Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt?

Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt? Auch nach Rückzug der Spitzenkandidatur Kai Wegners ist die Diskussion über den „Tennisgate-Skandal“ in der Berliner CDU noch nicht beendet. ...

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Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt?

Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt?

Auch nach Rückzug der Spitzenkandidatur Kai Wegners ist die Diskussion über den „Tennisgate-Skandal“ in der Berliner CDU noch nicht beendet.

Kai Wegner (links) und Friedrich Merz (rechts) schütteln sich die Hände
Hier haben Kai Wegner und Friedrich Merz wohl wirklich miteinander geredet, allerdings im Januar 2023

Foto: Stefan Boness/Ipon

Jonas Wahmkow

Während Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) am Montag offiziell vom Landesvorstand als neuer Spitzenkandidat für die kommende Abgeordnetenhauswahl im September nominiert werden soll, ist die Aufarbeitung des Tennisgate-Skandals um Kai Wegner noch nicht abgeschlossen. Noch immer ist unklar, ob der Regierende Bürgermeister am 4. Januar, dem Tag nach dem längsten Stromausfall der Nachkriegszeit, wie behauptet mit Bundeskanzler Friedrich Merz telefonierte.

Ein Sprecher der Bundesregierung wies am Samstagabend darauf hin, dass nicht sämtliche Gespräche und Telefonate des Kanzlers erfasst und auch üblicherweise nicht dokumentiert würden. „Im Übrigen ist dem Bundeskanzler ein solches Telefonat nicht erinnerlich.“ Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Damit bestätigte der Sprecher einen Bericht des Tagesspiegels vom Freitag. Darin heißt es, in dem Verfahren „wird mitgeteilt, dass, soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Wegner, geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch“.

Zuvor hatte das Bundeskanzleramt monatelang zu der Frage geschwiegen, ob das Telefonat tatsächlich stattgefunden habe. Der Tagesspiegel erwirkte durch ein presserechtliches Eilverfahren die Herausgabe der Informationen. Die Veröffentlichung erhärtet den Verdacht, Bundeskanzler Merz habe Wegner monatelang gedeckt.

Aussage gegen Aussage

„Die Causa Wegner ist auch eine Causa Merz“, kommentiert die ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast auf dem Kurznachrichtendienst Bluesky. „Der Bundeskanzler hat monatelang die Lüge gedeckt, dass Wegner mit ihm telefonierte zwecks Krisenmanagement.“

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Die Berliner Senatskanzlei bleibt hingegen bei ihrer Aussage, der Regierende Bürgermeister Kai Wegner habe schon zu Beginn des mehrtägigen Stromausfalls mit Bundeskanzler Friederich Merz (beide CDU) telefoniert. Das Gespräch fand laut Senatskanzlei am 4. Januar um 19.57 Uhr statt – einen Tag nachdem im Bezirk Steglitz-Zehlendorf der Strom durch einen Brandanschlag einer mutmaßlich linksextremistischen Gruppe auf eine oberirdische Leitung ausgefallen war. Das Telefonat mit Merz habe vier Minuten gedauert, erklärte ein Sprecher. Der Bundeskanzler habe Wegner an diesem Abend zurückgerufen.

Die widersprüchlichen Aussagen prägen die jüngste Entwicklung des Skandals, der mit einem Bericht des RBB im Januar begann. Entgegen seiner Behauptung, sich zu Hause eingeschlossen und „den ganzen Tag telefoniert“ zu haben, spielte Wegner mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (ebenfalls CDU), Tennis. In den darauf folgenden Monaten gab es immer neue Recherchen, bei denen Wegner der Lüge überführt wurde und mehrfach Details zu seinem Tagesablauf korrigieren musste. Zuletzt ging es darum, ob Wegner vor dem Tennismatch tatsächlich mit dem Krisenstab telefonierte und ob ein Gespräch mit dem Bundeskanzler überhaupt stattfand.

Nach den jüngsten Enthüllungen des Tagesspiegels am Dienstag verkündete Kai Wegner auf einer Pressekonferenz am Freitag seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur. „Ich kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu übermitteln, weil alles andere das überlagert“, sagte der Regierende Bürgermeister. Daraus ziehe er mit dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur zur Wahl im September Konsequenzen. Auch den Sitz des Landesvorsitzes gebe er auf. Das Amt des Regierenden Bürgermeisters werde Wegner aber bis zur Wahl behalten.

Schwarzer Sumpf

Auch abseits des Tennisgate-Skandals verlief Wegners dreijährige Amtszeit eher holprig. Maßgeblich zu seinem Rücktritt von der Spitzenkandidatur dürfte auch die Fördergeld-Affäre beigetragen haben. Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Antisemitismus haben Par­tei­kol­le­g:in­nen nach Gutdünken Fördermittel in Millionenhöhe verteilt. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft unter dem Verdacht der schweren Untreue gegen die ehemalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson, die infolge des Skandals zurücktreten musste.

„Kai Wegner und die CDU haben mit ihrem Handeln der Stadt und der Demokratie in Berlin und weit darüber hinaus einen großen Schaden zugefügt“, kommentierte der grüne Spitzenkandidat Werner Graf Wegners Rückzug. (mit dpa)

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