„Toy Story 5“: Mit Witz und Charme müssen sich die Spielzeuge gegen Social Media behaupten

In der fünften „Toy Story“ müssen sich die Spielzeuge gegen die Übermacht von Social Media im Kinderzimmer wehren. Das hat immer noch Witz und Charme. In „Toy Story 5“ bekommen die Spielzeuge Konkur...

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„Toy Story 5“: Mit Witz und Charme müssen sich die Spielzeuge gegen Social Media behaupten

In der fünften „Toy Story“ müssen sich die Spielzeuge gegen die Übermacht von Social Media im Kinderzimmer wehren. Das hat immer noch Witz und Charme.

Buzz und Woody blicken durch die Lamellen eines Wandschranks auf Bonnie und ihre Mutter, wie sie über ein Display gebeugt auf dem Bett sitzen.
In „Toy Story 5“ bekommen die Spielzeuge Konkurrenz durch Bildschirme

Foto: The Walt Disney Company

Es geht um die Frage, wer man ist ohne Familie und Kinder, um die Sorge darüber, dass die eigene Ära zu Ende geht, und um die Abenteuer einer turbulenten, von Hindernissen geprägten Heimfahrt. Die Rede ist hier nicht von der „Odyssee“, sondern von „Toy Story 5“.

Tatsächlich wundert man sich, dass die antiwoke Rechte sich in den USA auf Christopher Nolan stürzte und nicht auf den dort bereits vor Wochen gestarteten neuesten Animationshit aus dem Hause Pixar. Denn obwohl Filme mit Pixar-Logo seit jeher eine Tendenz zu so „linksliberalen“ Ideen wie Gleichberechtigung und Respekt vor Minderheiten an den Tag legen, hat der vertraute „Toy Story“-Plot hier noch mal ein quasifeministisches Make-over erhalten.

Im Zentrum der Spielzeugwelt steht nun endgültig nicht mehr der John-Wayne-hafte weise Cowboy Woody oder sein angeberischer Kumpelastronaut Buzz Lightyear, sondern das taffe – was sonst – Cowgirl Jessie, dessen „Lebenstrauma“ daraus bestand, einst von „ihrem Kind“ Emily verlassen, beziehungsweise gespendet worden zu sein.

Der Film

„Toy Story 5“. Regie: Andrew Stanton. USA 2026, 102 Min.

Auch die Kinderfigur, um die herum sich das Tun der Spielzeuge diesmal konzentriert, ist ein Mädchen, die achtjährige Bonnie. Und wenn sie spielt, verheiratet sie gern den zu „Forky“ umgestalteten Plastiklöffel mit „Karen“, dem verunstalteten Plastikmesser. Aber sie ist emanzipiert genug, um den Dino dabei wegen vergifteter Hochzeitstorte ohnmächtig werden zu lassen, woraufhin Cowgirl Jessie den Wiederbelebungsversuch startet – bevor Angeber Buzz herbeigeflogen kommt.

Ein technisches Update, um Freunde zu finden

So actionreich und frech ihre Spielzeuginszenierung ist, so schüchtern ist Bonnie im richtigen Leben. Zu den gerade gegenüber eingezogenen Jungszwillingen Kontakt aufzunehmen traut sie sich nicht. Ihre Eltern fragen sich besorgt, ob das kleine Mädchen je Freunde finden wird – und entschließen sich schweren Herzens zu einem technischen Update, das Abhilfe verspricht.

Ein sogenanntes „Lilypad“ hält Einzug im Hause Bonnie; ein iPad, das mit seinen Möglichkeiten der sozialen Vernetzung prompt die erwünschte Wirkung zeigt. Bonnie chattet und postet bald den ganzen Tag mit virtuellen Freunden. Was allerdings zwei erhebliche Nachteile hat: Sie lässt die Spielzeuge links liegen und schaut von früh bis spät nur noch ins iPad – und sie erfährt dort ebenfalls sehr bald, dass man virtuell auf noch viel schlimmere Weise ausgelacht werden kann als im richtigen Leben.

Jessie ist dementsprechend entsetzt und bekümmert sowohl über das Wohl von Bonnie als auch über die Frage der eigenen Überflüssigkeit. Ein Trip aufs Dach mit Blick über die Nachbarschaft enthüllt: Überall sitzen die Kinder nur noch vor ihren Geräten. Die Screens haben übernommen!

Auch Disney und Pixar haben Schuld

Dass „Toy Story 5“ damit zum Thema macht, was gerade großes Debattenthema ist, unter anderem bei der Frage, ob es eine Altersbeschränkung für Social Media geben sollte, wirkt, wenn nicht gar heuchlerisch, dann doch zumindest wie Selbsttäuschung. Daran, dass Kinder heutzutage Screens aller Art so gern haben, haben schließlich Disney und Pixar durchaus auch ein bisschen Schuld.

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Natürlich ist „Toy Story 5“ fortschrittlich genug, um nicht einfach alles Technische abzulehnen und das Spielen mit „fantasievollen“ Spielzeugen wie Cowgirl und Kartoffelmann – der leider nur ein kurzes Cameo hat – zum Nonplusultra zu erklären.

Ein hübscher Einfall ist zum Beispiel, dass Jessie auf ihrer Mission, ihre Bonnie vor den Übeln der neuen Technik zu retten, auf einem Bauernhof landet und dort in einer alten Kiste das abgelegte Technospielzeug des Mädchens Blaze findet: ein elektronisches Töpfchentrainingsspielzeug namens „Schlaumeier“, eine Spielzeugkamera namens Schnappi und ein Nilpferdkopf/GPS-Spielzeug, das Atlas gerufen wird. Die „obsolete“ Technik darf im Kampf für Bonnies Glück noch einmal glänzen, auch wenn deutlich wird, dass sie in Wahrheit noch mehr aus der Mode gekommen sind als Cowgirl und Co.

Rückblickend war die größte Stärke der „Toy Story“-Erzählungen immer, dass ihre Geschichten stark von Persönlichkeiten getrieben waren, die über die relative Simplizität der Hauptmetapher – bei der die Spielzeuge die Elternstelle einnehmen, die melancholisch das Erwachsenwerden ihrer Kinder beobachten, die sie nicht mehr brauchen – hinwegtäuschten. „Toy Story 5“ ist immer noch ein Animationsfilm voll Charme und Witz, der Kinder und Erwachsenen etwas geben kann. Aber anders als seine Vorläufer kommt sein Plot nahezu ohne Überraschungen aus.

Mit Melancholie nimmt man wahr, dass die Spielzeuge selbst erstaunlich wenig zur Geltung kommen. Auf die Frage, wie man denn nun mit iPads und i-Konsorten verfahren soll, gibt es nur eine Standardantwort: Auch bei Freundschaften im digitalen Raum sei darauf zu achten, immer man selbst zu bleiben. Dass das nicht alles sein kann, dafür liefert „Toy Story 5“ den Beweis, denn vor lauter Treue zum Franchiserezept traut sich der Film zu wenig Neues.

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