Landkreis Verden belegt Platz 10 bei Balkonkraftwerken in Deutschland
Der Landkreis Verden hat unter 400 deutschen Landkreisen den zehnten Platz bei der Dichte von Balkonkraftwerken erreicht. Mit 28,9 Anlagen pro 1.000 Einwohner liegt die Region deutlich über dem Bundesschnitt von 16,9.
- 4 min read
Stand: 22.07.2026, 06:30 Uhr
Kommentare

Der Landkreis Verden hat unter 400 deutschen Landkreisen den zehnten Platz bei der Dichte von Balkonkraftwerken erreicht. Mit 28,9 Anlagen pro 1.000 Einwohner liegt die Region deutlich über dem Bundesschnitt von 16,9.
Verden/Achim – Sie produzieren Strom für den Hausgebrauch, sie sind selbst dann erschwinglich, wenn nur ein kleines Budget zur Verfügung steht. Die Balkonkraftwerke. Jetzt hat der Landkreis Verden in diesem trendigen Marktsegment eine erstaunliche Karriere absolviert. Unter 400 Landkreisen in Deutschland belegt die Region Achim/Verden einen bemerkenswerten zehnten Platz. Das teilt der Brancheninfodienst „balkon-kraft-werke.de“ mit. In diesem Sommer sei eine nächste Hürde genommen, die Marke von 4.000 registrierten Minianlagen sei kreisweit überschritten worden. „Zumindest tagsüber möchte ich den Verbrauch der Dauerbetriebler wie Kühlschrank und Computer abfangen“, sagt einer der frischgebackenen Eigentümer.
Zu Vergleichszwecken hat der Branchendienst die Anzahl der Balkonkraftwerke auf je 1.000 Einwohner umgerechnet. Der Landkreis Verden kommt demzufolge auf 28,9 und liegt damit deutlich über dem Bundesschnitt (16,9) und über dem niedersächsischen Mittelwert von 22,5. In der Tabelle der 400 Regionen befinden sich zwar zwei bayerische Landkreise unter den Top 3, aber auf den folgenden Rängen wird das Bild stark vom Raum zwischen Nordsee und Harz beherrscht. In der näheren Umgebung glänzt vor allem Celle mit 30,5 Anlagen. Die umliegenden Landkreise Osterholz (27,9), Heidekreis (25,1), Rotenburg (24,9), Nienburg (23,1) und Diepholz (22,3) folgen auf den Rängen hinter Verden. Weit abgeschlagen Bremen, wo die Anlagendichte bei 11,0 liegt.
Alles ein wichtiger Schritt zur Energiewende? Oder doch nur eine schöne Spielerei? Die Stromversorger bleiben gelassen. Der Verdener Stadtwerke-Geschäftsführer Dirk Gabriel bringt Zahlen ins Spiel. „Die Balkonkraftwerke, die in Verden registriert sind, erzeugen rund eine halbe Million Kilowattstunden im Jahr. Der Stromverbrauch der Haushalte der Stadt liegt aber bei 50 Millionen“, sagt er. „Das heißt, ein Prozent des Bedarfs wird über die Minianlagen gedeckt.“ Um wirklich die Energiewende zu schaffen, bedürfe es ganz anderer Investitionen. „Die Balkonkraftwerke reißen uns nicht raus.“
Für den einzelnen könne es sich lohnen, ergänzt Gabriel, vor allem, wenn tagsüber Strom gebraucht werde, dann also, wenn die Sonne scheine. „Die meiste Energie wird allerdings abends benötigt“, so der Stadtwerke-Chef weiter. Ein Stromspeicher schaffe hier Abhilfe, aber der verteuere das private Photovoltaik-Projekt erheblich. „Die Module kommen auf einen Preis in der Regel ab 500 Euro, die Akkus beginnen bei 1.500 Euro.“ Auf einen generellen Nutzungsgrad der Sonnenenergie wolle er sich nicht festlegen, das sei individuell zu unterschiedlich. Der Branchendienst „balkon-kraft-werke.de“ geht von 35 Prozent des erzeugten Stromes aus, der tatsächlich beim Erzeuger verbleibt. Der Rest werde ins Netz eingespeist und damit nur schwach vergütet. Mit einem zusätzlichen Speicher könne die Effizienz auf rund 80 Prozent gesteigert werden. Je nach Lage und Ausstattung dauere es drei bis sieben Jahre, ehe sich die Investition amortisiert habe. Wegen der langen Nutzungsdauer von 20 Jahren könne mit einer Ersparnis von mehreren Tausend Euro gerechnet werden.
Nach aktuellem Stand von „balkon-kraft-werke.de“ sind im Landkreis Verden 4.013 Anlagen angemeldet, das ergebe die Auswertung des Marktstammdatenregisters. Am stärksten gewachsen sei dieser Bereich der erneuerbaren Energien vor zwei Jahren mit 1.260 installierten Modullösungen. Vergangenes Jahr verlangsamte sich das Tempo geringfügig mit 1.189 Anlagen, im laufenden Jahr sind es bisher 553 Neuinstallationen. Kreisweite Photovoltaik-Hochburg ist den Angaben zufolge Achim (872) vor Verden (676), Oyten (532), Langwedel (496) und Kirchlinteln (342).
Der kleine Haken an diesen Zahlen: Es ist die Untergrenze. „Nicht jede Anlage wird im Register angemeldet“, räumt Marcel Klaczinski von „balkon-kraft-werke.de“ ein. Er gehe inzwischen davon aus, dass nur jeder zweite dieser kleinen Energieerzeuger den Weg in die digitale Übersicht schaffe. „Im Landkreis Verden dürften 8.000 und mehr Kleinkraftwerke in Betrieb sein.“
Die erstklassige Platzierung der Region habe Ursachen, wie Klaczinski weiter feststellt. „Dass Verden es in die bundesweiten Top 10 schafft, zeigt: Eine gute lokale Energieberatung zahlt sich messbar aus.“ Er verweist besonders auf die eigene Energieagentur „kleVer“, die sich der Landkreis leiste. „Hier stehen eine kostenlose Beratung zur Verfügung und ein Solaratlas, der auch über Steckersolar informiert.“