Lindsey Graham verstorben: Ein Republikaner alter Schule

Lindsey Graham verstorben: Ein Republikaner alter Schule Mit 71 Jahren ist der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham verstorben. Für US-Präsident Trump war er Freund und Feind zugleich. ...

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Lindsey Graham verstorben: Ein Republikaner alter Schule

Lindsey Graham verstorben: Ein Republikaner alter Schule

Mit 71 Jahren ist der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham verstorben. Für US-Präsident Trump war er Freund und Feind zugleich.

Lindsey Graham
US-Senator Lindsey Graham hatte ein ambivalentes Verhältns zu US-Präsident Trump

Foto: Greg Nash/Pool The Hill/ap/dpa

Sebastian Moll

Als Lindsey Graham während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 bei einer Kundgebung in seinem Heimatstaat South Carolina für Donald Trump werben wollte, wurde seine Rede von Trumps Anhängern durch laute Buhrufe erstickt. Trump selbst musste intervenieren, in dem er auf die Bühne trat und Graham verteidigte: „Er ist einer der Guten“, sagte Trump seiner MAGA-Gefolgschaft. „Wir brauchen ihn, um die liberalen Stimmern zu holen.“

Der Augenblick charakterisiert trefflich das Verhältnis zwischen Trump und dem altgedienten und einflussreichen republikanischen Senator, der am vergangenen Samstag im Alter von71 Jahren an plötzlichem Herzversagen starb. Das New York Magazine nannte die beiden einmal „Frenemies“ – eine Mischung aus Freund und Feind. Trump brauchte Graham und umgekehrt. Wirklich warm miteinander wurden die beiden jedoch nie.

Graham, der als Sohn eines Barbesitzers im ländlichen South Carolina aufwuchs und Jurist wurde, war eines prominentesten Gesichter der republikanischen Partei. Er wurde bereits 1994 ins Repräsentantenhaus gewählt, seit 2002 vertritt er seinen Staat, einen klassischen „roten“ Staat, im Senat. Und auch bei der anstehenden Senatswahl im kommenden November galt er wieder als sichere Bank für seine Partei. Er gewann die Vorwahlen überlegen und lag in allen Umfragen vor seiner demokratischen Herausforderin Annie Andrews.

Dabei war Lindsey Graham ein Republikaner alter Schule. Er war immer einer, der bereit war, mit den Kollegen der anderen Seite zu reden. In seiner Arbeit im Rechtsausschuss und im Haushaltsausschuss konnten die Demokraten bis zu Trumps Amtsantritt 2016 darauf zählen, dass man mit ihm verhandeln kann. Einer seiner engsten Freunde und Verbündeten im Parlament war John McCain, der 2008 gegen Barack Obama antrat und der sich zum Teil gegen den Widerstand der Partei stets darum bemühte, den Wahlkampf zivilisiert zu halten.

Plötzlicher Verbündeter

Noch 2016, als Graham selbst gegen Trump antrat, nannte er diesen einen „rassistischen, verlogenen, fremdenfeindlichen Heuchler“. Eine seiner Positionen war eine sinnvolle Einwanderungspolitik, die dem Bedarf der USA an fremder Arbeitskraft Rechnung trägt. „Wenn wir nicht, wie der oberste Bundesrichter Strom Thurmond, noch mit 67 bereit sind, Kinder zu zeugen, brauchen wir ein vernünftiges Einwanderungsgesetz“, witzelte er im Wahlkampf.

Nach Trumps Wahlsieg wurde Graham jedoch plötzlich zu einem engen Verbündeten von Trump. Die beiden wurden regelmäßige Golfpartner, und Graham nannte Trump mehrfach den „einzigen Mann, der dieses Land retten kann“. Im Senat wurde Graham zu einem von Trumps wichtigsten Verbündeten. Er half ihm, im Rechtsausschuss Hunderte von Richterposten mit Trump Anhängern zu besetzen. Er war der feurigste Verteidiger des obersten Bundesrichters Brett Kavanaugh, der vor seiner Nominierung der sexuellen Gewalt gegen mehrere Frauen beschuldigt wurde. Und er half Trump mehrfach, seinen Haushalt gegen demokratische Widerstände durchzuboxen.

Trotzdem wurde das Verhältnis noch einmal brüchig. Als Trump 2020 den Wahlsieg von Joe Biden nicht akzeptieren wollte, distanzierte sich Graham von ihm und kritisierte lautstark die Attacke auf das Kapitol am 6. Januar 2021. Nachdem Trump 2024 wiedergewählt wurde, schien das alles jedoch wieder vergessen zu sein.

Außenpolitische Positionen

Zuletzt tat sich Graham entgegen von Trumps „America First“-Politik als Befürworter amerikanischer militärischer Interventionen hervor. Er machte sich für die Unterstützung der Ukraine stark und hatte schon lange ein militärisches Vorgehen im Iran propagiert. Sowohl Wolodymyr Selenskyj als auch Benjamin Netanjahu gehörten deshalb auch zu den ersten Kondolanten.

Nachdem Mitch McConnell wegen gesundheitlicher Probleme seit Wochen abgetaucht ist, ist Grahams Senatssitz nun vermutlich der zweite republikanische Sitz, der noch vor der Zwischenwahl vakant wird. Die Hoffnung, dass eine DemokratIn ihn beerben könne, ist in South Carolina jedoch gering.

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