Revolutionärer Durchbruch bei Melanom: Neue Krebs-Therapie erhöht Überlebenschancen enorm

StartseiteWissenStand: 02.09.2026, 14:06 UhrKommentareUns auf Google folgenSchwarzer Hautkrebs: Dank einer doppelten Immuntherapie kann die Überlebenszeit verlängert werden. © xivan_kuprevichx via imago-imagemR...

  • 4 min read
Revolutionärer Durchbruch bei Melanom: Neue Krebs-Therapie erhöht Überlebenschancen enorm

Stand: 02.09.2026, 14:06 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Schwarzer Hautkrebs: Dank einer doppelten Immuntherapie kann die Überlebenszeit verlängert werden.

Schwarzer Hautkrebs: Dank einer doppelten Immuntherapie kann die Überlebenszeit verlängert werden. © xivan_kuprevichx via imago-image

mRNA-Impfstoffe und doppelte Immuntherapien revolutionieren die Behandlung von schwarzem Hautkrebs. Neue Langzeitdaten zeigen spektakuläre Erfolge.

Auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Krebsgesellschaft (ASCO) wurden im Jahr 2011 die ersten Daten zur Immuntherapie bei Patienten mit kutanem Melanom vorgestellt. Dieser Tumor war der Wegbereiter für eine Strategie, die das Immunsystem gezielt gegen Krebszellen aktiviert. Heute liefert sie wichtige Erfolge bei zahlreichen Krebserkrankungen, die zuvor als kaum therapierbar galten. Vor dem Jahr 2011 betrug die Lebenserwartung bei metastasiertem Melanom nur sechs bis zwölf Monate, da Chemotherapien kaum anschlugen.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel von Vera Martinella entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

Heute stehen mehrere wirksame Immuntherapeutika zur Verfügung. Die Erkrankung lässt sich oft chronifizieren, sodass viele Betroffene selbst mit Metastasen noch über zehn Jahre nach der Diagnose leben. Auf dem ASCO-Kongress am 1. Juni 2026 in Chicago wurden erneut Meilensteine präsentiert. Die Daten verdeutlichen, wie tiefgreifend sich die Prognose in gut einem Jahrzehnt gewandelt hat.

Wie die Endergebnisse der von der Fondazione NIBIT initiierten Studie NIBIT-M2 zeigen, leben zehn Jahre nach Therapiebeginn bei asymptomatischen Hirnmetastasen noch 32 Prozent der mit den Immuntherapeutika Ipilimumab und Nivolumab behandelten Patienten.

Schwarzer Hautkrebs: Langzeitüberleben dank doppelter Immuntherapie

„Das ist ein zentrales Ergebnis für eine historisch extrem schwierige Diagnosestellung. Es handelt sich um das weltweit längste Follow-up bei Melanompatienten mit asymptomatischen Hirnmetastasen“, erklärt Anna Maria Di Giacomo, Leiterin des Programms für Phase-I/II-Studien am Zentrum für Immunonkologie des Universitätsklinikums Siena. „Über Jahre gab es für diese Menschen keine wirksamen Optionen.“

Um diesen Versorgungsengpass anzugehen, startete die Fondazione NIBIT die Phase-III-Studie NIBIT-M2. An neun italienischen Zentren wurden Patienten mit metastasiertem Melanom und aktiven, unbehandelten, asymptomatischen Hirnmetastasen untersucht, die zuvor keine Systemtherapie erhalten hatten.

Die Studie verglich drei Strategien: Chemotherapie (Fotemustin), Ipilimumab plus Fotemustin sowie die doppelte Immuntherapie aus Ipilimumab und Nivolumab. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 125 Monaten bestätigen die Daten den nachhaltigen Nutzen der Doppelblockade. In dieser Gruppe lag das Gesamtüberleben nach zehn Jahren bei 32 Prozent, die melanomspezifische Überlebensrate bei 36 Prozent. Auch im Gehirn blieb die Erkrankung stabil: Das intrakranielle progressionsfreie Überleben nach zehn Jahren beträgt 29 Prozent.

