Nach schwierigem Sommer: Gesellschafter des SC Riessersee starten Aktion
StartseiteLokalesGarmisch-PartenkirchenGarmisch-Partenkirchen OrtStand: 02.09.2026, 13:59 UhrKommentareUns auf Google folgenZusammenhalt ist gefragt: Die Fans des SC Riessersee müssen ihren Verein weiter unters...
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Stand: 02.09.2026, 13:59 Uhr
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Harter Sommer: Gesellschafter des SC Riessersee sorgen für klare finanzielle Verhältnisse und starten Aktion, um Etatloch zu stopfen.
Garmisch-Partenkirchen – Der Eisberg schmilzt. Das hatte der SC Riessersee vor einem Jahr verkündet. Doch was vor der Saison 2025/26 nach Aufbruch klang, ist eine Spielzeit später Makulatur. Die neuen Gesellschafter mussten im Frühjahr feststellen, dass sie einen Verein übernommen hatten, bei dem neben den Altlasten von 180.000 Euro auch noch neue Schulden hinzugekommen waren. In Summe offenbar rund 190.000 Euro. Rechnungen waren aufgetaucht, Zahlungen wurden fällig, die vergangene Saison riss ein zusätzliches Loch in die Kasse. Der SCR stand plötzlich wieder vor einem Sommer, in dem es nicht um große Visionen ging – sondern ums Aufräumen, Zahlen und Überleben.
Schlechte Saison sorgt für sattes Minus beim SC Riessersee
Markus Kunzendorf, Dr. Martin Fleckenstein, Sebastian Wühr, Dirk Bendl und Steffen Gumprecht traten im vergangenen Dezember an, um ihren SCR in eine sorgenfreie Zukunft zu führen. Ihr Gesellschafterkreis löste den Förderverein ab, der nur noch auf dem Papier bestand. Genau dieser Umstand machte den Neustart so schwierig. „Wir haben diese Firma gekauft, ohne dass es einen Verkäufer gegeben hat“, betont Wühr. Eine sorgfältige und detaillierte Finanz- und Risikoprüfung sei aus seiner Sicht kaum möglich gewesen. Und so mussten die neuen Gesellschafter schnell feststellen: Jeder Euro muss umgedreht werden. „Nach und nach sind immer mehr Ausstände aufgekommen.“

Verschärft wurde die Situation durch eine der sportlich schlechtesten Saisons der Vereinsgeschichte. Der Trainerwechsel, diverse Nachverpflichtungen und ein neuer Geschäftsführer zum 1. Januar waren im Budget nicht eingepreist. So kam ein mittleres bis hohes fünfstelliges Minus zusammen. Im April forderten dann auch noch diverse Behörden und Firmen, dass aufgeschobene Zahlungen beglichen werden. Seit Jahresbeginn summierten sich neue Verbindlichkeiten auf besagte 190.000 Euro. Mit den Altlasten eine Melange aus den Hinterlassenschaften des vergangenen Jahrzehnts, als der Club teilweise mit aller Macht den Aufstieg forcieren wollte und ausstehenden Sponsorenzahlungen. „Der eine oder andere hat in den vergangenen zehn Jahren auch einfach den Überblick verloren“, meint Bendl. Auf den früheren Geschäftsstellenleiter Sebastian Ziener und den ehrenamtlichen Geschäftsführer Andreas Wieland wollen alle Beteiligten nichts kommen lassen: „Die waren auch überfordert. Das ist ja nicht nur in den vergangenen zwei Jahren passiert“, betont Wühr.
Gesellschafter ordnen Verbindlichkeiten
Mit vereinten Kräften und vielen schlaflosen Nächten wurde die Summe aufgetrieben. Zudem wurde mit der Berufsgenossenschaft – dem Unfallversicherer der Profis – eine Stundungsvereinbarung über die noch offenen 200.000 Euro getroffen. 15.000 zahlt der Verein fortan monatlich zurück, der restliche Betrag muss bis Ende des Jahres beglichen werden. „Damit sind die übernommenen Verbindlichkeiten geordnet und für die kommenden Monate klar strukturiert“, betont Kunzendorf. Bendl ergänzt: „Es gibt keinen, der auf Geld vom SCR wartet und nicht weiß, was los ist.“
Wir machen es auf die Art und Weise oder gar nicht. Ich muss weiter in den Spiegel schauen können.
