Wieso trifft Donald Trump den libanesischen Präsidenten Aoun?

Treffen Libanon–USA «USA wollen alleiniger Hegemon in der Region sein» Teilen ...

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Wieso trifft Donald Trump den libanesischen Präsidenten Aoun?

Treffen Libanon–USA «USA wollen alleiniger Hegemon in der Region sein»

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Es war ein heikler Balanceakt für den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun bei seinem gestrigen Besuch bei US-Präsident Donald Trump. Aoun war der erste libanesische Staatschef seit fast 20 Jahren, der das Weisse Haus besuchte. Auf der einen Seite braucht Aoun die Hilfe der USA, um den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon zu erreichen. Auf der anderen Seite hat Aoun grossen Druck aus Israel und den USA, die Hisbollah zu entwaffnen. Die freie Journalistin Meret Michel in Beirut ordnet diesen Besuch ein.

Meret Michel

Freie Journalistin

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Meret Michel ist freie Reporterin und lebt in Beirut, der Hauptstadt Libanons. Von dort aus schreibt sie über die arabischen Länder, mit Fokus auf den Libanon, Syrien und den Irak.

SRF: Wurde beim Treffen etwas Konkretes beschlossen oder war es symbolisch?

Meret Michel: Es war auf jeden Fall symbolisch. Die USA haben vor allem vieles versprochen. Sie haben in Aussicht gestellt, dass bei einer vollständigen Entwaffnung der Hisbollah sich nicht nur die israelischen Truppen aus dem Libanon zurückziehen würden, sondern dass die USA auch wirtschaftlich in den Libanon investieren würden. Zudem könnten Direktflüge zwischen dem Libanon und den USA wieder aufgenommen werden.

Dieses Treffen war so historisch, weil es zeigt, wie fundamental sich die Kräfteverhältnisse in der ganzen Region verschoben haben.

Für den libanesischen Präsidenten hingegen war es vor allem wichtig, sein wichtigstes Ziel noch einmal klarzumachen, nämlich dass nur ein vollständiger Truppenabzug Israels aus dem Südlibanon wirklich Stabilität in der Region bringen kann. Joseph Aoun weiss, dass er dafür kämpfen muss. Denn Israel macht deutlich, dass es dazu nicht ohne Druck bereit ist. Und Aoun weiss auch, dass der einzige Staat, der das tun kann, die USA sind.

Warum hat Trump den libanesischen Präsidenten gerade jetzt empfangen?

Die USA versuchen, sich als alleiniger Hegemon in der Region zu etablieren, und setzen sich dafür etwa für die Stärkung der Beziehungen zwischen Syrien und dem Irak, aber auch zwischen dem Libanon und Syrien ein. Die USA wollen, dass diese Länder, auf die der Iran bis anhin grossen Einfluss hatte, fest im amerikanischen Orbit verankert sein sollen. Deswegen war dieses Treffen auch so historisch, weil es zeigt, wie fundamental sich die Kräfteverhältnisse in der ganzen Region verschoben haben.

Besteht ein Zusammenhang zwischen der Bekanntgabe Israels, sich aus bestimmten Zonen zurückzuziehen, und dem Treffen in Washington?

In einem Rahmenabkommen hat sich der Libanon bereits dazu verpflichtet, die Hisbollah zu entwaffnen und Israel wiederum sich vollständig aus dem Libanon zurückzuziehen.

Der Libanon vertraut Israel nicht, dass sie zu einem Truppenabzug bereit sind. Und Israel vertraut dem Libanon nicht, dass die Regierung in der Lage ist, die Hisbollah zu entwaffnen.

Um das umzusetzen, hat man sich auf einen schrittweisen Truppenabzug Israels geeinigt, der über sogenannte Pilotzonen geschehen soll. Konkret sind das einzelne Dörfer, aus denen sich die israelische Armee zurückzieht, die libanesische Armee einrückt und sicherstellt, dass dort keine Infrastruktur der Hisbollah mehr vorhanden ist.

400'000 Menschen weiterhin vertrieben

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Von den rund 1.2 Millionen Menschen, die durch den Krieg vertrieben worden waren, sind ungefähr zwei Drittel inzwischen zurückgekehrt, wie die Journalistin Meret Michel sagt. Was sie dort vorfinden, sei allerdings eine äusserst instabile Lage.

«Ich habe gestern mit einer Frau telefoniert, die in ihr Dorf in der Nähe von Nabatieh zurückgekehrt ist. Und sie hat mir erzählt, dass sie regelmässig in der Ferne israelische Bombenangriffe hören, auch wenn es bei ihnen im Dorf selbst ruhig bleibt», sagt Michel.

Nach wie vor bleiben 400’000 Menschen vertrieben. Das wird laut Michel wahrscheinlich auch auf lange Sicht so sein, weil diese entweder aus dieser besetzten Zone stammen oder ihr Haus zerstört wurde. «Die humanitäre Krise ist vielleicht ein bisschen abgeschwächt, aber im Libanon nicht gelöst und wird wahrscheinlich noch auf sehr lange Sicht hinweg weiter bestehen», sagt die freie Journalistin.

Nun ging es bei dem Treffen darum, wie das konkret aussehen soll. Im Zentrum stand die Frage, wer die Verantwortung für den ersten Schritt trägt. Denn Israel will, dass diese Pilotzonen zunächst in Gebieten sind, die sie gar nicht besetzt halten, während der Libanon das natürlich nicht will. Das Problem ist, dass sich beide Seiten nicht vertrauen. Der Libanon vertraut Israel nicht, dass sie zu einem Truppenabzug bereit sind. Und Israel vertraut dem Libanon nicht, dass die Regierung in der Lage ist, die Hisbollah zu entwaffnen.

Das Gespräch führte Radka Laubacher.

Rendez-vous, 22.7.2026, 12:30 Uhr ;  srf/bitd;baus;wilh