Repair-Café Neu-Isenburg feiert Jubiläum – Ableger in Gravenbruch gestartet

Das Repair-Café Neu-Isenburg steht seit zehn Jahren für einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Mittlerweile bringen Bürger mehr als 100 Gegenstände pro Jahr vorbei – darunter auch eine Clownspuppe und einen Unterwasserscooter.

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Repair-Café Neu-Isenburg feiert Jubiläum – Ableger in Gravenbruch gestartet

Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr

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Die Gruppe hilfsbereiter Ruheständler trifft sich zweimal im Monat zum Repair-Café. Manfred Link (von links), Winfried Eichhorn, Heinrich Paul, Nick Timm und Dietrich Schebesta gehören zum Kernteam.

Die Gruppe hilfsbereiter Ruheständler trifft sich zweimal im Monat zum Repair-Café. Manfred Link (von links), Winfried Eichhorn, Heinrich Paul, Nick Timm und Dietrich Schebesta gehören zum Kernteam. © Leo F. Postl

Das Repair-Café Neu-Isenburg steht seit zehn Jahren für einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Mittlerweile bringen Bürger mehr als 100 Gegenstände pro Jahr vorbei – darunter auch eine Clownspuppe und einen Unterwasserscooter.

Neu-Isenburg – Bügeleisen, Kaffeemaschinen, Staubsauger – das Team des Repair-Cafés Neu-Isenburg arbeitet seit zehn Jahren daran, technische Geräte aller Art wieder zum Laufen zu bringen. Zum Jubiläum blickt die Gruppe auch auf einige kuriose Reparaturen zurück. Währenddessen entsteht in Gravenbruch ein eigener Ableger des beliebten Angebotes.

Zweimal im Monat trifft sich die Gruppe hilfsbereiter Ruheständler, wie sich die Mitglieder des Repair-Cafés selbst bezeichnen, im Kellergeschoss der Brüder-Grimm-Schule. Vor Ort steht alles Nötige bereit, um nützliche und liebgewonnene Gerätschaften, die den Geist aufgegeben haben, wieder zum Leben zu erwecken. Dazu gibt es Kaffee und selbstgemachten Kuchen.

Repair-Café Neu-Isenburg: Erfolgsquote von 70 Prozent

„Die Erfolgsquote liegt von Anfang an bei etwa 70 Prozent“, sagt Nick Timm, Mitgründer des Repair-Cafés. Gestiegen ist hingegen die Zahl der Apparate, die jährlich vorbeigebracht werden: Waren es zu Beginn noch etwa 70, sind es mittlerweile weit mehr als 100. „Wir sind inzwischen eine voll akzeptierte Institution in dieser Stadt“, sagt Timm.

Über die Jahre werden auch einige Geräte mit hohem persönlichem, wenn auch fraglichem funktionalem Wert repariert. „Eine alte Dame kam mit einer Clownspuppe, die früher ,O mein Papa‘ gepfiffen hat“, erzählt Repair-Café-Mitglied Heinrich Paul. „Die ist runtergefallen und dann ging gar nichts mehr.“ Grund für das Problem ist ein eingebautes Mini-Tonband, das aus der Spur gerutscht ist. Ein paar gezielte Handgriffe später pfeift die Puppe wieder. Auch ein Steckenpferd mit elektronischer Tonausgabe und eine Eierbrutmaschine aus England werden wieder zum Laufen gebracht. „Neulich kam ein Exot mit einem Unterwasserscooter“, sagt Paul.

Auch Kuriositäten werden repariert.

Auch Kuriositäten werden repariert. © Privat

Neu-Isenburg: Neues EU-Gesetz soll Reparaturen erleichter

Das Ziel des Repair-Cafés ist dabei von Anfang an klar: Ressourcen schonen und ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur setzen. Dabei stehen die ehrenamtlichen Bastler immer wieder vor einer Herausforderungen: Ein Großteil der Geräte ist so konstruiert, dass das Gehäuse nur schwierig oder nicht ohne Beschädigung zu öffnen ist, schreibt die Initiative in einer Mitteilung zum Jubiläum. Aber genau darum gehe es: die Bekämpfung von kalkulierter Kurzlebigkeit industrieller Produkte.

Einen Erfolg auf diesem Gebiet können die Neu-Isenburger Reparateure dabei pünktlich zum zehnjährigen Bestehen feiern: Seit dem 31. Juni gilt in der EU das sogenannte „Recht auf Reparatur“. Dieses sieht unter anderem vor, dass Hersteller eine Instandsetzung über die typische Lebensdauer vieler Geräte anbieten müssen – dazu zählen etwa Kühlschränke und Smartphones. Die Gewährleistungsfrist, in der Hersteller eine kostenlose Reparatur kaputter Geräte anbieten müssen, wird dazu von zwei auf drei Jahre verlängert. Außerdem müssen wichtige Ersatzteile ab sofort über Jahre hinweg für unabhängige Werkstätten und Verbraucher vorgehalten werden. Technische Barrieren, die eine Reparatur gezielt verhindern, sind nun verboten. Laut Nick Timm ist das Gesetz maßgeblich auf die Ausbreitung der Repair-Café-Bewegung in den vergangenen Jahren zurückzuführen.

Repair-Café: Unterstützung für Neu-Isenburg und Gravenbruch gesucht

Und diese geht weiter – auch in Neu-Isenburg. Seit Mai gibt es auch im Sozialpastoralen Zentrum Gravenbruch (SpaZ) ein Repair-Café. „Das erste Haushaltsgerät, das wir repariert haben, war ein Reiskocher“, erzählt Klaus-Dieter Hagedorn. „Ansonsten sind wir bisher vor allem eine Fahrradwerkstatt.“ Der Rentner organisiert das Angebot gemeinsam mit Gemeindereferent Alexander Albert.

In Gravenbruch reparieren Klaus-Peter Hagedorn (links) und Alexander Albert bisher hauptsächlich Fahrräder.

In Gravenbruch reparieren Klaus-Peter Hagedorn (links) und Alexander Albert bisher hauptsächlich Fahrräder. © Leo F. Postl

Für beide Angebote wird derzeit nach Unterstützung gesucht. Während in Gravenbruch helfende Hände benötigt werden, um das Projekt weiter zu etablieren, hält die Gruppe in der Kernstadt Ausschau nach neuen Mitgliedern, um ihr Repair-Café zu einem wöchentlichen Angebot ausweiten zu können. „Wir werden alle nicht jünger“, sagt Nick Timm. Dabei bricht der Strom an kaputten Geräten, die es zu reparieren gilt, nicht ab – und der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wird wichtiger denn je.

Öffnungszeiten

Das Repair-Café in Neu-Isenburg im Keller der Brüder-Grimm-Schule, Eingang Friedrichstraße, hat jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Das Angebot im SpaZ Gravenbruch, Dreiherrnsteinplatz 2, wird nach den Sommerferien ab dem 18. August fortgesetzt und findet dann 14-tägig dienstags von 10.30 bis 12 Uhr statt.