Westjordanland: Israelische Siedler verschanzen sich in palästinensischem Haus

Im Dorf Kusra haben radikale Siedler erneut Palästinenser attackiert. Lokale Medien erheben Vorwürfe gegen die israelische Armee. Auch Benjamin Netanjahu äußert sich. Quelle...

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Westjordanland: Israelische Siedler verschanzen sich in palästinensischem Haus

Im Dorf Kusra haben radikale Siedler erneut Palästinenser attackiert. Lokale Medien erheben Vorwürfe gegen die israelische Armee. Auch Benjamin Netanjahu äußert sich.

Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, Reuters,

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Aktualisiert am 29. August 2026, 19:43 Uhr

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Israelische Siedler auf dem Balkon von im Bau befindlichen palästinensischen Häusern im Dorf Kusra im Westjordanland: Das Dorf wird seit Wochen belagert. © JAAFAR ASHTIYEH/​AFP/​Getty Images

Im Dorf Kusra im Westjordanland haben radikale israelische Siedler erneut palästinensische Dorfbewohner attackiert. Nach Angaben der israelischen Armee verschanzten sich zahlreiche Siedler in einem palästinensischen Haus, während sich auch palästinensische Bewohner darin aufhielten. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, Angreifer hätten das Gebäude umzingelt und mit Steinen beworfen. In dem Haus hätten sich sieben Palästinenser aufgehalten.

Nach Angaben der israelischen Armee gingen Sicherheitskräfte zunächst gegen die Siedler vor, um sie aus dem Haus zu entfernen und die Gruppen voneinander zu trennen. Ziel sei es gewesen, die Bewohner im Haus zu schützen. Zudem hätten die Soldaten Fahrzeuge der Siedler beschlagnahmt und sie zusammen mit weiteren Beweismitteln der israelischen Polizei übergeben. Diese soll gegen die Tatverdächtigen ermitteln.

Palästinensische Medien stellten den Einsatz dagegen anders dar. Demnach sollen israelische Soldaten die Siedler geschützt haben. Die Soldaten hätten Tränengas in das Haus gefeuert, die Bewohner gefesselt, ihnen die Augen verbunden und sie geschlagen, wurde der Hauseigentümer Luaj Bajrudi zitiert. Mehrere Palästinenser seien durch Pfefferspray verletzt worden, das von Siedlern eingesetzt worden sei. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa kamen während des Vorfalls weitere Siedler hinzu und setzten umliegende palästinensische Felder in Brand.

Netanjahu spricht von »Handvoll Gesetzesbrechern«

In Kusra belagern radikale israelische Siedler seit rund drei Wochen mehrere Häuser palästinensischer Einwohner. Bewohner und Aktivisten werfen der israelischen Armee vor, bislang nicht wirksam gegen die Belagerung vorzugehen. Die Vorgänge sorgen auch international für zunehmende Kritik. Die US-Regierung – die unter Präsident Donald Trump als stark siedlerfreundlich gilt – hatte in den vergangenen Wochen vor allem im Zusammenhang mit Kusra die Siedlergewalt deutlich verurteilt. Laut Medienberichten soll die US-Regierung von Israel ein entschlosseneres Vorgehen dagegen gefordert haben.

Zu dem neuen Vorfall teilte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nun mit, er verurteile aufs Schärfste »die kriminellen Gewalttaten, die von einer Handvoll Gesetzesbrechern verübt« worden seien. »Sie fügen der gesetzestreuen Siedlerbevölkerung großen Schaden zu, behindern die israelische Armee bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und schaden dem Ansehen Israels in der Welt.« Er erwarte von den zuständigen Behörden, dass die Randalierer so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen würden.

Israel hält das Westjordanland seit 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach internationalem Recht illegal sind. Unter Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Israel den Siedlungsbau im Westjordanland stark vorangetrieben. Vor der Parlamentswahl in Israel Ende Oktober spitzt sich die Lage noch einmal zu. Israelische Behörden genehmigten zuletzt den Bau weiterer Siedlungen im Westjordanland.

Seit dem Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich auch die Lage im Westjordanland deutlich verschärft, wo extremistische Siedler vielfach gegen palästinensische Bewohner vorgehen. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden seither mehr als 1.000 Palästinenser und zahlreiche Israelis getötet.