BSW-Krise eskaliert: Wagenknecht räumt Fehler ein – währenddessen verlassen Abgeordnete die Partei
StartseitePolitikBSW im „Haifischbecken“: Wagenknecht wird deutlich – Partei hätte nicht in Regierung gehen sollenStand: 02.09.2026, 22:46 UhrKommentareUns auf Google folgenWagenknecht greift die eigene Partei ...
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BSW im „Haifischbecken“: Wagenknecht wird deutlich – Partei hätte nicht in Regierung gehen sollen
Stand: 02.09.2026, 22:46 Uhr
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Wagenknecht greift die eigene Partei an, Abgeordnete laufen davon – und bei drei Landtagswahlen droht dem BSW das Aus.
Erfurt – Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steckt in einer tiefen Krise. Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verlassen mehrere Thüringer Abgeordnete die Partei. Gleichzeitig räumt BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht eigene Fehler ein – und greift die eigene Thüringer Landesspitze scharf an.

Für die politische Landschaft ist das Geschehen bedeutsam: Das BSW könnte bei allen drei Wahlen an der Fünfprozenthürde scheitern – und damit etwa in Sachsen-Anhalt eine mögliche AfD-Alleinregierung verhindern.
Wagenknecht räumt Fehler ein – und macht Druck auf Katja Wolf
Im Interview mit t-online zeigte sich Wagenknecht ungewohnt selbstkritisch. „Wer eine neue Partei auf den Weg bringt, macht Fehler“, sagte sie. Zwei Punkte nannte sie dabei konkret: die restriktive Mitgliederaufnahme und die zu frühe Regierungsbeteiligung. Dabei kam sie erneut auf Thüringen zu sprechen, wo die Parteigründerin seit Längerem einen Koalitionsbruch provoziert.
Noch deutlicher wurde Wagenknecht beim Thema Regierungsbeteiligung. „Wir hätten damals wissen müssen, dass eine so junge Partei nicht in eine Regierung gehen sollte“, sagte sie. Einer so jungen Partei fehle die Erfahrung, sie könne „daher von den anderen im Haifischbecken der Politik verspeist werden“. Das BSW war nach der Thüringer Landtagswahl 2024 in die sogenannte Brombeer-Koalition mit CDU und SPD eingetreten – ein Schritt, den Wagenknecht nun öffentlich infrage stellt.
Wenig überraschend erhöht Wagenknecht nun erneut den Druck auf die Thüringer Landeschefin Katja Wolf. Sie wünsche sich, dass das BSW Thüringen dem CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt die Unterstützung entziehe. „Herrn Voigt wurde der Doktortitel aberkannt. Das war früher auch in der CDU ein Rücktrittsgrund“, so Wagenknecht. Voigt steht wegen einer KI-Affäre und Plagiatsvorwürfen in der Kritik. Die AfD hatte kürzlich erst einen Misstrauensantrag gegen Voigt initiiert.
Den Vorwurf von Wolf, es habe seit eineinhalb Jahren keinen Kontakt zwischen den beiden gegeben, wies Wagenknecht zurück. „Das stimmt nicht“, sagte sie. „Leider war die Kommunikation oft einseitig.“ Sie habe in den letzten Jahren immer wieder versucht, mit Wolf zu sprechen. Wolf hatte im ZDF-Talk „Markus Lanz“ erklärt, das letzte persönliche Gespräch liege rund eineinhalb Jahre zurück.
Plötzlich Minderheitsregierung in Thüringen: „Immer verrückter agierender“ BSW-Bundesvorstand
Wie am Mittwochmittag bekannt wurde, hat Wagenknecht aber zumindest eine Schwächung „ihrer“ Partei im Thüringer Landtag bewirkt: Drei Abgeordnete verlassen nach dpa-Informationen die Partei und Fraktion. Als Grund für die Entscheidung der Abgeordneten gelte vor allem der Kurs des BSW-Bundesvorstands.
Man könne sich nicht abhängig machen in der parlamentarischen Arbeit von einem „immer verrückter agierenden Bundesvorstand“, hieß es. Der Parteiaustritt sei per Einschreiben bereits am Dienstag an die Bundesgeschäftsstelle und die Landesgeschäftsstelle gegangen.
Das BSW ist im Freistaat Teil der Regierungskoalition von CDU, BSW und SPD. Das Bündnis hatte im Landtag schon bisher keine eigene Mehrheit – es bestand ein Patt zur Opposition von AfD und Linke. Mehrheiten hatte sich die sogenannte Brombeer-Koalition in der Regel mithilfe der Linken organisiert. Mit den nun erfolgten Fraktionsaustritten wird aus der Patt-Regierung in Erfurt eine echte Minderheitsregierung, die theoretisch im Parlament von der Opposition überstimmt werden kann.
BSW vor den Ost-Wahlen: Keine Koalition, aber Zusammenarbeit mit der AfD möglich
In Sachsen-Anhalt könnte es derweil ebenfalls zu einer Minderheitsregierung kommen, falls sich genügend Parteien finden, um eine AfD-Landesregierung zu verhindern – und, falls es die Landtagskonstellation hergibt. Das BSW würde den CDU-Amtsinhaber jedenfalls nicht mit seinen Stimmen wieder ins Amt hieven, sagte Wagenknecht gegenüber t-online. Zugleich schloss sie aus, dass das BSW nach einem möglichen Einzug in den Landtag selbst Minister stellen würde. „Wenn man das erste Mal in einen Landtag einzieht, sollte man nicht in eine Regierung gehen“, sagte sie – und verwies dabei erneut auf den Fehler in Thüringen.
Die Frage, ob das BSW AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund durch eine Enthaltung im dritten Wahlgang ins Amt des Ministerpräsidenten verhelfen könnte, bezeichnete Wagenknecht als „Phantomdebatte“. Siegmund habe angekündigt, nur mit absoluter Mehrheit regieren zu wollen. „Das wäre eine Verhöhnung der Wählerinnen und Wähler“, so Wagenknecht.
Gleichzeitig machte Wagenknecht deutlich, dass das BSW bei Sachthemen durchaus mit der AfD abstimmen werde: „Wir werden die Brandmauer-Idiotie nicht mitmachen, dass man niemals mit der AfD abstimmen darf. Das ist politischer Kindergarten.“ Eine Koalition mit der AfD schloss sie jedoch aus. In den Umfragen liegt das BSW in allen drei Wahlländern derzeit unter der Fünfprozenthürde. (Quellen: t-online, dpa, Welt, frühere Berichterstattung) (nak)