Zwischen den Zeilen: Alpenliebe, Kündigungen und Warnsignale

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Zwischen den Zeilen: Alpenliebe, Kündigungen und Warnsignale

Stand: 05.09.2026, 13:00 Uhr

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Daniel Göbel

Daniel Göbel © etrolpgoebel

In unserer Wochenkolumne Zwischen den Zeilen schreibt Daniel Göbel über Freunde aus Österreich, wirtschaftliche Probleme und die Landtagswahl in Sachsen Anhalt.

Man muss es einfach anerkennen: Bad Hersfeld wird österreichisch. Nicht plötzlich, nicht offiziell und vermutlich auch nicht mit Zustimmung des Bundesrates – aber mit erstaunlicher Konsequenz. Seit Intendantin Elke Hesse das Kommando bei den Festspielen übernommen hat, bewegt sich die Stadt unaufhaltsam Richtung Alpenrepublik. Hesse hat schließlich ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Bad Hersfeld soll zum „Salzburg des Nordens“ werden. Und wer den Spielplan 2027 betrachtet, muss feststellen: Der Anschluss ist praktisch vollzogen.

Den Anfang macht der „Jedermann“. Gut, der heißt in Hersfeld inzwischen „Jedermann wird Jedermensch“. Aber wir wollen jetzt nicht kleinlich sein. Schließlich weiß jeder: Wenn in Österreich ein Klassiker auf die Bühne kommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er aus Salzburg stammt, in Wien besprochen oder zumindest mit bedeutungsschwerem Blick über einen Melange-Tisch diskutiert wurde. Dann „Im weißen Rössl“. Österreichischer wird es eigentlich nur noch, wenn während der Pause jemand im Dirndl durch die Stiftsruine geht und fragt, ob noch jemand einen Kaiserschmarrn möchte. Regisseur Philipp M. Krenn bezeichnete das Stück sogar als „Ur-Stück für Österreich“. Mit Krenn und Oberspielleiter Michael Schachermaier sitzen bereits zwei Österreicher in maßgeblichen künstlerischen Positionen. Hesse selbst ist Wienerin. Doch damit nicht genug: Im Rahmenprogramm kommt Harald Krassnitzer – jener Wiener Schauspieler, der als „Tatort“-Kommissar schon seit Jahren dafür sorgt, dass Österreich auch im deutschen Fernsehen zuverlässig vertreten ist. Und wer jetzt noch glaubt, das sei alles Zufall, dem sei der „Gruß aus Wien“ empfohlen: So gastiert der Orchesterverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien in der Stiftsruine.

Solange auf dem Marktplatz jemand „Guuden Moin“ sagt, ist die kulturelle Übernahme noch nicht abgeschlossen. Aber Vorsicht: Denn wenn im kommenden Jahr nach der Vorstellung des „Weißen Rössl“ plötzlich jemand in der Stiftsruine fragt, ob die Besucher lieber Apfelschorle oder Almdudler möchten, wissen wir: Österreich ist angekommen. Und Bad Hersfeld sagt nicht mehr „Guten Abend“, sondern „Servus“ und „Grüß Gott“. Eine traurige Nachricht erreichte indes die Mitarbeiterschaft von System Alliance in Niederaula. Der dortige Hauptumschlagbetrieb für Stückgut- und Expressnetzwerke soll zum Jahresende eingestellt werden. Nach unseren Informationen haben die Mitarbeiter bereits ihre Kündigungen erhalten. Betroffen sind davon 55 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte sowie 25 weitere Minijobber. Bleibt zu hoffen, dass die betroffenen Mitarbeiter rasch andere Beschäftigungsmöglichkeiten finden. Der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda zufolge stehen die Chancen in der Region im Bereich Logistik nicht schlecht. Die Ergebnisse der Landtagswahl Sachsen-Anhalt könnten Deutschland verändern. Es könnte der Moment werden, in dem die AfD erstmals in einem deutschen Bundesland nach der Staatskanzlei greift. So stellt sich auch im Rest Deutschlands eine Frage: Ist das eine Ausnahme – oder eine Vorschau? Denn Landtagswahlen haben leider die Eigenschaft, dass sie manchmal wie ein Blick in die politische Wetterküche wirken. Man schaut auf die Wetterkarte und stellt fest: Das kommt ja auf uns zu. Natürlich ist Sachsen-Anhalt nicht Hessen, Bad Hersfeld ist nicht Magdeburg. Aber die Entwicklung sollte trotzdem niemand mit einem „Das ist halt der Osten“ abheften. Denn wenn eine Partei, die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, auf über 40 Prozent kommt, ist das kein regionales Kuriosum, sondern ein Warnsignal.