Psychologin warnt: Was ab acht Jahren mit dem Selbstbewusstsein von Mädchen passiert

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Psychologin warnt: Was ab acht Jahren mit dem Selbstbewusstsein von Mädchen passiert

Stand: 29.08.2026, 20:29 Uhr

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Im frühen Teenageralter verlieren viele Mädchen eine wertvolle Fähigkeit. Eine Psychologin erklärt, was Eltern dem entgegensetzen können.

Hamburg – Die Teenagerjahre sind für viele Menschen nicht leicht, da in dieser Zeit viele Umbrüche stattfinden. Der eigene Körper verändert sich stark, das soziale Miteinander ist anders als in der Kindheit und es kommen neue Interessen hinzu. Während viele diese Jugendjahre als aufregend wahrnehmen, sind sie oft auch von Unsicherheiten geprägt. Diese treffen Mädchen allerdings besonders stark. „Der Selbstwert von Mädchen fällt in der Pubertät ab“, sagt Bettina Hannover der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Sie ist Psychologin und Professorin an der FU Berlin im Arbeitsbereich Schul- und Unterrichtsforschung.

Mädchen traurig

Ab der Pubertät bekommt der Selbstwert von Mädchen einen Knick – doch Eltern können etwas tun. (Symbolbild) © IMAGO / peopleimages.com

Zwischen dem achten und dem 14. Lebensjahr sinkt das Selbstbewusstsein von Mädchen um 30 Prozent – das zeigt eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 18 Jahren des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens YPulse aus 2018. Mit 14 Jahren ist der Tiefpunkt erreicht: Dann liegt das Selbstwertgefühl von Mädchen 27 Prozent unter dem gleichaltriger Jungen.

Einen besonderen Einfluss auf den Selbstwert habe das Körperbild. Hannover erklärt das auch damit, dass Mädchen in der Pubertät beginnen, sich mit Jungen zu vergleichen – und dabei wahrnehmen, dass das Weibliche gesellschaftlich nach wie vor mit weniger Ansehen verbunden wird als das Männliche. „In der Pubertät nehmen Mädchen an Körperfett zu, was meist negativ bewertet wird“, erklärt die Expertin. Für Jungen gelte die Norm, groß und kräftig zu sein – und diesem Idealbild nähern sie sich in der Pubertät immer weiter an, weil sie durch das Hormon Testosteron Muskulatur aufbauen. „Ihr Selbstwert steigt also sogar an.“ Erst im jungen Erwachsenenalter, mit rund 22 Jahren, würde sich das Selbstwertgefühl von jungen Frauen wieder dem von gleichaltrigen Männern angleichen.

Psychologin: Soziale Medien belasten das Körperbild und den Selbstwert von Mädchen

Der Gebrauch von sozialen Medien würde das Körperbild von Mädchen heutzutage zusätzlich belasten und sei „definitiv negativ“, sagt die Psychologin. Mädchen seien auf Social-Media-Plattformen wie Instagram aktiver als Jungen, würden dort mehr Inhalte konsumieren, aber auch teilen. Teils würden sie Selfies und Fotos von sich selbst „stundenlang bearbeiten. Wenn man sich ständig damit beschäftigt, sich schön zu machen, verfestigt sich das Gefühl, den Normen nicht zu genügen“, sagt Hannover. Hinzu komme, dass andere Menschen ihre Fotos ebenso bearbeiteten, ohne es kenntlich zu machen: Die idealisierten Darstellungen der anderen würden dann als Realität wahrgenommen. Die Psychologin betont: „Jedes Jahr, das ein Mädchen ohne Social Media aufwächst, ist ein gewonnenes Jahr.“

Ein weiterer Ansatzpunkt, wie Eltern ihre Töchter in dieser Phase unterstützen können, sei, sie schon früh für Sport zu begeistern. „Wie sich der eigene Körper in der Pubertät verändert, kann man kaum beeinflussen, sportliche Fitness hingegen kann man sich erarbeiten“, sagt Hannover. „Mädchen und Frauen treiben ihr ganzes Leben lang deutlich weniger Sport als Jungen und Männer.“.

Neben Sport können aber auch andere Hobbys dem Selbstwertgefühl zuträglich sein. „Alles, was man sich durch Lernen und Üben erarbeitet, stärkt den Selbstwert – ob Musikinstrument, Malen oder Sport.“ Kinder und Jugendliche sollten dadurch lernen, sich weniger mit anderen, sondern mit sich selbst und ihrem Fortschritt zu vergleichen. So lernten sie, sich Ziele zu setzen und ihren Selbstwert daran zu knüpfen, ob sie diese Ziele erreichen.

Mädchen haben bessere Noten – aber kein positiveres Selbstbild

Auch das Schulsystem kann den Selbstwert von Mädchen beeinflussen – und das auf paradoxe Weise. Obwohl Mädchen bessere Noten haben als Jungen, ist ihr Selbstbild nicht automatisch positiver. „Jungen halten sich in Mathe und Naturwissenschaften für besser – Mädchen hingegen unterschätzen sich in den sprachlichen Fächern, in denen sie tatsächlich stärker sind als die Jungen“, erklärt Hannover. Das passe zur gesellschaftlichen Norm, dass Mädchen sich nicht als großartig darstellen sollen. „Aber diese Bescheidenheit wird zum Nachteil, wenn sie damit einhergeht, dass man sich etwas nicht zutraut.“

Grundsätzlich sei das Notensystem „aus psychologischer Sicht problematisch“, da es auf sozialen Vergleichen aufbaue. Besser wäre es, wenn Kinder lernten, sich mit sich selbst zu messen: „Ich kann jetzt schon besser lesen als zu Beginn des Schuljahres“ – ein solcher Gedanke stärke Selbstwert und Motivation gleichermaßen. (Quellen: YPulse-Studie, eigene Recherche)