„Wir polarisieren“: Susan liebt Zwillinge – wie eine Beziehung aus dem Saarland zum Medienphänomen wurde

Die eineiigen Zwillinge Justin und Adrian Trimborn fallen durch ihre Hollywood-Outfits auf. Nun erfüllen sie sich mit Susan auch einen unkonventionellen Liebestraum. Wir haben die drei getroffen.

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„Wir polarisieren“: Susan liebt Zwillinge – wie eine Beziehung aus dem Saarland zum Medienphänomen wurde

„Wir polarisieren“ Susan liebt Zwillinge – wie eine Beziehung aus dem Saarland zum Medienphänomen wurde

Saarbrücken · Die eineiigen Zwillinge Justin und Adrian Trimborn fallen durch ihre Hollywood-Outfits auf. Nun erfüllen sie sich mit Susan auch einen unkonventionellen Liebestraum. Wir haben die drei getroffen.

05.09.2026 , 08:13 Uhr

Justin und Adrian Trimborn (rechts) kleiden sich unkonventionell. Ihrer Partnerin Susan Wacker imponiert deren Gentlemen-Stil. Die drei leben zusammen.

Foto: Oliver Dietze

Die ersten Fotos zu dritt auf Instagram datieren vom Januar 2025. Damals war Susan Wacker (32) bereits hoch schwanger, gerade wieder Single und Polyamorie nur ein Fremdwort. Justin und Adrian Trimborn (27) wiederum waren noch nie etwas anderes als allein zu zweit. Männer ohne Frauen – und ohne Kinderwunsch.

Mittlerweile sprechen die beiden ganz selbstverständlich von „unserem Sohn“, wenn sie Susans Kind meinen, und Susans Instagram-Account mit der Steckbrief-Notiz „Liebe außerhalb der Norm“ hat rund 6.800 Follower. Der Profilname: „diesusan.liebt.zwei“.

Polygamie ist das nicht

Wahrlich, da ist viel passiert. Wer wissen will, was, kann sich in der ARD-Mediathek Fernsehbeiträge anschauen – über eineiige Zwillinge aus dem Saarland, die sich, kurios genug, alles teilen – vom Kleiderschrank bis zum Handy – und jetzt eben auch die Frau, Susan. Die bekennt bei Instagram, sie sei „polyamor und glücklich“ und erklärt an selber Stelle auch, warum das mit der in Deutschland verbotenen Polygamie nichts zu tun hat.

Nein, es ist schlicht so: Susan lebt ihren Alltag, auch den sexuellen, mit zwei Männern. Sie ist in dasselbe Mietshaus gezogen wie ihre Jungs, die sie „meine Felsen in der Brandung“ nennt: ihre 8-jährige Tochter aus einer ersten Beziehung und ihr Sohn gehören mit zur Partnerschaft.

Sehr speziell: Der polyamoröse Lebensstil mit Zwillingen

Ein polyamoröser Lebensstil ist das also, das schockt heutzutage kaum noch jemanden. Freilich gleichen sich im Fall Susans die Lover wie ein Ei dem anderen, fühlen sich, wie sie sagen, seit je wie eine Person in zwei Körpern, was offensichtlich das erotische Kopfkino der Mitmenschen in Schwung bringt.

„Wir polarisieren“, sagt Susan. Natürlich wollten viele wissen, was sich hinter der Schlafzimmertür abspiele, aber das sei ebenso tabu wie der Name ihrer Kinder, der des „Dorfes nahe Sulzbach“, aus dem die Zwillinge stammen, und der von deren Arbeitgeber, einem allseits bekannten Saarbrücker Top-Tabakwaren-Geschäft. Seit sechs Jahren seien sie in der „Zigarrenbranche“, heißt es.

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Foto: Christoph Reichwein/dpa/Christoph Reichwein

Trotz medialer Präsenz bleibt vieles privat

Man staunt nicht schlecht, wenn die Begründung für all dies lautet: „Unsere Privatsphäre ist uns total wichtig.“ Wird im Internet die „ménage à trois“ nicht durch unzählige Posts und Bilderstrecken geradezu professionell aufbereitet? Wirkt es nicht so, als hätten die drei Spaß daran, ihr nonkonformistisches Leben öffentlich zu feiern? In den Reels und auf den Fotos geht es genussvoll und liebevoll zu: Herzchen und Küsschen allüberall, viel edler Zigarrenrauch, Blumensträuße für die Liebste, klingende Cocktailgläser, Sonnenuntergänge, leckere Patisserie, Restaurant-Impressionen, oft entstanden während der häufigen Ausflüge in den Europa-Park Rust. Das Leben ist schön! Wer finanziert den durchaus gehobenen Lebensstil?