Damit stellten die Gesellschafter sicher, dass der Verein die Lizenz für die anstehende Spielzeit erhält. Für die fünf Unternehmer ist das der erste Schritt, um den Verein in eine gesunde Zukunft zu führen. Das ist ihnen wichtig: Sie alle leben in der Region und stehen nun mit ihrem Namen für den SCR ein. Deshalb gehen sie transparent mit der derzeitigen Lage um. „Wir machen es auf die Art und Weise oder gar nicht. Ich muss weiter in den Spiegel schauen können“, erklärt Wühr.
Wichtige Sponsoren springen ab
So wollen sie das Vertrauen, das der SCR in Garmisch-Partenkirchen in der Vergangenheit verloren hat, Schritt für Schritt zurückgewinnen. Das geht nicht von heute auf morgen. Beim gemeinsamen Putztag, den die Gesellschafter vergangene Woche ausgerufen hatten, um das Stadion für die Saison auf Vordermann zu bringen, beteiligten sich drei Fans. Ernüchternd – zumal die Gesellschafter bereits erlebt haben, was möglich ist, wenn die Riesserseer die Euphorie packt: Das Vorbereitungsturnier des SCR war ein Erfolg, brachte 10.000 Euro ein. „Die Arbeit, die du reinsteckst, da kommt auch was raus.“
Dafür braucht es allerdings viele helfende Hände. „Dadurch, dass wir das Frühjahr gebraucht haben, um die alten Geschichten aufzuarbeiten, haben wir keine Zeit gehabt, uns um Sponsoren zu kümmern“, erzählt Kunzendorf. „Das machen wir jetzt.“ Einige Sponsoren wie die DB Regio (eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn) und die Deutsche Post – beide waren fünfstellig beteiligt – verlängerten ihr Engagement nicht. Im Sponsoringbudget für das laufende Jahr klafft noch eine Lücke von 125.000 Euro. Diese zu schließen, ist ein wichtiges Ziel, um den Etat von 1,6 Millionen Euro für die anstehende Saison vollständig auszugleichen.
SCR ruft Aktion „50 Unternehmen – eine besondere Chance!“ aus
Gemeinsam mit Kreitl entwickelten die fünf Gesellschafter deshalb einen Plan und rufen die Aktion „50 Unternehmen – eine besondere Chance!“ ins Leben. Für ein Sponsoring von jeweils 2.000 Euro erscheinen Unternehmen bei den SCR-Heimspielen auf der Videowall und zeitgleich bei den SpradeTV-Übertragungen. Zudem landen sie in einem Lostopf. Der glückliche Gewinner erscheint für den Rest der Saison auf der prominentesten Werbefläche des Vereins: der Brust des SCR-Trikots.
Damit verfolgen die Gesellschafter gleich zwei Ziele: Auch kleinere und mittelständische Unternehmen aus dem Oberland erhalten die Möglichkeit, den Traditionsverein zu unterstützen. Gleichzeitig verteilen Kunzendorf, Fleckenstein, Wühr, Bendl und Gumprecht die finanzielle Zukunft des Clubs auf möglichst viele Schultern. „Mit diesem Konzept sind wir angetreten, um die Fehler aus der Vergangenheit zu eliminieren“, verdeutlicht Wühr. Das eingebrachte Geld soll ausschließlich in laufende Kosten fließen, nicht in neue Nachverpflichtungen. Auch bereits bestehende Sponsoren können sich an der Aktion beteiligen.
SCR verfolgt ein großes Ziel
Aus einer Sache haben die Gesellschafter nie einen Hehl gemacht: Sie sind nicht diejenigen, die einen großen Geldkoffer im Eisstadion abliefern. Stattdessen wollen die Unternehmer mit ihrem Wissen und ihrem Netzwerk anpacken. „Wer hier Gewinne einfahren will, steigt mit der vollkommen falschen Einstellung als Gesellschafter ein“, meint Wühr. „Das ist Leidenschaft, ein bisschen Wahnsinn – man macht das nur, damit der SCR weiterlebt.“
Das ist das Ziel, das Spieler, Trainer, Geschäftsführer, Fans und Gesellschafter eint: Der SCR soll in Garmisch-Partenkirchen eine Zukunft haben. Dafür braucht es keine großen Versprechen, sondern viele Menschen, die mit anpacken. Wühr sagt: „Wir ziehen den Karren aus dem Dreck. Und je mehr da mitziehen, desto besser wird es. Die Leute müssen wir finden.“