„Sind die Aufräumpolizei“: Warum Wespen und Hornissen mehr nützen als nerven

Mücken, Bremsen, Wespen, Hornissen: Viele stempeln die Insekten als echte Plage ab. Zu Unrecht, findet Amtbiologin Roswitha Holzmann. Denn ohne die kleinen Tierchen würde das Gleichgewicht der Natur kippen.

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„Sind die Aufräumpolizei“: Warum Wespen und Hornissen mehr nützen als nerven

Stand: 22.07.2026, 18:19 Uhr

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Streng geschützt: Unter einem privaten Holzvorbau haben Hornissen ihr monströses Nest errichtet. Von der Unteren Naturschutzbehörde wurde der Bau gesichtet – und Aufklärungsarbeit geleistet.

Streng geschützt: Unter einem privaten Holzvorbau haben Hornissen ihr monströses Nest errichtet. Von der Unteren Naturschutzbehörde wurde der Bau gesichtet – und Aufklärungsarbeit geleistet. © Holzmann

Mücken, Bremsen, Wespen, Hornissen: Viele stempeln die Insekten als echte Plage ab. Zu Unrecht, findet Amtsbiologin Roswitha Holzmann. Denn ohne die kleinen Tierchen würde das Gleichgewicht der Natur kippen.

Landkreis – Ob beim Spazierengehen im Ebersberger Forst, am Ufer des Bergfeldsees in Poing, an Blühwiesen oder im heimischen Garten: Im Ebersberger Land summt, brummt und sticht es derzeit an allen Ecken und Enden. Mücken, Bremsen, Wespen und Hornissen werden von der Bevölkerung dabei gerne schnell als lästige Begleiter abgestempelt, als regelrechte Plage. Zu Unrecht, findet Roswitha Holzmann, stellvertretende Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) im Landratsamt. Sie sagt: „Ohne die Tierchen kippt das Gleichgewicht der Natur.“

Eingespielte Nahrungsketten stützen Ökosysteme

Fressen und gefressen werden: Das ist die Quintessenz, wenn es um die Nützlichkeit der unbeliebten Stecher geht. So stehen die kleinen Insekten etwa bei Vögeln, Fröschen, Spinnen und Eidechsen ganz oben auf der Speisekarte. Selbst halten die schwarz-gelb gestreiften Flieger wiederum die Population von Fliegen, Blattläusen, Mücken und Schädlingen, wie dem Buchsbaumzünsler, in Schach. Quasi als „Aufräumpolizei“, wie Holzmann erklärt. „Sie verhindern, dass sich manche Arten explosivartig vermehren.“

Kegelförmig baut die Mittlere Wespe ihr Heim unter einem Dachgibel. Die Aufnahme stammt aus dem Archiv des Landratsamtes.

Kegelförmig baut die Mittlere Wespe ihr Heim unter einem Dachgibel. Die Aufnahme stammt aus dem Archiv des Landratsamtes. © Holzmann

Es ist eine eingespielte Nahrungskette, die ohne diese kleinen, fliegenden Insekten in sich kollabieren und damit ganze Ökosysteme von Wäldern, Bächen, Weihern und Feldern ins Wanken bringen würde. Zumal Wespen, Bremsen und Hornissen auch für die Bestäubung von Pflanzen eine nicht unerhebliche Rolle spielen: „Sie sind unterwegs, wenn Bienen nicht mehr fliegen“, sagt die Amtsbiologin mit Blick auf kühle Tage und regnerisch-windiges Wetter.

Heißer Sommer und wenig Regen: Ideales Insektenwetter

Dass heuer nun aber vergleichsweise viele Insekten unterwegs sind, liegt am Klima. Die lange, anhaltende Hitzephase mit ihren fast schon saharischen Temperaturen von bis zu 36 Grad und der regenarme Frühling waren für die wechselwarmen Flieger ideale Bedingungen: Die Tiere kurbeln ihre Leistungsfähigkeit an, ihre Völker wachsen zahlreich und prächtig. „Wir sind gerade in der Hochphase“, erklärt Holzmann am Telefon mit der EZ. Bis zu 10 000 Individuen tummeln sich derzeit in den Nestern so mancher Arten, etwa denen der Deutschen Wespe. Eine Masse, die sich in der Nestgröße spiegelt. Fast täglich erreichen die Amtsbiologin Meldungen über handball- oder fußballgroße Bauten. Zuletzt hing an einem Garagendach im Landkreis sogar ein europalettengroßes Nest.

Einfach so entfernt werden können die riesigen Insektenheime aber nicht – allein schon aus gesetzlicher Sicht. „Das wollen wir aber auch gar nicht“, betont die Expertin, die Betroffenen lieber Wege aufzeigt, mit den geschützten Tieren zu koexistieren. „Man muss Bewusstsein schaffen. Wespen und Hornissen sind im Grunde friedfertige Lebewesen“, beteuert sie. So liege es teils einfach an der Art, wie penetrant manche Insekten um Kuchentische und Picknickdecken kreiseln. „Je größer das Nest, desto mehr haben sie zu verlieren – und, desto aggressiver sind sie“, weiß Holzmann aus Erfahrung.

Doch in den meisten Fällen eilt ihnen einfach ein schlechter Ruf voraus: „Eigentlich ist es sogar ein gutes Zeichen, wenn man ein Nest auf seinem Grundstück hat“, sagt die Biologin. Naturnah angelegte Gärten bieten oftmals ausreichend Rückzugsorte und Futterquellen, die den Flugverkehr um die eigene Person einschränken. Dann, so Holzmann, sind die kleinen Flieger auch nicht so nervig. Und in ein paar Wochen, wenn die Nester langsam aufgegeben werden, ist das große Summen eh wieder vorüber.