mosvold Larsen/NTB Scanpix/REUTERS

Schwierige Zeiten kannte Harald von Kindesbeinen an. Gut drei Jahre nach seiner Geburt am 21. Februar 1937 auf dem Familienanwesen Skaugum nahe Oslo marschierten die Nazis in Norwegen ein. Harald wurde zunächst nach Schweden gebracht, dann in die USA. Während sein Vater und sein Großvater König Haakon VII. in London die norwegische Exilregierung anführten, lebte Harald mit seiner Mutter in Washington.

Nach dem Krieg kehrte die Königsfamilie in ihre Heimat zurück. Harald besuchte eine reguläre staatliche Schule und danach die norwegische Kriegsschule. 1955 trat er in die Kavallerie-Akademie ein, später studierte er in Oslo Volkswirtschaft und Politikwissenschaften. Ein Studium an der Universität Oxford von 1960 bis 1962 rundete seine Ausbildung ab. Dort tat er sich als einer der besten Athleten im Rudersport der britischen Elite-Universität hervor.

Beliebt bei den Norwegern

Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art - und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors.

Denkmal zwischen Bäumen, dahinter Wasser
Gedenkstelle für die Opfer des Anschlags auf der Insel UtøyaBild: Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968 - obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Haakon heiratete mit Mette-Marit eine "ganz normale Norwegerin". Seine Tochter Märtha Louise ist inzwischen in zweiter Ehe mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verheiratet.

Unsichere Zukunft für die norwegische Monarchie

Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Sein Sohn Haakon ist nun der neue König. Doch während Harald in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Viele Norweger sind seitdem unsicher, ob Mette-Marit wirklich das Zeug zu einer Königin hat. Doch wie aus der offiziellen Liste des Königshauses hervorgeht, die nach der Todesmeldung im Internet veröffentlicht wurde, ist Mette-Marit die neue Königin von Norwegen. 

fab/se (dpa, afp, AP, kna)