Audi und Porsche unter Druck: Was VWs Kahlschlag für die beiden Traditionsmarken bedeutet

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Audi und Porsche unter Druck: Was VWs Kahlschlag für die beiden Traditionsmarken bedeutet

VW setzt Sparpaket durch: Das bedeuten die Maßnahmen für Audi und Porsche

Stand: 05.09.2026, 13:48 Uhr

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Der Volkswagen-Sparplan trifft nicht nur die Kernmarke. Auch bei den Traditionsmarken Audi und Porsche wächst der Druck.

Wolfsburg – Der Autobauer Volkswagen gab am Donnerstagabend (3. September) bekannt, weitere 50.000 Jobs zu streichen – zusätzlich zu den bereits beschlossenen 50.000 Stellen bis 2030. Der „Zukunftsplan 2030“ sieht außerdem eine Halbierung der Modellpalette und eine Reduktion der angebotenen Varianten um 75 Prozent vor. Als Ziel des Umbaus nannte der Konzern laut einer Pressemitteilung unter anderem „schlankere Führungsstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und kürzere Entscheidungswege“. Die Sparmaßnahmen haben auch Auswirkungen auf die Marken des VW‑Konzerns.

Gernot Döllner (r), CEO von Audi, spricht auf einer Bühne. (Archivbild):

Gernot Döllner (r), CEO von Audi, spricht auf einer Bühne. (Archivbild): © picture alliance/dpa | Johannes Neudecker

Die VW-Premiummarke Audi dürfte von den Entwicklungen besonders betroffen sein. Denn Volkswagen betonte am Donnerstagabend, die Werke in Emden, Zwickau, Hannover sowie die Audi-Produktionsstätte in Neckarsulm hätten „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung“. Die Zukunft dieser Standorte steht also auf der Kippe, bei manchen bereits ab 2031, bei anderen bis 2034. Vom VW-Konzern hieß es am Donnerstag, man prüfe „alternative Verwendungsmöglichkeiten“ für die betroffenen Werke. Konkretere Angaben gab es zunächst nicht.

Keine Garantie für Neckarsulm

Berichten zufolge hatte es beispielsweise Gespräche mit Rüstungskonzernen gegeben. Die WirtschaftsWoche hatte am Dienstag unter Bezugnahme auf ein internes Papier des Volkswagen-Vorstands berichtet, dass die Produktion im Audi-Werk in Neckarsulm 2034 enden solle. Betreffen würde das demnach allein an diesem Standort 15.500 Arbeitsplätze sowie rund 1.000 Lieferanten.

Die Gewerkschaft IG Metall wies entsprechende Medienberichte hingegen entschieden zurück. „Kein Werk wurde aufgegeben und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt“, hieß es in einer Pressemitteilung dazu. Auf Anfrage von Merkur.de von IPPEN.MEDIA sagte eine Audi-Pressesprecherin, es gebe „noch kein Audi-Pressestatement zu konkreten Auswirkungen auf die Marke“.

So reagieren der Werksleiter in Neckarsulm und Audi-Chef Gernot Döllner

Der Neckarsulmer Werkleiter Thomas Bogus gab sich vorsichtig zuversichtlich. Die Entscheidung des Volkswagen-Aufsichtsrats am Donnerstag sei zwar keine Garantie, aber sie beinhalte eine echte Chance für den Standort Neckarsulm. „Wir können unsere Zukunft aktiv gestalten“, so Bogus weiter. „Jetzt müssen wir beweisen, dass Neckarsulm effizienter, schneller und wettbewerbsfähiger werden kann. Dafür werde ich gemeinsam mit dem Team alles geben. Unser Anspruch ist, Neckarsulm zu einem der leistungsfähigsten Automobilstandorte im Konzern zu machen.“

Audi-Chef Gernot Döllner erklärte in einem von der Audi-Pressestelle auf Anfrage von Merkur.de übermittelten Statement, für seine Marke sei die Richtung klar: „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern. Dazu werden wir Kosten und Komplexität reduzieren, unser Produktportfolio fokussieren und unsere Investitionen klar priorisieren. Mit Mission Vorsprung haben wir die richtigen Hebel definiert. Jetzt müssen wir diese Strategie konsequenter und schneller umsetzen.“ Audi stehe vor der größten Herausforderung in seiner Unternehmensgeschichte. Aber Döllner „glaube an Audi, an unsere Produkte, an unsere Marke und vor allem an die Menschen bei Audi.“

So geht es bei Porsche weiter: Standortsicherung gilt bis Ende 2035

Eine weitere Traditionsmarke im VW-Konzern ist der Sportwagenhersteller Porsche. Laut einer Mitteilung des Konzerns, verspricht Porsche eine Standortsicherung bis Ende 2035: Betriebsbedingte Kündigungen schließt Porsche bis dahin aus. Bis Oktober 2025 nutzte der Autobauer für Einheiten der Baureihe 718 Boxster/Cayman den Standort Osnabrück, doch die Produktion dort wurde eingestellt. Von möglichen Werksschließungen dürfte der Porsche-Konzern demnach zumindest nicht direkt betroffen sein.

Welche konkreten Auswirkungen das Unternehmen aus dem „Zukunftsplan 2030“ des Mutterkonzerns VW ableitet, war zunächst nicht bekannt. Fragen dazu wollte der Konzern nicht beantworten, „da wir auf viele dieser Fragen im Rahmen eines Capital Markets Day am 7. Oktober 2026 eingehen werden“, hieß es in einer Antwort auf die Anfrage von Merkur.de von einem Porsche-Pressesprecher. Das VW-Zukunftspaket sei aber ein wichtiger Bestandteil der Strategie „Sportwagenschmiede 35“, die man an diesem Tag vorstellen werde.

Porsche will weitere 5.000 Stellen abbauen: Altersteilzeit und Fluktuation sollen Kündigungen vermeiden

Man habe bereits vor der VW-Entscheidung deutlich gemacht, dass man sich bei Porsche künftig wieder auf das Kerngeschäft fokussieren wolle. „So haben wir jüngst erst den Verkauf der Beratungsgesellschaft MHP verkündet und davor bereits die Veräußerung unserer Anteile an Bugatti Rimac, um nur zwei Beispiele zu nennen“, so der Sprecher weiter. „Aber wichtig ist schon: Unabhängig von Volkswagen hat Porsche bereits sein Zukunftspaket geschnürt“, betonte der Sprecher gegenüber Merkur.de.

Schon im Juli hatte der Konzern mitgeteilt, einen „sozialverträglichen Abbau von weiteren 5.000 Stellen bis 2035 zum großen Teil über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Erweiterung Sonderprogramm Altersteilzeit und Aufhebungsverträge“ umsetzen zu wollen. Weitere Maßnahmen laut Konzernangaben: Das obere und Top-Management muss 2027 und 2028 Abstriche bei Gehaltserhöhungen hinnehmen, das Weihnachtsgeld wird für alle Arbeitnehmer gekürzt und die Regeln zu Erholungspausen und Arbeitsabläufen in der Produktion ändern sich.

Ein Blick auf die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2026 zeigt, dass die Bemühungen offenbar erste Früchte tragen: Zuletzt stabilisierte sich die Profitabilität im Konzern. Demnach erhöhte Porsche seine Konzernumsatzrendite auf 7,8 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 5,5 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte. „Nur wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind, können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die nötige Sicherheit geben“, kommentierte Porsche-Chef Michael Leiters die Sparpläne. (Quellen: Porsche, Audi, VW, eigene Recherche) (bme)