Russland provoziert Deutschland, der russische Finanzminister parliert in den USA: wieso Sanktionen nicht funktionieren
Deutschland will Russland stärker zur Verantwortung ziehen – und Donald Trumps Regierung spricht in den USA mit dem russischen Finanzminister über Zusammenarbeit im internationalen Finanzsystem. Wenn Sanktionen wirken sollen, müssen sie gezielter und konsequenter eingesetzt werden.
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Deutschland protestiert, und der russische Finanzminister parliert in den USA: So funktionieren Sanktionen nicht
Deutschland will Russland stärker zur Verantwortung ziehen – und Donald Trumps Regierung spricht in den USA mit dem russischen Finanzminister über Zusammenarbeit im internationalen Finanzsystem. Wenn Sanktionen wirken sollen, müssen sie gezielter und konsequenter eingesetzt werden.
02.09.2026, 13.58 Uhr
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Russlands langjähriger Finanzminister Anton Siluanow hat in Asheville in den USA erstmals wieder am Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G-20-Staaten teilgenommen.
Sam Wolfe / Reuters
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Der Kremlherrscher Wladimir Putin will im Ukraine-Krieg nicht einlenken und intensiviert seine Provokationen gegen europäische Staaten. Die deutsche Regierung ist soeben zu dem Schluss gekommen, dass die auf dem Flughafen Leipzig entschärfte Kampfdrohne aller Wahrscheinlichkeit nach aus Russland stammt und ihr Einsatz auf die russischen Geheimdienste hinweist. Deutschland (und seine europäischen Verbündeten) will zeigen, dass es dies für inakzeptabel hält und darauf reagiert – aber nicht militärisch. Berlin weist russische Diplomaten aus und verschärft Sanktionen. Der ehemalige KGB-Spion Putin zeigt sich entrüstet.
Nicht einfach irgendwer
Ein paar tausend Kilometer weiter westlich parliert der russische Finanzminister Anton Germanowitsch Siluanow am G-20-Treffen der Finanzminister und Notenbanker in Asheville in den USA über Risiken im internationalen Finanzsystem und eine Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit. Dabei trifft sich der Russe auch mit dem um die Finanzierung der steigenden Schuldenlast besorgten amerikanischen Finanzminister Scott Bessent.
Siluanow ist nicht irgendwer. Er amtiert seit 2011 ununterbrochen als Finanzminister und Mitglied von Russlands Sicherheitsrat. Als er sich gut zwei Monate nach dem russischen Überfall auf die Ukraine letztmals im April 2022 per Video an ein G-20-Treffen zuschalten wollte, verliessen die europäischen und auch die amerikanischen Vertreter protestierend den Raum.
Die USA hatten kurz davor persönliche Sanktionen gegen Siluanow erlassen, die bis heute in Kraft sind. In der Begründung wird Siluanow als eine Person bezeichnet, die der engeren politischen Führung angehört und zentral ist für die Finanzierung von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Vermögen von ihm ist einzufrieren, amerikanischen Personen und Finanzinstituten ist es strikt untersagt, mit Siluanow in direkte oder indirekte Geschäftsbeziehungen zu treten.
Vier Jahre später scheint das die Regierung Trump nicht mehr gross zu kümmern. Siluanow mag kein Hardliner des russischen Regimes sein, weshalb die Europäer und die Schweiz interessanterweise gegen ihn auch, anders als die USA, keine persönlichen Sanktionen verhängt haben. Aber er ist zweifellos eine zentrale Figur bei der Finanzierung des russischen Staats.
Sanktionen wirken nur bedingt
Mit den persönlichen Sanktionen gegen führende Exponenten des Regimes wollte man diese dazu bringen, sich gegen Putins Krieg zu stellen. Die finanziellen Sanktionen waren dazu gedacht, Russland die Finanzierung seines Krieges auf Dauer zu verunmöglichen, indem man das Land vom internationalen Finanzsystem abschnürte.
Sanktionen sind ein Instrument, das wirtschaftliche Schmerzen verursachen muss, um den Gegner abzuschrecken und von einer (weiteren) kriegerischen Auseinandersetzung abzuhalten. Die Erfahrung mit den Ukraine-Sanktionen gegen Russland zeigt leider, dass sie weniger wirksam sind als erhofft.
In Putins Russland hat die Repression derartig brutale Ausmasse angenommen, dass offener Widerstand kaum mehr eine Option ist. Sanktionen immer breiter zu machen und damit primär auch die Teile des russischen Volkes zu bestrafen, die eigentlich der putinschen Diktatur gegenüber kritisch eingestellt sind und Sympathien für Europa hegen, wirkt vermutlich gar kontraproduktiv.
Zielführender sind Sanktionen, die die Fortführung und die Finanzierung des Kriegs erschweren. Doch das Problem ist, dass wichtige Teile der Welt sich diesen nicht angeschlossen haben und sie nur unzureichend umgesetzt werden. Mit zunehmender Dauer sinkt zudem ihre Wirkung, weil sich die betroffenen Wirtschaften entkoppeln.
Es braucht unmissverständliche Signale
Umso wichtiger wäre es nun, dem Kriegsherrn im Kreml unmissverständliche Signale zu senden: Die Nato-Länder inklusive der USA wollen ein Ende des völkerrechtswidrigen russischen Kriegs gegen die unabhängige Ukraine. Und sie wehren sich kollektiv gegen russische Provokationen. Um eine Fortsetzung und Ausweitung des Kriegs zu verhindern, müssen sie den Preis, den Putin dafür zahlt, so hoch treiben wie möglich. Die Finanzierung der Kriegsmaschinerie mit allen Mitteln zu erschweren, gehört zu den friedlichsten aller verfügbaren Mittel.
Das europäische Lavieren um Lieferungen von russischem Flüssiggas ist ebenso Teil des Problems und nicht der Lösung wie Donald Trumps ständige Avancen gegenüber seinem «Freund» im Kreml. Von den Europäern mehr Unterstützung im Iran-Krieg zu verlangen und gleichzeitig Deals mit einer russischen Regierung zu suchen, die unverhohlen Iran unterstützt, wirkt absurd.
Bessent soll Siluanow im bilateralen Gespräch mitgeteilt haben, dass für ihn eine aktive Zusammenarbeit erst nach der Beendigung des Ukraine-Kriegs wieder möglich sei. Das ist richtig. Doch die amerikanische Regierung täte besser daran, endlich auf eine harte Umsetzung der auf die russische Finanzierung dieses unsinnigen Krieges zielenden Sanktionen zu setzen. Statt in den USA über Zusammenarbeit zu sprechen, gälte es, unmissverständlich gegen die russische Schattenflotte vorzugehen.
Europa und die USA wollen eine friedliche internationale Zusammenarbeit mit Russland genauso wie mit China – aber erst, nachdem Putins Regime in einen Waffenstillstand und später einen Frieden mit der Ukraine eingewilligt hat. So aber werden Sanktionen zur Parodie.
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