Rigorose Rochade: Burnham vereint linken und rechten Flügel

In der Downing Street gibt es derzeit keine Verschnaufpause: Noch nach Mitternacht wurden am Montag die letzten Kabinettsmitglieder bekannt gegeben. Bereits kurz nach sechs kündigte der neue Premier seine erste...

  • 2 min read
Rigorose Rochade: Burnham vereint linken und rechten Flügel

In der Downing Street gibt es derzeit keine Verschnaufpause: Noch nach Mitternacht wurden am Montag die letzten Kabinettsmitglieder bekannt gegeben. Bereits kurz nach sechs kündigte der neue Premier seine erste Maßnahme an und zu Mittag trudelten die neuen Regierungsmitglieder für ihre erste Kabinettsitzung ein.

Der neue britische Premierminister Andy Burnham ist sich aber wohl bewusst: Das Fenster, um die Briten von sich zu überzeugen, ist eng. Und so verkündete er Dienstagfrüh eine erste Maßnahme, die den Briten mehr „finanziellen Spielraum“ einbringen soll: Ab Oktober wird die Mehrwertsteuer von der Stromrechnung gestrichen.

New Labour leader Andy Burnham becomes British prime minister

John Healey wird neuer Finanzminister.

Allzu bahnbrechend ist das freilich nicht. Noch im Jänner versprachen der damalige Premier Keir Starmer und Finanzministerin Rachel Reeves, umgerechnet 175 Euro von der Stromrechnung zu streichen. Zudem muss der neue Finanzminister John Healey noch erklären, wie die Steuererleichterung genau finanziert werden soll.

Frauenpower

Für die Umsetzung der versprochenen neuen Gemeindewohnungen ist unterdessen ein bekanntes Gesicht zurück. Keine zwei Monate nachdem Angela Rayner von allen Anschuldigungen der Steuervermeidung freigesprochen wurde (sie hatte die Stempelsteuer einer Zweitwohnung nicht beglichen) hat die linksorientierte Politikerin wieder das Wohnbauressort inne.

First cabinet meeting with British Prime Minister Andy Burnham at 10 Downing Street, in London

Angela Rayner kehr als Wohnbauministerin zurück. 

Die vom Außen- ins Gesundheitsministerium wechselnde und politisch erfahrene Yvette Cooper hat wiederum die Mammutaufgabe über, Sozialpflege zu reformieren, Wartelisten zu kürzen und den Briten, das von Burnham versprochene „gute“ und „präventivere“ Leben, zu ermöglichen.

Als einer der wenigen Starmer-Verbündeten gelang es Shabana Mahmood, ihren Chefinnenposten als Innenministerin zu behalten. Burnham hofft wohl, dass ihre entschlossene Herangehensweise beim Thema Migration Nigel Farages Polemik standhalten kann.

Drahtseilakt

Besondere Vorsicht ist aber nicht nur innenpolitisch gefragt. Noch vor wenigen Tagen erklärte US-Präsident Donald Trump von Burnham kaum etwas zu wissen, Burnham war doch bis vor Kurzem bloß „Bürgermeister einer Stadt“. Wohl zur Erleichterung der Downing Street nannte Trump das Gespräch mit Burnham keine halbe Stunde nach dessen Ernennung dann aber „sehr gut“. Man werde sich „in nächster Zeit“ zusammensetzen, um gemeinsame Interessen zu besprechen.

Newly appointed British PM Andy Burnham takes office

Ed Miliband übernimmt das Außenministerium. 

Großbritanniens neuer Außenminister Ed Miliband könnte die Kommunikation wieder erschweren. Laut Daily Telegraph warnte das Weiße Haus vor seiner Besetzung. Milibands Fokus auf umweltfreundliche Energie spießt sich mit Trumps Agenden.

Und auch Wes Streeting als neuer Verteidigungsminister sorgt für hochgezogene Augenbrauen. Streeting – einstiger Gesundheitsminister und Kurzzeit-Spekulant auf den Premierministerposten – hat sich zuletzt zwar für die Idee von „Kriegsanleihen“ zur Geldbeschaffung und die Streichung veralteter Militärprogramme ausgesprochen, doch bis dato kein Außenamt bekleidet.

Um etwaige Wissenslücken aufzufüllen, gibt es wohl auch für Minister derzeit wenig Zeit zum Verschnaufen.

kurier.at, amb  |  21.07.2026, 18:00