„Springer Award“ für Peter Thiel: Warum Döpfners Liebeserklärung einen Haken hat
Der „Axel Springer Award“ geht in diesem Jahr an den Tech-Milliardär Peter Thiel. Döpfner lobt ihn in den höchsten Tönen – dabei verbindet die beiden Familien mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wer profitiert hier von wem?
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Kultur :
„Springer Award“ für Peter Thiel: Warum die Liebeserklärung von Döpfner einen Haken hat
Der „Axel Springer Award“ geht in diesem Jahr an den Tech-Milliardär Peter Thiel. Döpfner lobt ihn in den höchsten Tönen – dabei verbindet die beiden Familien mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wer profitiert hier von wem?
Ein Herz und eine Seele: Mathias Döpfner und Peter Thiel
Collage: der Freitag, Material: Getty, Picture Alliance
Im Schatten der großen Debatten hat sich eine Spezialdisziplin etabliert, die mitunter als Thielologie bezeichnet worden ist. In einer Mixtur aus Aufmerksamkeitsökonomie, Wissenschaft und dem weiten Feld religiöser Unterweisungen geht es darin insbesondere darum, die öffentlich und im Verborgenen geäußerten Gedanken des deutsch-amerikanischen Tech-Unternehmers Peter Thiel zu ergründen. Was dieser tut und denkt, versetzt die Schaltzentralen der Macht in Schwingungen.
Die Geldströme drängen von hier nach dort, die nahe Zukunft will antizipiert sein. Schon deshalb gehört zur Thielologie nicht nur die Frage, was aus der obskuren Denkschule des Unternehmers hervorgehen mag, sondern vor allem auch die, wie man ihr nahekommen kann. Peter Thiel gilt als scheues Wesen, Überwältigungsmanöver wie die seines einstigen Geschäftspartners Elon Musk, mit dem er das Online-Bezahlsystem Paypal gründete, sind ihm fremd. Zur Annäherung mögen Schmeicheleien helfen, aber sollten diese nicht etwas weniger plump sein?
Mathias Döpfner will das Siechtum der Medienbranche beheben
Mit vorsichtig-abwägenden Verhaltensweisen hat man Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE, bislang eher nicht in Verbindung gebracht. Das mag ihm einst die Gunst der Verlegergattin Friede Springer eingebracht haben, seit geraumer Zeit jedoch fühlt er sich von der Spitze des deutschen Medienkonzerns abwechselnd berufen und getrieben, das Siechtum seiner Branche zu beheben, Regieanweisungen für die jeweils Regierenden gehören zum Portfolio.
Man sollte deshalb auch nicht auf den naheliegenden Gedanken verfallen, die Idee zur Verleihung des Axel Springer Awards an Peter Thiel sei reines Plagiat des FIFA-Friedenspreises an Donald Trump. Womit wiederum nicht gesagt sein soll, dass das Springer-Imperium als Hort feinsinniger Geschäftsführung bekannt ist. Das subtile Spiel mit Ehrungen und Preisen dürfte Döpfner vielmehr aus nächster Nähe von seinem Freund Frank Schirrmacher entliehen haben.
Die Szene führt zurück ins Jahr 2007. Für den Film Operation Walküre – das Stauffenberg-Attentat wurde unter Mitwirkung des FAZ-Herausgebers zum traditionellen Bambi-Filmpreis seinerzeit eigens die wolkige Kategorie Courage erschaffen, Mut für die Welt und besonders auch für die eigenen Netzwerke. Vom Ehrenpreis für den Schauspieler Tom Cruise versprach sich wohl nicht nur Schirrmacher sein Hollywood-Entrée. Ein Muster für das analoge Ringen um Bedeutung angesichts übermächtiger Digitalisierungsprozesse.
Mit Anstand und Fairness ist nichts zu gewinnen
Der Springer Award ist für Peter Thiel übrigens keineswegs die erste Auszeichnung aus Deutschland. Nach dem plötzlichen Tod Schirrmachers 2014 wurde ein Jahr später von der Frank-Schirrmacher-Stiftung ein Preis in dessen Namen ausgelobt, mit dem vorwiegend Schriftsteller ausgezeichnet wurden, wie Daniel Kehlmann, Hans Magnus Enzensberger, Jonathan Franzen und Michel Houellebecq. Vor fünf Jahren ging er an Peter Thiel, zur Jury gehörte: Mathias Döpfner. Die Familienbande waren da längst geknüpft, Peter Thiel ist Großinvestor einer Firma von Döpfners Sohn Moritz.
Wer jetzt an Nepotismus denkt und von Vetternwirtschaft spricht, übersieht womöglich, dass es in der Thielologie schon längst nicht mehr um gesellschaftliche Aufklärung und wirtschaftliche Konkurrenz geht. „Competition is for losers“, lautet eine früh von Peter Thiel propagierte Formel. Mit Anstand und Fairness ist sowieso schon lange nichts zu gewinnen. Und Lobpreisungen kosten nichts.