Mayers Buchladen droht das Aus – Freunde starten Rettungsaktion
StartseiteRegionMain-Kinzig-KreisStand: 21.07.2026, 13:43 UhrKommentareUns auf Google folgenKämpft um seine Existenz: Matthias Mayer in seiner Buchhandlung „Herrn Mayers Buchladen“. © Detlef SundermannDer Inhab...
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Stand: 21.07.2026, 13:43 Uhr
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Der Inhaber kämpft seit zwei Jahren mit Budgetknappheit, die Bank macht Druck. Am 15. August steigt eine Familienfeier im Laden – alle Einnahmen fließen in den Erhalt.
Langenselbold – Herrn Mayer geht es schlecht – genauer, seinem „Buchladen“. Bücher sind Kulturgut und damit die Geschäfte auch, in denen man sie kaufen kann. Aber im Fall von Herrn Mayer geht es nicht allein um die Pflege einer Institution in Langenselbold. Es geht um die Rettung von dem Aus, vielleicht noch in diesem Jahr. Er hat jedoch gute Freunde und die haben eine gute Idee.
Das Sortiment breitet sich locker auf zwei Räume aus. Eine Wand ist unübersehbar tapeziert mit Covern etwa von „Captain America“, „Thor“ und „Iron Man“, daneben eine gerahmte Autogrammkarte von Ilja Richter in jungen Jahren mit persönlicher Widmung, die mit „für Matthias“ endet. „Unter Kundenknappheit leidet der Laden nicht, aber an Budgetknappheit“, sagt Mayer. Zu wenig Geld, um das Sortiment auszuweiten. Auf der anderen Seite bestehe ein Sortimentsüberschuss – zu viele Bücher ohne Interessenten. Die Situation herrscht bereits seit zwei Jahren. „In diesem Jahr läuft es besonders schlecht“, sagt Matthias Mayer. Die Bank mache bereits Druck. Obendrein habe er in der „Vergangenheit nicht immer die klügsten Entscheidungen“ getroffen.
„Ich bin kein Zahlenmensch“, sagt der gelernte Buchhändler, der das Geschäft als Inhaber seit sieben Jahren betreibt. Zum Personal des zweifachen Vaters zählt eine Aushilfe. In dem Laden absolvierte der 56-Jährige seine Ausbildung, und er war dort fast zwei Jahrzehnte als Angestellter tätig. Seinerzeit firmierte das Geschäft unter dem Namen Borchers.
Mit der Chef-Werdung war jedoch „nichts mehr so wie vorher“, wie Mayer 2019 in einem Interview mit dem „Börsenblatt“ sagte. Seine Chefin habe er nun als Aushilfe weiterbeschäftigt. „Außerdem demütige ich sie, indem ich der originellere Geschäftsführer sein will: Mein Sortiment ist originell, meine Werbemaßnahmen sind originell, sogar meine Auffassung von Buchhaltung und Sorgfalt ist originell. Zumindest darin habe ich mich nicht verändert: All meine Schwächen habe ich behalten, aber ich trage sie nun wie eine Auszeichnung. Denn jetzt bin ich die Chefin“, sagt Mayer dem Magazin im satirischen Unterton, denn er führt seit vielen Jahren ein Parallelleben etwa als Miet-Kabarettist und als Kolumnist „Messe-Mayer“, wenn er von der Buchmesse in Frankfurt oder Leipzig berichtet.
Große Auswahl an Sachbüchern und Comics
Dass eine Kleinstadt wie Langenselbold mit rund 14.500 Einwohnern zwei Buchhandlungen zu bieten hat, ist bemerkenswert. „Herrn Mayers Buchladen“ und das gar nicht so weit entfernte „Bücher-Meer“ sehen sich zudem überhaupt nicht als Konkurrenten, heißt es. „Wir unterscheiden uns sehr im Kundenkreis“, sagt Mayer. Beim Bücher-Meer „gibt es viel Hübsches, bei mir eine gute Auswahl an Comics“, sagt er. Nicht wenige Kunden sollen um den Erhaltenswert der beiden lokalen Buchhandlungen besorgt sein und „gehen mal hier, mal dort kaufen“, heißt es.
Zum Inhaberdasein gehört für Mayer nicht nur etwa das Auspacken von Bestellungen und deren Verkauf, auch das stete Buhlen um die Kundschaft. Hierfür nutzt er rege die großen Schaufenster, etwa für thematische Titelpräsentationen. Aktuell die Fußball-WM. Gut, das Geschäft dürfte ihn die Nagelsmann-Elf etwas versaut haben.
„Wer in Langenselbold ein Kind kriegt, erhält automatisch einen Gutschein zum Einkauf in den beiden Buchhandlungen“, sagt Mayer. Lesungen oder die seit fünf Jahren bestehende Reihe „Lesen für Limo“ sollen zudem Bindung schaffen. Zwei Gäste und Mayer auf der Bühne stehen im Wettstreit: Wer am besten die Texte liest, die das Publikum spontan dabei hat, gewinnt, eine Limo.
„Im Neubaugebiet müsste ich mal ein Plakat kleben lassen“, fällt ihm spontan ein. Viele Neubürger wüssten vielleicht nicht, dass es in der Stadt zwei Buchläden gibt und orderten deshalb ihre Leseware bei Amazon. Und man müsste ihnen darauf mitteilen: „Amazon ist nicht billiger und nicht schneller.“ Der Buchhandel habe sich zur Übernachtlieferung verpflichtet, wenn der Titel lieferbar sei, betont Mayer. „Meine Säule sind Stammkunden mit Bestellwünschen“, sagt Mayer.
Aber auch wegen seiner leidenschaftlichen Beratung, vor allem bei Comics und Sachbuch, suche man ihn auf. Einen Kunden zu verlieren, ist für Mayer jedoch nicht schlimm, wenn er denn in einer anderen Buchhandlung kaufen und nicht an Amazon verloren geht. Der US-Versender erdrücke den stationären Handel in vielen Bereichen. „Immerhin werden wir noch gut von der Politik behandelt, mit Buchpreisbindung und dem Status Kulturgut“, sagt er über seine Branche.
Versandriese Amazon erdrückt stationären Buchhandel
Damit „Mayers Buchladen“ nicht verschwindet und Herr Mayer sein Haupteinkommen allein aus dem Kabarettisten- und Fachjournalistendasein bestreiten muss, wird nun die Idee der Freunde verwirklicht, das Crowdfunding-Projekt „Keine Feier ohne Mayer“.
Die Familienfeier zur Rettung steigt am Samstag, 15. August, im Buchladen. Von 14 bis 20 Uhr wird ein großes Programm geboten. Eine Tombola gibt es auch. „Alle Einnahmen aus dem Erlös der Veranstaltung dienen unmittelbar dem Erhalt von Herrn Mayers Buchladen“, heißt es von Maike Bäumer vom Organisationsteam. Laut Mayer hat auch das Kulturamt seine Unterstützung zugesagt und Bürgermeister Wolfgang Rittershauß (SPD) werde zur Eröffnung sprechen.