„War ein großer Aufwand“: Zwillinge aus Bayern drucken Sammelkarten mit Gesichtern ihrer Lehrer

Zwei 18-jährige Lenggrieser haben Sammelkarten mit den Lehrern ihres Gymnasiums entworfen. Die Schüler zahlen 2,50 Euro für fünf Karten – und tauschen sie in den Pausen wie Fußballsticker.

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„War ein großer Aufwand“: Zwillinge aus Bayern drucken Sammelkarten mit Gesichtern ihrer Lehrer

Stand: 22.07.2026, 18:18 Uhr

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Unzertrennliche Doppelpower: Ben und Lucia Blanke haben auf kreative Weise erfolgreich die Abikasse aufgebessert und dabei das Tölzer Gymnasium in Sammelfieber versetzt.

Unzertrennliche Doppelpower: Ben und Lucia Blanke haben auf kreative Weise erfolgreich die Abikasse aufgebessert und dabei das Tölzer Gymnasium in Sammelfieber versetzt. © Arndt Pröhl

Zwei 18-jährige Lenggrieser haben Sammelkarten mit den Lehrern ihres Gymnasiums entworfen. Die Schüler zahlen 2,50 Euro für fünf Karten – und tauschen sie in den Pausen wie Fußballsticker.

Bad Tölz/Lenggries – Wer in diesen Tagen die Aula oder den Pausenhof des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums während der Pausen betritt, wähnt sich eher auf einem Tauschbasar als in einer Schule. Überall stehen Fünftklässler neben angehenden Abiturienten und feilschen um begehrte Objekte. Doch das Objekt der Begierde ist in diesem Sommer weder Kylian Mbappé noch Harry Kane. Es sind die eigenen Lehrkräfte, die hier im handlichen Kartenformat die Besitzer wechseln. Was mit einem witzigen Clip auf TikTok begann, hat sich zu einer beispiellosen Eigendynamik entwickelt.

TikTok-Video als Auslöser für Tauschaktion an Schule

Auslöser des Tausch- und Sammelfiebers sind die Zwillinge Ben und Lucia Blanke. Die beiden 18-jährigen Lenggrieser gehen seit der ersten Klasse in dieselbe Klasse, teilen denselben Freundeskreis und engagieren sich gemeinsam als Stufensprecher. „Wir machen eigentlich absolut alles zusammen“, erzählt Lucia Blanke. „Die Idee reifte schon vor einem Jahr auf TikTok, aber der Weg bis zur fertigen Karte war ein großer Aufwand.“

Tausende Lehrer-Karten verpackten die Zwillinge selbst in Fünfer-Päckchen.

Tausende Lehrer-Karten verpackten die Zwillinge selbst in Fünfer-Päckchen. © Blanke

Bis zur Umsetzung war es ein organisatorischer Kraftakt, in den jeder über 100 Arbeitsstunden investierte, wie Ben Blanke berichtet. Es galt, das Design zu entwerfen – wobei jedes Fach eine eigene Kennfarbe hat –, Gespräche mit der Schulleitung zu führen und das Kollegium zu überzeugen. Zudem gingen die Geschwister mit rund 2000 Euro für den Druck in Vorkasse. „Das war für uns als Schüler natürlich ein wirtschaftliches Wagnis“, erklärt Ben Blanke.

Abikasse aufgebessert

Ein Wagnis, das sich längst ausgezahlt hat. Mittlerweile verzeichnet die Abikasse Einnahmen von knapp 4000 Euro. Fünf Karten kosten 2,50 Euro. Die Zwillinge verpacken alle Karten zu Hause selbst. Diese werden nicht geklebt, sondern sind so konzipiert, dass man mit ihnen Quartett spielen kann. Basis sind die humorvollen Datenblätter, die die Pädagogen selbst ausgefüllt haben – vom täglichen Kaffeekonsum bis zur Ästhetik des Tafelbildes. Und da gab es auch einige lustige Antworten. „Ein Lehrer trug unter ‚Lieblingssnack‘ den Namen eines Kollegen ein“, erzählt Ben Blanke lachend.

Beim Verkauf in der Pause bekamen sie tatkräftige Unterstützung von den anderen Stufensprechern. Erwerben können die Schüler insgesamt drei unterschiedliche Kategorien: normal, selten und legendär. Die „seltenen“ Karten sind in Gold, die „legendären“ Karten zeigen die Pädagogen von einer privateren Seite – beim Grimassenschneiden oder im Faschingskostüm. „Es ist großartig, die Lehrer mal von einer ganz anderen, nahbaren Seite kennenzulernen“, zeigt sich Ben Blanke begeistert. Und beim Sammeln und Tauschen erfährt man so manch spannendes Detail: „Eine Lehrerin ist beispielsweise seit 37 Jahren an unserer Schule – das ist schon etwas sehr Besonderes.“

Schulleiter findet an Aktion Gefallen

Schulleiter Holger Küst beobachtet das Treiben mit großem Wohlwollen und Humor. Er finde die Aktion „klasse“. Vor allem freue es ihn, dass seine Schützlinge ihr Taschengeld für diese Aktion vor der Haustür ausgeben, „und nicht für Herrn Gianni Infantino“.

Längst hat sich eine charmante Eigendynamik entwickelt: Schüler lassen sich die Karten signieren. „Auf diese Weise“, berichtet Direktor Küst, „haben einige Kollegen ganz neue Schüler kennengelernt.“ Zog anfangs nur knapp die Hälfte des Kollegiums mit, sind es bei der zweiten Bestellrunde bereits über drei Viertel. Lucia Blanke sieht darin den eigentlichen Gewinn des Projekts: „Neben dem reinen Spaß führt die Aktion im Schulalltag zu einer Verbesserung der Lehrer-Schüler-Beziehung.“ Die Lenggrieser Zwillinge jedenfalls haben bewiesen, dass Schule und Spaß keine Gegensätze sein müssen – man muss sie manchmal nur spielerisch, Karte für Karte, neu verhandeln.