Neue Studie zu E-Autos: Misst Brüssel falsch?

KI-Stimme. InfoLiebe Leserin, lieber Leser,mit der Benennung Russlands als Verantwortlichen für den Drohnenangriff vom Leipziger Flughafen zeigt die Bundesregierung klare Kante und die angekündigten Maßnahmen s...

  • 4 min read
Neue Studie zu E-Autos: Misst Brüssel falsch?

KI-Stimme. Info

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit der Benennung Russlands als Verantwortlichen für den Drohnenangriff vom Leipziger Flughafen zeigt die Bundesregierung klare Kante und die angekündigten Maßnahmen sind weder überzogen noch zu soft. Dass Wladimir Putin noch gestern Abend „Beweise“ der Bundesregierung forderte, war zu erwarten. Der Kreml forderte auch Beweise, als seine Speznaz-Eliteeinheiten als „grüne Männchen“ ohne Hoheitszeichen an den Uniformen 2014 die Krim überfielen.

Newsletter Illustration

Ja, die beiden Bundesminister Johann Wadephul und Alexander Dobrindt legten streng genommen keine juristischen Beweise vor, aber die Herleitung war schlüssig und die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft laufen weiter.

Wer sich für die Details der Umsetzung des Maßnahmenpakets interessiert, stößt in der Bundesregierung auf eine Mauer des Schweigens. Nach ihren Statements marschierten die Minister ohne Fragen zu beantworten aus dem Saal. Aber wie kann man Russlands Schattenflotte stärker ins Visier nehmen und was heißt, man wolle die Einreise von Russen schärfer kontrollieren? Mein Kollege Jo Angerer hat dazu recherchiert.

Der lange Abschied vom „Russischen Haus“

Russisches Haus / Friedrichstraße

Das „Russische Haus“ in Berlin ist schon lange umstritten – bald ist endlich Schluss © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Wer im „Russischen Haus“ schräg gegenüber unserer Redaktion gerne Pelmeni und Borscht gegessen hat, muss sich demnächst einen neuen Mittagstisch suchen. Der achtgeschossige Klotz mit 29.000 Quadratmetern Bürofläche muss schließen. Für westliche Geheimdienste gilt der unübersichtliche Bau schon lange als dubioses Geheimdienst-Nest, in das durch zahlreiche Nebeneingänge Gestalten huschen, die wenig mit dem offiziellen Kulturangebot zu tun haben.

Mit Richtmikrofonen kann man übrigens nicht nur unsere Redaktionskonferenz prima abhören, sondern auch die Büros von Digitalminister Karsten Wildberger, der direkt neben dem Russischen Haus seinen neuen Dienstsitz hat.

Da wir in einem Rechtsstaat leben, wurde das Russische Haus nicht von der Polizei umstellt, sondern der Vertrag soll ordnungsgemäß gekündigt werden. Der nächstmögliche Zeitpunkt ist der 7. Juni 2027.

Bei der Schließung des einzig verbliebenen russischen Generalkonsulats geht es schneller. Die Einrichtung in der Bonner Waldstraße wird zum 18. September – wie schon die Konsulate in Frankfurt, Hamburg, Leipzig und München – dichtgemacht.

Was macht Putin?

Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit

Wie wird Wladimir Putin auf die Sanktionen gegen Russland reagieren? © Pyotr Kovalev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa | Pyotr Kovalev

Die große Frage in der Hauptstadt lautet jetzt: Wie wird Wladimir Putin reagieren? Welche Eskalationsmöglichkeiten gibt es auf russischer Seite? Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrates und ehemaliger russischer Präsident, hat Deutschland mit roher Gewalt gedroht.

„Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik“, schrieb der für seine scharfen Äußerungen bekannte Kremlpolitiker bei Telegram. Er meint Rüstungsbetriebe, die für die Ukraine arbeiten – und „durchaus auch einige andere Orte in Berlin“. So krass wird es sicher nicht kommen, aber Berlin ist auf weitere unangenehme Reaktionen vorbereitet.

Düster sieht es für das deutsche Goethe-Institut aus, das schon lange von der russischen Regierung drangsaliert wird. Meine russischsprachige Kollegin Alina Juravel war direkt nach der Ankündigung der Regierung im Russischen Haus und schreibt hier auf, wie dort die Stimmung war.

Jörg Quoos.

Jörg Quoos.

Sie interessieren sich für politische Hintergründe und wollen wissen, was in der Hauptstadt hinter verschlossenen Türen passiert? Dann ist der Newsletter „Hauptstadt Inside“ von Jörg Quoos, dem Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, genau das Richtige für Sie. Dreimal pro Woche fasst er zusammen, was Sie wissen müssen – und ordnet die Geschehnisse ein. Hier können Sie sich anmelden.

E-Autos falsch berechnet?

Die Frage Verbrenner oder Elektroantrieb beim Auto wird in der Politik leider ideologisch und wenig pragmatisch diskutiert. Die Debatte läuft im Grunde entlang der Parteilinien und entsprechend erwartbar und verhärtet. Die Grünen würden am liebsten den Verbrenner verbieten, die AfD das Elektroauto, um es zugespitzt zu formulieren.

Wissenschaftler der renommierten Technischen Universität München bringen mit einer aufsehenerregenden Studie jetzt neue Aspekte in die Debatte. Sie kritisieren, dass die Klimavorgaben der EU nur direkt am Auspuff messen. Emissionen, die bei der Produktion von E-Autos bei Batterien und Karosserien anfallen, bleiben unberücksichtigt.

Daher sei es falsch, dass E-Autos in Brüssel als hundert Prozent klimaneutral gelten. Nach Berechnungen der Forscher müsste man bei Zugrundelegung des gesamten Lebenszyklus eine CO2-Ersparnis von 41 Prozent ansetzen, was ich immer noch beachtlich finde.

Auch ich frage mich, ob unsere alte Familienkutsche mit Dieselantrieb einem E-Auto weichen muss. Aber wie sehr hilft es dem Klima, wenn ich mit einem neuen, aufwändig produzierten E-Auto durch Berlin fahre und der alte Volvo die nächsten zehn Jahre als Gebrauchtwagen in Afrika weiternagelt? Das werde ich die Forscher der TU München jetzt mal fragen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche mit klugen Entscheidungen,

herzlich, Ihr

Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Sie haben Kritik oder Anmerkungen? Schreiben Sie mir gerne eine Nachricht.

Wie gefällt Ihnen dieser Newsletter? 👉 Jetzt an unserer kurzen Umfrage teilnehmen!