Rechtsanspruch in Kraft: Ganztagsplätze an Schulen im Kreis Saarlouis – reicht es für alle Erstklässler?
Seit August müssen an den Grundschulen Ganztagsplätze für alle Erstklässler vorhanden sein – bis 2029 braucht es noch Tausende mehr. Doch wie ist die Lage im Kreis Saarlouis? Der Landrat verrät die aktuellen Zahlen.
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Rechtsanspruch in Kraft Ganztagsplätze an Schulen im Kreis Saarlouis – reicht es für alle Erstklässler?
Kreis Saarlouis · Seit August müssen an den Grundschulen Ganztagsplätze für alle Erstklässler vorhanden sein – bis 2029 braucht es noch Tausende mehr. Doch wie ist die Lage im Kreis Saarlouis? Der Landrat verrät die aktuellen Zahlen.
11.09.2026 , 19:32 Uhr
Seit August steht allen Erstklässlern in Deutschland rechtlich eine Nachmittagsbetreuung nach der Grundschule zu.
Foto: Patrick Pleul
Seit August gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen – zunächst nur für Erstklässler. Für alle Kinder, die in diesem Schuljahr eingeschult worden sind, müsste also ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen. Doch gibt es im Kreis Saarlouis tatsächlich genug? Das wollte die Fraktion Grüne/FDP im Kreistag wissen und hat entsprechend Zahlen zum aktuellen Ausbaustand in den Städten und Gemeinden angefragt.
Für den Ausbau der Grundschulen und deren Betreuungsangebote sind zwar die Kommunen und nicht der Kreis zuständig. Als Träger der Kinder- und Jugendhilfe trägt das Landratsamt aber letztlich die Verantwortung, wenn Eltern für ihr Kind keinen Platz bekommen und wäre demnach auch das Ziel einer Klage. Entsprechend bezog Landrat Patrik Lauer in der jüngsten Kreistagssitzung trotzdem Stellung zu dem Thema.
Kreis Saarlouis verfügt über 6125 Betreuungsplätze für Grundschüler
Lauer teilte mit, dass es im Kreis aktuell 1768 Erstklässler gibt. Dem stünden 6125 Plätze für die Nachmittagsbetreuung gegenüber. 468 davon gebe es an gebundenen Ganztagsschulen, wie zum Beispiel an der Grundschule im Vogelsang in Saarlouis. Hinzu kämen 280 Hortplätze, die der Landkreis selbst betreibt. Die übrigen Plätze – etwa 5400 – würden sich an den Freiwilligen Ganztagsschulen (FGTS) befinden. Diese werden meist von den Kommunen oder beauftragten Trägern betrieben.
Nach Angaben des Landrates sei aktuell gewährleistet, dass alle Erstklässler an ihrer jeweiligen Schule ein Betreuungsangebot erhalten können. Offen bleibt, ob dies überall ohne Überbelegungen möglich ist oder ob die regulären Betreuungsschlüssel ausgeschöpft werden müssen. Lauer betonte aber: „Uns ist kein Fall bekannt, bei dem ein Erstklässler nicht hätte versorgt werden können.“
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Foto: Jennifer Kuhn
Damit scheint die Lage im Kreis Saarlouis zunächst besser zu sein als anderorts im Saarland – zum Beispiel im Regionalverband Saarbrücken. Dort war zuletzt berichtet worden, dass Betreuungsplätze teilweise ausgelost werden müssten, weil die Nachfrage das Angebot übersteige.
Bis 2029 fehlen noch 1200 Plätze
Für die nächste Stufe des Rechtsanspruchs muss aber auch im Kreis Saarlouis weiter ausgebaut werden. Ab dem Schuljahr 2029/30 soll er für alle Kinder in den Grundschulen gelten. Ende August besuchten nach Angaben des Kreises 7364 Schülerinnen und Schüler die Grundschulen im Landkreis. Rein rechnerisch fehlen im Vergleich zur aktuellen Zahl von 6125 Betreuungsplätzen also rund 1200 Plätze. Das heißt nicht, dass jedes Kind einen Platz benötigen wird. Nicht alle Schülerinnen und Schüler benötigen eine Nachmittagsbetreuung. Die Nachfragequote der Erziehungsberechtigten dürfte unter 100 Prozent liegen. Die Zahlen zeigen aber, dass zusätzliche Kapazitäten notwendig sind.
In vielen Kommunen laufen noch Ausbauprojekte
Für Zuversicht sorgt dabei, dass in mehreren Kommunen im Kreis noch weitere Bauprojekte laufen, die das Angebot an Betreuungsplätzen erweitern werden. Zum Beispiel entsteht in Ensdorf ein Neubau mit fünf Klassen- und Aufenthaltsräumen sowie einer neuen Mensa. Im Lebacher Stadtteil Landsweiler ist ein FGTS-Neubau mit Gruppen- und Speiseräumen für bis zu 120 Kinder in Arbeit. Und in Schmelz hat der Gemeinderat bereits 2025 grünes Licht für ein neues Gebäude mit drei Klassen-, drei Differenzierungs- und einem Ruheraum gegeben.
Die Vorhaben zeigen: Der Ausbau im Kreis ist noch nicht abgeschlossen. Die Zahl der Betreuungsplätze soll weiter steigen. Ob sie am Ende für den Rechtsanspruch aller Grundschulkinder reicht, hängt vom Fortschritt der Projekte und von der tatsächlichen Nachfrage der Eltern ab. (leis)