Wasserhäuschen in Frankfurt: Hier gibt's keinen kalten Kaffee

Zum Wasserhäusje-Tag porträtiert ein Frankfurter seine liebsten Trinkhallen im Riederwald. Eine davon verbietet kalten Kaffee per Tafel – und das Ordnungsamt den Ausschank ab 21 Uhr.

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Wasserhäuschen in Frankfurt: Hier gibt's keinen kalten Kaffee

Stand: 11.09.2026, 19:18 Uhr

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FOTO TAGESSATZFrankfurt: Wasserhäuschen, Kiosk, Einkaufskiosk, Büdchen, Trinkhalle. Wasserhäusje' im Riederwald in der Motzstraße für Wasserhäusjetag' 2026Foto aufgenommen am: 10.09.2026Foto: Rolf Oeser

Das Wasserhäusje' im Riederwald ist eine von vielen Anlaufstellen für Durstige. © ROLF OESER/Rolf Oeser

Zum Wasserhäusje-Tag porträtiert unser Autor seine liebsten Trinkhallen im Riederwald. Eine davon verbietet kalten Kaffee per Tafel – und das Ordnungsamt den Ausschank ab 21 Uhr.

Ich habe Wasserhäuschen einst geliebt.

Als Kind ging das halbe Taschengeld ans Wasserhäuschen, weil es dort alles gab, was man damals als Kind so brauchte: Mad-Magazin, Lustige Taschenbücher, Yps-Hefte (falls das Gimmick taugte), Brauner Bär und Kaugummis mit abwaschbarem Schindelschwinger-Tattoo, das man sich mittels Spucke auf die Unterarme tätowierte. Oder sonstwohin.

FOTO TAGESSATZFrankfurt: Wasserhäuschen, Kiosk, Einkaufskiosk, Büdchen, Trinkhalle Wasserhäusje' im Riederwaldauf dem Johanna-Tesch-Platz für Wasserhäusjetag' 2026Foto aufgenommen am: 10.09.2026Foto: Rolf Oeser

Am Johanna-Tesch-Platz kehren auch Fußballfans ein. © ROLF OESER/Rolf Oeser

Es war ein Wasserhäuschen, an dem ich nach desperaten Investitionen dann doch noch ein Tütchen fand, in dem endlich das letzte Teil steckte, das ich zum Komplettieren des Todessterns in meinem „Krieg der Sterne“-Album (doch, so hieß das damals!) benötigte. Der Todesstern war das einzige Motiv, für das man acht Sammelkarten benötigte. Die Freude war groß, aber währte nicht ewig. Als junger Mann habe ich Wasserhäuschen vermisst, weil es mich unter die Pietisten verschlagen hatte, und Pietisten trinken lieber heimlich. Wenn mich das Studium einer wasserhäuschenfreien Landschaft etwas gelehrt hat, dann dieses: Durst ist noch schlimmer als Heimweh!

Die dunkle Seite der Trinkhallen

Dann lernte ich, Wasserhäuschen zu hassen. Ich habe nämlich auch mal im Nordend gewohnt, direkt oberhalb zweier Trinkhallen, mittenmang im Klangdiamanten. Beide Pächter beschlossen irgendwann, dass Ladenöffnungszeiten ein Problem anderer Leute seien, und einer stellte gar Stühle und Bänke auf die Gass‘, als wäre er der Gerbermühlenwirt.

Das unbestuhlte Häuschen zog fürderhin Wanderarbeiter aus Europas Osten magisch an, die traurige Weisen anstimmten, die mit steigendem Promillepegel immer trauriger wurden, was ja auch ganz schön sein kann, aber nicht nachts um vier! Noch schlimmer war das Bestuhlte, das immer öfter invasiven Hipsterhorden als Einfallgebiet diente, wenn die mal wieder beschlossen hatten, dass der Friedberger Platz nicht genug sei. So möcht‘ kein Hund leben!

Heute wohne ich im Riederwald und habe meinen Frieden mit den Wasserhäuschen gemacht. Sollte mich heute jemand fragen: „Wasserhäuschen: Fluch oder Segen?“ – und das könnte durchaus passieren, schließlich ist heute Wasserhäusje-Tag – so werde ich antworten: „Ei Kerle, sowohl als auch.“ Und dann werde ich rufen, was auch Georg Büchner heute riefe, würde er noch leben: „Friede den Häuschen, Krieg den Spätis!“

Im Riederwald gibt es lediglich zwei Wasserhäuschen, die diesen Namen auch verdienen, dafür zählen aber auch beide zu den schönsten der Stadt. Die Trinkhalle Nasca am Johanna-Tesch-Platz ist heute natürlich offiziell mit dabei im Programm, die Trinkhalle gegenüber dem Stadion ist ein Fixpunkt nicht nur im Leben vieler FSV-Fans. Pietro Nasca steht seit 1993 zwischen den Pfosten.

Auch das offizielle Wasserhäusje-Tagesprogramm ist hier etwas fußballlastig. Es gibt Torwandschießen, ein Ronaldo-Double schaut vorbei, und böse Zungen hätten bis vor kurzem noch behauptet, auch der Gipsfiguren-Workshop habe mehr oder weniger mit der Heimmannschaft zu tun, aber seit der FSV dem ungeschlagenen Tabellenführer Kickers Offenbach ein glorreiches Remis abgetrotzt hat, lästert niemand mehr.

So schön ist es am Waldesrand

Hipster verirren sich nur selten hierher, aber es kann schon mal passieren. Dass es hin und wieder passiert, beweist eine Tafel, in der ein Kumpel von Pietro Nasca das Publikum in leicht krakeliger Schrift informiert: „Hier gibt’s keinen kalten Kaffee, nur HEISS!!!“ Immer öfter kämen junge Leute vorbei, die nach kaltem Kaffee verlangten, sagt Nasca und schüttelt den Kopf. So was gibt’s bei ihm nicht. Wer hier kalten Kaffee will, der muss ihn schon in Echtzeit kalt werden lassen, und so schön ist es am Johanna-Tesch-Platz dann auch wieder nicht.

Ganz anders das Wasserhäuschen, das Savas Aydin unter dem unspektakulären Namen „Trinkhalle“ ein paar Hundert Meter weiter in der Motzstraße betreibt. Das steht idyllisch am Waldesrand, und alle Menschen, die sich im Schatten seines sanften Flügels treffen, werden Geschwister. Hier kotzt niemand in die Rabatten, hier ist nur selten ein lautes Wort zu hören, und wenn doch, dann stets aus gutem Grund. Die Hipster-Dichte tangiert gegen Null.

Das muss wohl am genius loci liegen. Oder daran, dass es das Ordnungsamt an dieser Stelle aus unbekannten, aber begrüßenswerten Gründen untersagt hat. Und das ab 21 Uhr alles eh nur noch zum Mitnehmen verkauft wird. Vielleicht ist es auch ein Zusammenspiel aus alledem, aber ist auch egal: So muss Wasserhäuschen!

Wer also den Wasserhäusje-Tag abseits des Remmidemmis feiern will, der ist an der Trinkhalle am Waldesrand bestens aufgehoben. Nicht umsonst sind Wald und Wasserhäuschen schon seit jeher die wichtigsten Sehnsuchtsorte der Hessinnen und Hessen. Und für den Wasserhäusje-Tag, der heute nicht zuletzt aus Marketinggründen begangen wird, gilt ohnehin, was viele Mütter auch vom Muttertag behaupten: Eigentlich sollte jeder Tag ein Wasserhäusje-Tag sein.

Und die Nacht gehört dann dem Wald.

Das Programm finden Sie hier