Warum 24.000 Euro mehr bringen können als 72.000 Euro
Wer zehn Jahre früher mit dem Sparen beginnt, kann am Ende mehr Vermögen haben als jemand, der dreimal so viel einzahlt. Wir zeigen Ihnen, warum der Zinseszinseffekt so stark wirkt.
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Stand: 02.09.2026, 19:46 Uhr
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Wer zehn Jahre früher mit dem Sparen beginnt, kann am Ende mehr Vermögen haben als jemand, der dreimal so viel einzahlt. Wir zeigen Ihnen, warum der Zinseszinseffekt so stark wirkt.
Zehn Jahre Vorsprung schlagen dreimal so viel eingezahltes Geld: Wer mit 25 beginnt und nach zehn Jahren aufhört, kann mit 65 mehr im Depot haben als jemand, der erst mit 35 startet und dafür 30 Jahre durchspart. Das ist kein Rechenfehler, sondern die Mechanik des Zinseszinseffekts – und der wichtigste Grund, warum es bei der Geldanlage vor allem auf den Faktor Zeit ankommt.
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Das Wichtigste in Kürze
- Reinvestierte Erträge erwirtschaften im Folgejahr selbst wieder Erträge. Der Effekt wächst exponentiell, nicht linear.
- 200 Euro im Monat bei 7 Prozent Rendite ergeben nach 10 Jahren rund 34.600 Euro und nach 30 Jahren rund 244.000 Euro.
- Die Sparzeit verdreifacht sich in diesem Beispiel, das Ergebnis versiebenfacht sich.
- Ab einem Anlagehorizont von 15 bis 20 Jahren verliert der Einstiegszeitpunkt deutlich an Bedeutung.
- 7 Prozent sind ein historischer Durchschnitt breiter Aktienmärkte, keine Zusage. Kosten, Steuern und Inflation gehen davon ab.

Das Prinzip: Erträge, die selbst wieder Erträge bringen
Der Mechanismus ist simpel. Sie legen Geld an und erhalten dafür Erträge – Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne. Wenn Sie diese Erträge nicht entnehmen, sondern wieder anlegen, arbeiten sie ab dem Folgejahr mit. Ihr Kapital verzinst sich dann nicht mehr nur auf den ursprünglichen Einsatz, sondern auf einen Betrag, der Jahr für Jahr größer wird.
Ein Beispiel mit einer Einmalanlage von 10.000 Euro und 7 Prozent Rendite pro Jahr:
- Nach 10 Jahren: rund 19.700 Euro
- Nach 20 Jahren: rund 38.700 Euro
- Nach 30 Jahren: rund 76.100 Euro
Im ersten Jahrzehnt kommen knapp 10.000 Euro dazu, im dritten fast 38.000 Euro. Der Einsatz war derselbe. Nur die Zeit war länger.
Tipp: Teilen Sie 72 durch Ihre erwartete Rendite, dann wissen Sie ungefähr, nach wie vielen Jahren sich Ihr Kapital verdoppelt. Bei 7 Prozent sind das rund zehn Jahre. Für die eigene Sparrate lässt sich der Effekt in Sekunden mit einem Zinseszinsrechner durchspielen.
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Die Auswirkung: exponentiell statt linear
Genau hier steckt der Denkfehler, den viele machen. Wir rechnen intuitiv linear: doppelte Zeit, doppeltes Ergebnis. Der Zinseszins funktioniert aber exponentiell.
Wer 200 Euro im Monat bei 7 Prozent Rendite anlegt, kommt auf:
- Nach 10 Jahren: rund 34.600 Euro – eingezahlt: 24.000 Euro
- Nach 20 Jahren: rund 104.200 Euro – eingezahlt: 48.000 Euro
- Nach 30 Jahren: rund 244.000 Euro – eingezahlt: 72.000 Euro
Die Sparzeit verdreifacht sich, das Endergebnis versiebenfacht sich. Und der Anteil Ihrer eigenen Einzahlungen sinkt von rund 70 auf unter 30 Prozent. Den Rest erledigt der Markt.
Der Vergleich: früher Starter gegen Vielzahler
Jetzt wird es unangenehm für alle, die das Thema vor sich herschieben. Zwei Personen, gleiche Rendite, gleiches Enddatum mit 65 Jahren:
- Person A spart von 25 bis 35 monatlich 200 Euro – zehn Jahre lang, insgesamt 24.000 Euro. Danach zahlt sie keinen Cent mehr ein und lässt das Depot einfach liegen. Ergebnis mit 65: rund 281.000 Euro.