Sie vertreten ein konservatives Familienbild

Das ist beispielsweise eine der Fragen, die die Reporterin mitbringt zum SZ-Interview. Der Treffpunkt für das Gespräch ist das Café Liebich in Saarbrücken, schick und stylish. Doch eigentlich lieben Adrian und Justin klassische Kaffeetafeln und vermissen in Saarbrücken nach dem Verschwinden des „Café Schubert“ ein traditionelles Café. „Wir sind old-fashioned“, sagen sie mehrfach und meinen damit auch, man glaubt es kaum, ihr Familien- und Erziehungsbild: „Wir denken konservativ.“ Susan ergänzt: „Wir sind nicht Teil der queeren oder woken Community, wir möchten uns von niemandem vereinnahmen lassen und wollen auch für niemanden ein Vorbild sein.“

Susan war vor ihrer Elternzeit Friseurin, ihre beiden Jungs haben auf ihre Ausbildung als Verfahrensmechaniker noch eine kaufmännische Lehre drauf gesattelt und halten es für einen Vorteil, dass sie seit Jahren zwei Gehälter beziehen, während sie nur das Leben eines Einzelnen finanzieren müssten: „Für uns gilt Sparen, sparen, sparen.“ Doch Susan wird, glaubt man den Internet-Fotos, nach Gentlemen-Art ausgiebig verwöhnt.

Wie erklärt sich das extravagante Outfit der Zwillinge?

Außerdem sieht auch das elegante Outfit der Zwillinge nach richtig Kohle aus. Edle Sakkos, Einstecktücher und Bundfaltenhosen – zwei nobel auftretende Typen mit Pomade im Haar aus historischen Hollywood-Schinken, die gerne auch Stetson-Hüte tragen. Gekauft wird, so sagen sie, auf Flohmärkten und in Second-Hand-Shops, und dann werde vom Schneider eine Maßanfertigung gemacht. Verkleiden sei kein Thema, sie gehörten nicht zur Cosplay-Szene.

Vielmehr ist das extravagante Aus-der-Zeit-Gefallensein wohl eine Art Erbe. Durch den Opa wurde die Leidenschaft fürs Rückwärtsgewandte entfacht: „Mit dem haben wir viele Mafia-Filme angeschaut.“ Als Teenager wagten die Zwillinge dann ihr modisches Coming-out als Vintage-Fans: „In der Schule haben sie über uns gelacht.“ Später entdeckte sie ein Friseur-Magazin als Stil-Phänomen. Und Außenseiter-Sein schreckt diese beiden nun mal nicht, als Zwilling bringt man es ins Leben mit.

Eine Heirat der drei ist nicht unmöglich

Wie stellen sich die drei ihre Zukunft vor? Tatsächlich denken sie an Heirat, an eine freie Trauung, alles Rechtliche ließe sich notariell klären, meint Susan. Selbst eine Vaterschaft schließen die Zwillinge nicht aus, was für sie heißt: eine Adoption. Denn ein Kind mit Susan komme nicht in Frage, sagen die beiden. Rein rechtlich darf dann aber nur einer der beiden als Vater von Susans Sohn eingetragen werden. „Sowas würde bei uns nie zu Streitigkeiten führen, das ist für uns alles nur formell“, erklären sie. Für eine solche Zuversicht muss man vermutlich so jung wie Justin und Adrian oder ein eineiiger Zwilling sein.

Aber wie fing das Abenteuer an? Nicht auf einer Dating-Plattform, sondern weil den Zwillingen Susans gezielte Nachfragen auf ihre Instagram-Posts auffielen. Irgendwann traf man sich, freundete sich an: „Ich war vorher nicht polyamor“, so Susan, „Ich hätte nie gedacht, dass sowas funktioniert.“ Justin und Adrian wiederum hatten noch nie eine Freundin, sie befanden sich vielmehr seit Jahren auf der Suche nach etwas, was ihr Umfeld als unerfüllbaren Traum abtat: „Wir haben uns immer schon gewünscht, gemeinsam eine Frau haben zu können.“ Nun also ist es so weit, und daraus lässt sich womöglich auch mehr machen als eine rein private Sache? Schließlich sind die drei jetzt schon ein mediales Phänomen, werden vom SR porträtiert oder ins „Nachtcafé“ eingeladen. Die Dreier-Beziehung ließe sich also als Geschäftsmodell nutzen.

Ein Rest-Geheimnis bleibt

Tatsächlich schließt Susan, die sich bereits als „Bloggerin“ bei Insta bezeichnet, nicht aus, irgendwann einmal als Influencerin arbeiten zu wollen, und auch die Zwillinge wehren nicht ab. Doch über den Begriff Inszenierung lachen sie nur spontan. Alles was man sehe, sei echt, und alles, was sie sagten, ehrlich. Aber es sei eben nur „ein Bruchteil unseres Lebens“, meint Susan. „Die Menschen denken, sie kennen uns, aber sie sehen nur das, was wir ihnen zeigen wollen.“ Und das ist hübsch, crazy, ein Unterhaltungsprogramm. (lck)

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