Goldpreis übersteht ersten Schock – doch am Freitag droht der nächste Hammer

StartseiteWirtschaftStand: 06.09.2026, 13:35 UhrKommentareUns auf Google folgenNach einem heftigen Rücksetzer richtet sich der Blick der Anleger auf neue US-Daten. Sie könnten entscheiden, ob die Goldrallye wei...

  • 5 min read
Goldpreis übersteht ersten Schock – doch am Freitag droht der nächste Hammer

Stand: 06.09.2026, 13:35 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Nach einem heftigen Rücksetzer richtet sich der Blick der Anleger auf neue US-Daten. Sie könnten entscheiden, ob die Goldrallye weiterläuft.

Frankfurt – Der Goldpreis hat einen turbulenten Freitag überstanden – doch die nächste Bewährungsprobe kommt bereits in dieser Woche. Am 11. September werden in den USA die neuen Verbraucherpreisdaten veröffentlicht. Sie könnten den Goldmarkt erneut in Bewegung bringen, denn Anleger fragen sich, ob die US-Notenbank Fed die Zinsen schon im September weiter anheben wird.

Goldbarren: Der Goldpreis geriet nach starken US-Arbeitsmarktdaten unter Druck. Nun blicken Anleger auf die US-Inflationsdaten und die nächste Zinsentscheidung der Fed.

Goldbarren: Der Goldpreis geriet nach starken US-Arbeitsmarktdaten unter Druck. Nun blicken Anleger auf die US-Inflationsdaten und die nächste Zinsentscheidung der Fed. © Sven Hoppe/dpa

Der Freitag begann mit einem Paukenschlag. Die US-Arbeitsmarktdaten fielen stärker aus als erwartet. Der Markt reagierte sofort: Investoren preisten eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung der Fed im September ein. Die Renditen der US-Staatsanleihen zogen an, der Dollar legte zu. Gold, Silber und andere Edelmetalle gerieten daraufhin unter Druck.

Goldpreis rutscht nach US-Jobdaten ab

Die erste Reaktion am Goldmarkt fiel deutlich aus. Innerhalb kurzer Zeit rutschte der Goldpreis um fast 100 US-Dollar ab und kam erst im Bereich von 4375 US-Dollar zum Stehen. Weitere Verluste schienen in dieser Phase möglich. Doch anschließend stabilisierte sich der Markt wieder. Der Wochenschluss oberhalb von 4400 US-Dollar wurde von Marktbeobachtern als wichtiges Signal gewertet.

Rohstoffexperte Marcel Torney kommentierte: „Die Goldrallye lebt.“ Auch die Aktienmärkte gerieten zeitweise unter Druck. DAX, Dow Jones Industrial und Nasdaq 100 reagierten zunächst mit Verlusten auf die gestiegenen Zinserwartungen. Denn höhere Zinsen belasten nicht nur Gold, sondern auch viele zinssensible Anlageklassen.

Höhere Zinsen belasten Gold

Für Gold sind steigende Zinsen grundsätzlich ein Problem. Das Edelmetall wirft selbst keine laufenden Erträge ab. Wenn Anleihen höhere Renditen bieten, wird Gold im Vergleich weniger attraktiv. Zusätzlich belastet ein stärkerer US-Dollar den Goldpreis, weil Gold international in Dollar gehandelt wird und für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer wird.

Belastet hatte den Goldpreis bereits zuvor die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson Hole Economic Policy Symposium. Warsh hatte dort deutlich gemacht, dass die US-Notenbank ihren Kampf gegen die Inflation noch nicht als beendet ansieht. Die starken Jobdaten waren damit der zweite Rückschlag innerhalb weniger Handelstage. Trotzdem hielt sich Gold oberhalb wichtiger Unterstützungsbereiche.

Anleiherenditen und Dollar bleiben entscheidend

Entscheidend für den Goldpreis bleibt nun, ob sich die höheren Renditen am US-Anleihemarkt dauerhaft durchsetzen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen näherte sich zuletzt der Marke von 4,8 Prozent. Auch zweijährige Papiere standen unter Beobachtung, weil sie besonders sensibel auf Zinserwartungen reagieren. Gleichzeitig konnte der Dollar-Index seine Stärke nicht unbegrenzt ausbauen.

