Geschäftsbeziehung beendet: Keine Gnade für Reiterhof-Betreiberin
StartseiteHessenStand: 29.08.2026, 20:01 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Hofgut am Mühlbach in Bönstadt. Die Pächterin des städtischen Grundstücks soll dieses bis Jahresende räumen. © Nici MerzDie Stadt N...
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Stand: 29.08.2026, 20:01 Uhr
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Die Stadt Niddatal kündigt Elisa Herrgen die Geschäftsbeziehung. Zuvor wurde ihr Instagram-Video über 1,2 Millionen Mal angesehen.
Niddatal – Zwei Beamte der Polizei Mittelhessen, die vor dem Verwaltungsgebäude im Kloster in Ilbenstadt Präsenz zeigten, ließen die Anspannung vor der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag erahnen. Doch die Bedenken sollten sich als unbegründet erweisen – es blieb ruhig im Weißen Saal. Während online die Zukunft des Reiterhofs in Bönstadt die Gemüter erregt und ein Instagram-Video der Betreiberin über 1,2 Millionen Mal angesehen wurde, stemmte sich vor Ort lediglich die SPD mit dem Einbringen eines Änderungsantrags gegen das Aus für Elisa Herrgens Existenzgrundlage. Die Stadt beendet die Geschäftsbeziehung mit ihr. Sie soll das städtische Grundstück am Mühlbach bis Jahresende räumen.

Alle Parteien stellten vor der Abstimmung ihre Sicht auf die Lage noch einmal dar. Sabine Jantzen (Grüne) betonte, es nachvollziehen zu können, dass Herrgen um ihren Lebenstraum kämpfe. Dennoch sah sie es ebenso in ihrer politischen Pflicht, Schaden von Niddatal und seinen Einwohnern abzuhalten. Sie verwies auf den seinerzeit nicht genehmigten Haushalt, der Finanzgeschäfte nur mit Zustimmung der Kommunalaufsicht erlaubt hätte. Was wiederum versäumt und zudem eine Grundschuld auf das Erbbaurecht von 360 000 Euro bestellt worden sei. Weder die Gremien noch die Kommunalaufsicht hätten damals zugestimmt. Sie verwies darauf, dass Herrgen bislang keinerlei Lösungsvorschläge wie etwa eine Kostenübernahme, das Einrichten eines Treuhandkontos oder Garantien über die Summe angeboten habe, um eine Basis für eine einvernehmliche Lösung zu präsentieren. Einer Verlängerung des Pachtvertrags „mit all den Ungereimtheiten“ könne sie nicht zustimmen.
„In dieser Geschichte kann es keine Gewinner geben. Es gibt nur Verlierer“, sagte Katrin Stephan für die FDP. Sie erneuerte den Vorwurf an Alt-Bürgermeister Dr. Bernhard Hertel (SPD), der trotz politischer Mehrheit damals den umstrittenen Vertrag nicht auf eine sichere juristische Basis gestellt habe. Weder der Erste Stadtrat, noch die Stadtverordneten, noch der Magistrat oder die Kommunalaufsicht hätten Kenntnis gehabt. Der SPD-Fraktion warf sie „vordergründige Solidarität“ mit der Pferdewirtin vor, die auch dazu diene, von der Verantwortung Hertels abzulenken. Auch wundere sie sich, dass sich die SPD auf die Seite einer einzelnen Unternehmerin schlage, während ihr eine mögliche Erhöhung der Grundsteuer zur Absicherung der Risiken offenbar vollkommen egal sei.
Sven Schäfer hielt seine Stellungnahme für die CDU kurz und knapp. Er sehe keine Möglichkeit für ein „weiter so“ und nun sei es an Herrgen, die Fehlerkette aufzulösen.
SPD: Vertrauen in Stadt wird erschüttert
Für die SPD appellierte Christoph Wohlstein an die Stadtverordneten, den Tagesordnungspunkt nicht einfach als Beendigung eines „schiefgegangenen Verwaltungsvorgangs“ abzuhaken. Man möge die Auswirkungen auf die örtliche Gemeinschaft bedenken und nicht ohne Not eine Existenzgrundlage zerstören – und damit auch Vertrauen in städtisches Vorgehen erschüttern. Wenn die Eintragung des Erbbaurechts fehlerhaft gewesen sei, wäre es zivilrechtlich vergleichsweise einfach, diesen Fehler zu korrigieren – wenn der politische Wille dazu vorhanden sei. Mit dem Änderungsantrag der SPD könne eine rechtssichere Regelung gefunden werden.
Vor der Abstimmung ergriff Bürgermeister Michael Hahn (CDU) das Wort. Speziell an ihm hatten sich in den vergangenen Tagen Online-Nutzer aus ganz Deutschland abgearbeitet. Hahn stellte klar, dass er keinesfalls „wie ein Feldherr“ in der Ausschusssitzung aufgetreten sei. Er sitze auch in Magistratssitzungen selten, habe kein Handy in der Hand, sondern sei fokussiert auf die Sache. Zudem ging er noch einmal mit seinem Amtsvorgänger hart ins Gericht, ohne den „wir hier heute Abend nicht sitzen würden“.
Der Änderungsantrag der SPD wurde mit einer Mehrheit von 17 Stimmen von CDU, Grünen und FDP abgelehnt. Sie hielten im Beschluss fest, dass der Pachtvertrag für die sieben Weideflächen bereits zum Oktober 2025 ausgelaufen ist und Herrgen diese räumen und bis zum 31. Dezember zurückgeben muss. Die Nichtigkeit der Verträge soll nun im Grundbuchamt durchgesetzt werden.
Elisa Herrgen, die selbst nicht vor Ort war, musste mit diesem Beschluss rechnen. In ihrem Video hat sie bereits eine Klage gegen die Stadt auf Schadensersatz angekündigt.