Kampf gegen illegale Graffiti: „Für die Täter wird‘s grimmig“
StartseiteLokalesBad TölzBad TölzStand: 22.07.2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenEine von vielen völlig verschmierten Stellen in Bad Tölz: Die Isarbrücke. © Arndt PröhlDie Polizei ordnet die Schmiere...
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Stand: 22.07.2026, 06:30 Uhr
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Die Polizei ordnet die Schmierereien im Stadtgebiet zwei Gruppierungen zu, die mit dem EC Bad Tölz in Verbindung stehen. 40 Anzeigen gingen im vergangenen Jahr ein – kein einziger Täter wurde ermittelt.
Bad Tölz – Will man den Blutdruck von Bürgermeister Ingo Mehner in gefährliche Höhen treiben, genügt ein einziges Wort: „Graffiti“. Tag für Tag sind städtische Mitarbeiter damit beschäftigt, Schmierereien zu entfernen. Ein paar Stunden später sieht alles aus wie vor der Säuberungsaktion: „Das ist nicht lustig, nicht kreativ und auch keine Jugendkultur“, schimpft Mehner. „Das ist einfach nur eine Straftat. Ich hoffe, dass die Polizei möglichst viele Sprayer erwischt und der Richter möglichst viele Täter verurteilt.“
Das ist nicht lustig, nicht kreativ und auch keine Jugendkultur. Das ist einfach nur eine Straftat.
Polizeichef Johannes Kufner kann den Täterkreis ziemlich genau eingrenzen: „Aus meiner Sicht gibt es zwei Gruppierungen, die in Zusammenhang mit dem EC Bad Tölz stehen“, sagt der Tölzer Polizeichef. Da gibt es zum einen die „Banda Del Sud“, die ihre Schmierereien mit dem Kürzel „BDS“ signiert. Viele weitere Graffiti im Stadtgebiet werden dem „Kohlstadt Syndikat“ (KS) zugeschrieben. Hinzu kämen schwarz-gelb bemalte Stromkästen, bei denen sich die „Künstler“ nicht genau zuordnen lassen.
Farbe kann teilweise nicht entfernt werden
„Wir können die Farbe nicht entfernen, weil sie sich so stark reinfrisst“, sagt Martina Geisberger, Pressesprecherin der Stadtwerke. Das Austauschen der Kästen sei sinnlos: „Sie sind sehr teuer, und zwei Tage später sehen sie wieder genauso aus.“
„Massives Problem“ auf Ampeln und Lampen
Ein „massives Problem“ hätten die Stadtwerke auch mit den Vereinsaufklebern auf Ampeln und Lampen. „Das nimmt sehr stark zu“, bestätigt Thomas Amberger, der sich als stellvertretender Betriebshofleiter um die Beseitigung kümmert. „Bis vor zwei Jahren wurde ab und zu mal ein Logo geklebt, aber jetzt ist alles sehr extrem.“ Seit die Tölzer Löwen und der TSV 1860 eine Freundschaft verbindet, taucht auch Blau-Weiß verstärkt im Stadtgebiet auf.
Mehrere Graffiti-Hotspots in Bad Tölz
Es sind aber wohl nicht nur Sprayer aus dem Eishockey-Dunstkreis aktiv. „Jemand unterschreibt ein bisschen verschnörkelt mit HAK“, sagt Kufner. Neben diesen Buchstaben sei stets ein stilisierter junger Mann mit massivem Kiefer zu sehen. „Da dürfte eine kleine Gruppierung oder ein Einzeltäter dahinterstecken.“ Betroffen sei unter anderem die Garage am „Kaufland“. Die Graffiti-Hotspots seien der Moralt-Park, die Lenggrieser Straße, die Bahnhofstraße und der Bereich um die Südschule: Kufner: „Da kann man vielleicht die Altersstruktur der Täter erahnen.“
40 Graffiti-Anzeigen im vergangenen Jahr
Im vergangenen Jahr sind laut dem Tölzer Polizeichef 40 Graffiti-Anzeigen eingegangen. Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer. „Mich regt das alles brutal auf“, sagt Mehner. „Wir legen viel Wert darauf, die Stadt schöner zu machen. Und dann gibt es einige wenige, die dagegenarbeiten und die Stadt beschädigen.“
Entfernung dauert etwa zwei Stunden
Graffiti in Unterführungen würden im Normalfall übermalt. Die Entfernung eines Graffiti an der Tölzer Kaimauer dauert etwa zwei Stunden, sagt Thomas Amberger. Sehr schwierig sei die Reinigung der Fliesen am Tölzer Bahnhof. „Manchmal geht die Farbe gut weg, aber manche Farben sind der Wahnsinn.“ Kufner befürwortet den hohen Einsatz der Betriebshof-Mitarbeiter: „Ich finde es gut, dass die Stadt sich nicht ihrem Schicksal ergibt, sondern immer wieder versucht, den Urzustand herzustellen. Die Täter wissen, dass es kein Ewigkeitswerk ist.“
Verein hat auf Täter keinen Zugriff
Es gab schon viele Versuche, das Problem in den Griff zu bekommen. So suchte Mehner das Gespräch mit der Tölzer Eissport-Gesellschaft. Auf die Täter habe der Verein aber keinen Zugriff, so Kufner: „Wer sich einer Ultra-Gruppierung anschließt, der will nicht nur Harmonie. Er will provozieren, auffällig sein und vielleicht seinen Frust ausleben.“ Den Ultras sei bewusst, dass sie im Stadion keinen Schritt zu weit gehen dürften, „sonst sind sie im Fokus“.
Graffiti entstehen „sehr, sehr verdeckt“
Die Graffiti entstünden dagegen „sehr, sehr verdeckt“. Dies mache es für die Polizei schwierig, jemanden auf frischer Tat zu ertappen. In den vergangenen zwölf Monaten sei es kein einziges Mal gelungen, einen Täter zu ermitteln. Das Einzige, was hilft, sei die Aufmerksamkeit der Bürger: „Wer eine verdächtige Beobachtung macht, soll sich bei uns melden“, appelliert Kufner.
Täter erwartet große Kostenrechnung
Wer die Polizei nicht einschalten möchte, könne die Täter auch direkt ansprechen: „Man sollte sich in seiner Heimat berufen fühlen, das nicht einfach zu akzeptieren.“ Klar sei: „Wenn wir einen Täter ermitteln, wird’s grimmig für ihn. Neben dem strafrechtlichen Gesichtspunkt kann er sich auch auf eine große Kostenrechnung einstellen.“