Für Gold ist das wichtig: Solange Renditen und Dollar nicht weiter ausbrechen, bleibt dem Edelmetall Spielraum für eine Stabilisierung. Steigen beide dagegen erneut deutlich, könnte der Goldpreis wieder unter Druck geraten. Die kommenden Inflationsdaten werden deshalb zum zentralen Test.

ETF-Investoren stützen die Rallye

Ein wesentlicher Faktor hinter der Widerstandsfähigkeit des Goldpreises sind anhaltende Käufe durch ETF-Investoren. Seit Ende Juli strömen Anleger wieder stärker in physisch besicherte Gold-ETFs. Der SPDR Gold Shares, einer der größten Gold-ETFs der Welt, verzeichnete bis zur Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts kräftige Zuflüsse.

Torney schreibt dazu: „Die Käufe der physisch besicherten Gold-ETFs sind eine treibende Kraft hinter der Goldpreisrallye.“ In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die starken Jobdaten diesen Trend unterbrochen haben oder ob ETF-Anleger den Rücksetzer eher als Einstiegschance nutzen.

US-Inflationsdaten werden zum Prüfstein

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung relevant. Gold gilt vielen Investoren als Schutz vor Inflation, Währungsrisiken und politischen Unsicherheiten. Die Entwicklung des Goldpreises beeinflusst direkt den Wert von Gold-ETFs, Goldmünzen und Goldbarren in deutschen Depots und Haushalten.

Allerdings sollten Anleger beachten, dass Gold kein risikoloser Hafen ist. Der Preis kann stark schwanken, vor allem wenn sich Zinserwartungen, Dollar-Kurs oder Inflationsdaten verändern. Gerade die aktuelle Woche zeigt, wie abhängig der Goldmarkt von US-Konjunkturdaten geworden ist.

US-Inflationsdaten werden zum Prüfstein

Die Ruhe nach dem Jobdaten-Sturm könnte von kurzer Dauer sein. Am 10. September werden in den USA die Erzeugerpreise für August veröffentlicht. Einen Tag später, am 11. September, folgen die Verbraucherpreisdaten. Beide Berichte könnten die Erwartungen an die nächste Fed-Sitzung deutlich verändern.

Sollten die Inflationsdaten höher ausfallen als erwartet, würde das eine Leitzinsanhebung am 15. und 16. September wahrscheinlicher machen. Steigende Zinsen wären tendenziell belastend für Gold. Fallen die Daten dagegen schwächer aus, könnte die Fed mehr Spielraum bekommen, die Zinsen vorerst unverändert zu lassen. Das wiederum könnte die Goldrallye neu stützen.

Fed steht vor politisch heikler Entscheidung

Im Hintergrund spielt auch die US-Politik eine Rolle. Am 3. November finden in den USA die Midterm-Wahlen statt. Eine Zinserhöhung wenige Wochen vor der Wahl wäre politisch heikel, auch wenn die Fed formal unabhängig entscheidet. Für die Märkte zählt deshalb nicht nur, was die Daten zeigen, sondern auch, wie die Notenbank ihre Entscheidung begründet.

Warsh hat mit seiner Rede in Jackson Hole den Ton verschärft. Die Fed will offenbar verhindern, dass sich die Inflationserwartungen wieder verfestigen. Gleichzeitig darf sie die Wirtschaft nicht unnötig abwürgen. Genau diese Abwägung macht die kommenden Daten so wichtig.

Charttechnik: 4500 Dollar als nächste Marke

Aus charttechnischer Sicht muss der Goldpreis nun die Widerstände bei 4500 und 4600 US-Dollar überwinden. Erst dann würde sich die Aufwärtsbewegung wieder deutlich beschleunigen. Rücksetzer sollten im besten Fall auf den Bereich um 4200 US-Dollar begrenzt bleiben.

Solange der Goldpreis oberhalb von 3950 US-Dollar notiert, bleibt das übergeordnete bullische Szenario aus Sicht technischer Analysten intakt. Kursziele jenseits der 5000-US-Dollar-Marke bleiben damit möglich. Eine Garantie ist das allerdings nicht. Entscheidend wird sein, ob Inflationsdaten, Fed-Entscheidung und ETF-Nachfrage in den kommenden Tagen weiter zusammenspielen. (Quellen: Reuters, Bureau of Labor Statistics, Federal Reserve, Associated Press, Wall Street Journal) (mare)