Liestal verhängt Alkoholverbot auf öffentlichem Platz
Pöbeleien, Auseinandersetzungen und Müll: Die Stadtverwaltung Liestal reagiert auf Vorfälle am Wasserturmplatz mit einem vorübergehenden Alkoholverbot. In der Bevölkerung kommt das gut an.
- 3 min read
Radikaler Schritt in Liestal BL – Stadt verbietet Alkohol auf öffentlichem Platz
«Weniger Geschrei, weniger Probleme – man fühlt sich einfach wieder sicherer»
Pöbeleien, Auseinandersetzungen und Müll: Die Stadtverwaltung Liestal reagiert auf Vorfälle am Wasserturmplatz mit einem vorübergehenden Alkoholverbot. In der Bevölkerung kommt das gut an.
Publiziert: 12:41 Uhr
|
Aktualisiert: 13:50 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Liestal verhängt vorübergehendes Alkoholverbot am Wasserturmplatz
- Hintergrund: Zunahme von Belästigungen, Littering und Gewalt durch alkoholisierte Gruppen
- Polizei und Sanität mehrfach ausgerückt, Verbot zeigt positive Wirkung
Eigentlich ist der Wasserturmplatz in Liestal BL ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Doch in den vergangenen Monaten machten manche Passanten einen Bogen um das Areal.
Laut dem Bereichsleiter Sicherheit und Soziales bei der Stadt Liestal, René Frei, hat sich auf dem Platz «eine neue Szene von alkoholkonsumierenden Personen» gebildet. Betrunken hätten diese «übermässig Ruhe und Ordnung» gestört. Aufgrund der sich häufenden Vorfälle entschied sich die Liestaler Verwaltung: Ein Alkoholverbot soll Besserung bringen – die Bierdose oder die Weinflasche muss auf dem Platz für einen Monat geschlossen bleiben.
Verbot als letztes Mittel
Frei begründet das Durchgreifen der Stadt als letztes Mittel gegen die Unordnung. «Es kam zu Belästigungen, lautstarken Auseinandersetzungen und Tätlichkeiten innerhalb dieser Gruppierung sowie zu erheblichem Littering.» Die Zustände seien für Anwohner, Passanten und das lokale Gewerbe unhaltbar geworden, so Frei. Passanten hätten sich schlicht nicht mehr auf den Platz getraut.
Bisherige Massnahmen zeigten nicht die erhoffte Wirkung: Weder Gespräche noch der Einsatz privater Sicherheitsdienste oder verstärkte Polizeipatrouillen hätten die Lage nachhaltig beruhigen können. Die Polizei sowie die Sanität mussten nach Behördenangaben mehrfach wegen Auseinandersetzungen und stark alkoholisierten Personen ausrücken.
Reaktionen sind positiv
Ein Besuch vor Ort bestätigt die Schilderungen: Mehrere Passanten berichten von unangenehmen Begegnungen. Geht es beispielsweise nach Alexander Pfister (36), dürfte das Verbot gerne dauerhaft bleiben: «Ich wurde auf dem Platz zweimal geschlagen, einmal warfen sie meinen Rucksack ins Wasser.» Seit dem Verbot sei es spürbar ruhiger geworden: «Weniger Geschrei, weniger Probleme – man fühlt sich einfach wieder sicherer.»
Auch Sigi Biermann (57), Inhaber von Optik Biermann direkt am Wasserturmplatz, ist erleichtert: «Das geht jetzt schon seit über zwei Jahren so. Das Verbot war zwingend notwendig.» Eine dauerhafte Lösung sieht er darin allerdings nicht: «Viele wollen hier nach der Arbeit einfach nur ein Feierabendbier trinken. Sie sollten nicht unter dem Fehlverhalten einer einzelnen Gruppe leiden.»
Alkoholverbote sind im Trend
Liestal steht mit dieser Massnahme nicht allein da – und verweist direkt auf Erfahrungen aus dem Aargau. Die Stadt Brugg AG hatte mit ähnlichen Problemen rund um den Bahnhof und den Neumarktplatz zu kämpfen.
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Dort verhängte der Stadtrat ein achtmonatiges Alkoholverbot, das Ende März 2026 auslief. Nach Angaben der dortigen Behörden zeigte die Massnahme Wirkung: Die Szene löste sich auf, die Kriminalität ging zurück.
Auch über die Schweiz hinaus greifen Betreiber zu ähnlichen Mitteln: Die Deutsche Bahn kündigte kürzlich an, ein flächendeckendes Alkoholverbot an ihren rund 5400 Bahnhöfen umzusetzen.
Sanktion: Platzverweis oder Anzeige
Das Verbot gilt vorerst befristet bis zum 22. August 2026. Es handle sich um eine «Sofortmassnahme, erlassen von der Verwaltung», erklärt Bereichsleiter Frei. «Ein längeres Verbot bedarf eines Beschlusses des Stadtrats und einer Allgemeinverfügung.» Ob dies infrage kommt, hänge von der weiteren Entwicklung ab.
Die Einhaltung der Vorschrift wird von Stadt, Polizei und Sicherheitsdiensten kontrolliert. Dabei will man laut der Stadt mit «Augenmass» vorgehen: Beim ersten Verstoss bleibe es bei einer Ermahnung, erst bei Uneinsichtigkeit drohen Platzverweis und Anzeige.