„Ein signifikanter Anteil der Patienten profitiert langfristig von der Kombination“, betont Michele Maio, Professor für Medizinische Onkologie an der Universität Siena und Direktor des dortigen Zentrums für Immunonkologie. „Zudem benötigt 70 Prozent der Überlebenden nach zehn Jahren keine weitere Krebstherapie mehr. Das lässt auf eine mögliche Heilung hoffen.“

Für Patienten ohne ausreichenden Therapieerfolg laufen derzeit Studien mit ergänzenden mRNA-Impfstoffen. Diese sollen die Produktion von Abwehrzellen anregen, die spezifische Eiweiße auf der Tumoroberfläche erkennen und zerstören.

Personalisierte mRNA-Impfstoffe gegen Melanom

In diesem Kontext präsentierten Forschende der NYU Langone Health am 1. Juni 2026 auf dem ASCO-Kongress die Fünf-Jahres-Ergebnisse der Phase-IIb-Studie KEYNOTE-942. Die zeitgleich im Journal of Clinical Oncology publizierte Untersuchung belegt die Dauerhaftigkeit des personalisierten mRNA-Impfstoffs Intismeran in Kombination mit dem Immuntherapeutikum Pembrolizumab. Bei Hochrisikopatienten senkt das Duo das Risiko für einen Rückfall oder den Tod um 49 Prozent gegenüber der reinen Immuntherapie. Weltweit – auch in Italien – laufen bereits Phase-III-Studien zur Bestätigung.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirksamkeit der Kombination über Jahre stabil bleibt“, kommentiert Paolo Ascierto, Direktor der Melanom-Onkologie am Istituto Tumori Pascale in Neapel. „Eine Reduktion des Rezidivrisikos um 49 Prozent und des Fernmetastasierungsrisikos um 59 Prozent nach fünf Jahren eröffnet völlig neue Perspektiven.“

Deutlich geringeres Rückfallrisiko und längeres Überleben

An der Studie nahmen 157 operierte Melanompatienten teil. Fünf Jahre nach dem Eingriff sind 68,8 Prozent der mit Impfstoff und Immuntherapie Behandelten komplett tumorfrei – in der Kontrollgruppe mit reiner Immuntherapie sind es 49,1 Prozent.

„Zudem senkt die Kombination das Risiko einer Fernmetastasierung auf andere Organe um 59 Prozent. Der vielleicht eindrucksvollste Wert ist jedoch: 92,2 Prozent der Patienten in der Impfstoffgruppe leben nach fünf Jahren noch – gegenüber 71,3 Prozent in der Kontrollgruppe“, unterstreicht Ascierto.

Der Experte stellt jedoch klar: Es handelt sich nicht um eine vorbeugende Impfung gegen Infektionen. „Die Therapie wird für jeden Patienten maßgeschneidert.“ Aus dem entfernten Tumor werden bis zu 34 Neoantigene – individuelle Eiweiß-Signaturen des Tumors – identifiziert. Darauf basierend wird ein mRNA-Strang synthetisiert. Nach der Injektion weist er die T-Lymphozyten an, verbliebene Tumorzellen gezielt zu vernichten.

mRNA-Technologie als möglicher Paradigmenwechsel

Während Pembrolizumab die molekularen „Bremsen“ des Immunsystems löst, liefert der Impfstoff Intismeran den Steckbrief des Ziels. Die Behandlung gilt als sicher; die Nebenwirkungen ähneln meist einer leichten Grippe.

„Die mRNA-Technologie wird bereits bei Lungenkrebs und anderen aggressiven Tumoren erprobt“, schließt Ascierto. „Bestätigen sich die Trends in Phase III, steht die Präzisionsmedizin vor dem Durchbruch als Therapiestandard.“