- Person B startet erst mit 35, spart dafür aber 30 Jahre durch – insgesamt 72.000 Euro. Ergebnis mit 65: rund 244.000 Euro.
Person A zahlt ein Drittel ein und liegt am Ende trotzdem vorn. Der einzige Unterschied sind zehn Jahre Vorsprung. Deshalb ist der passende Anlagehorizont die wichtigste Stellschraube überhaupt – wichtiger als die Frage, welchen Fonds Sie am Ende wählen.
Warum Zeit das Markt-Timing schlägt
Der Reflex vieler Sparer lautet: erst einmal abwarten, bis die Kurse günstiger sind. Das Problem daran ist nicht, dass es unmöglich wäre, einmal richtig zu liegen. Das Problem ist, dass man zweimal richtig liegen muss – beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg. Und dass jeder Monat an der Seitenlinie ein Monat ist, in dem der Zinseszins nicht für Sie arbeitet.
Bei einem Anlagehorizont von 15 bis 20 Jahren und mehr verliert der Einstiegszeitpunkt stark an Bedeutung. Ob Sie im Hoch oder im Tief gestartet sind, gleicht sich über zwei Jahrzehnte weitgehend aus. Was sich nicht ausgleicht, sind die Jahre, in denen Sie gar nicht investiert waren.
Was die Rechnung nicht zeigt
Ganz so glatt wie im Rechenbeispiel läuft es in der Realität nicht. Vier Einschränkungen gehören dazu:
- 7 Prozent sind ein historischer Durchschnitt, keine Zusage. Breit gestreute Aktienmärkte haben langfristig ungefähr in dieser Größenordnung geliefert – mit heftigen Ausschlägen nach oben und unten.
- Kosten fressen mit. Ein Prozentpunkt laufende Gebühren pro Jahr kostet über 30 Jahre einen erheblichen Teil des Endvermögens.
- Steuern und Inflation reduzieren die tatsächliche Kaufkraft. Nominale Zahlen wirken immer beeindruckender als reale.
- Der Effekt braucht Wiederanlage. Wer sich Dividenden auszahlen lässt und ausgibt, schaltet den Zinseszins ab.
Der erste Punkt ist der wichtigste, der zweite der am leichtesten zu beeinflussende. Wo Sie besparen, entscheiden Sie selbst – und die Unterschiede zwischen den Anbietern sind größer, als viele denken. Ein Blick in unseren ETF-Sparplan Vergleich lohnt sich, bevor Sie die erste Rate einrichten.
Fazit: Der Zinseszins belohnt Geduld, nicht Klugheit
Die entscheidenden Hebel sind schnell aufgezählt: früh anfangen, Erträge konsequent wieder anlegen, Kosten niedrig halten und in schwachen Phasen nicht verkaufen. Alles andere – der perfekte Einstiegszeitpunkt, die Suche nach dem besten Fonds – ist im Vergleich Feinjustierung.
Wer mit 25 startet, kann sich einen mittelmäßigen Sparplan leisten. Wer mit 50 startet, kann das nicht mehr. Der Faktor Zeit ist der einzige Teil der Rechnung, den Sie nicht nachträglich korrigieren können.
Häufige Fragen zum Zinseszinseffekt
Gibt es den Zinseszins auch bei Aktien und ETFs?
Ja, allerdings nicht über Zinsen, sondern über wieder angelegte Kursgewinne und Dividenden. Bei thesaurierenden ETFs passiert das automatisch, bei ausschüttenden müssen Sie die Erträge selbst reinvestieren.
Wie lange dauert es, bis sich mein Geld verdoppelt?
Als Faustregel gilt: 72 geteilt durch die Rendite in Prozent. Bei 7 Prozent sind das rund zehn Jahre, bei 3 Prozent rund 24 Jahre.
Lohnt sich der Einstieg mit 50 noch?
Ja, nur mit anderer Erwartung. Bei 15 Jahren Restlaufzeit tragen die eigenen Einzahlungen den größeren Teil des Ergebnisses. Entsprechend wichtiger werden Sparrate, niedrige Kosten und eine zum Zeithorizont passende Aufteilung des Depots.
Wirkt der Zinseszins auch beim Tagesgeld?
Grundsätzlich ja, aber deutlich schwächer. Bei 2 Prozent Zinsen dauert die Verdopplung rund 36 Jahre – und nach Abzug der Inflation bleibt davon in vielen Jahren nichts übrig. (Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit €uro-Finanzwissen)