Kahlschlag: Porsche streicht bis zu 6000 Jobs – Luxus-Sportwagen kommt trotzdem

wa.deWirtschaftStand: 23.07.2026, 07:39 UhrKommentareUns auf Google folgenPorsche-Chef Leiters will bis zu 6000 Stellen abbauen, Sonderzahlungen auf 1500 Euro deckeln und parallel einen teuren Supersportwagen e...

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Kahlschlag: Porsche streicht bis zu 6000 Jobs – Luxus-Sportwagen kommt trotzdem

Stand: 23.07.2026, 07:39 Uhr

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Porsche-Chef Leiters will bis zu 6000 Stellen abbauen, Sonderzahlungen auf 1500 Euro deckeln und parallel einen teuren Supersportwagen entwickeln. Die Strategie offenbart die Schieflage der Autoindustrie.

Stuttgart – Während Porsche-Chef Michael Leiters bis zu 6000 Stellen streichen will, treibt er gleichzeitig die Entwicklung eines Supersportwagens voran, wie der Spiegel berichtet. Die Volkswagen-Tochter verdoppelt damit ihr bisheriges Abbauprogramm und offenbart eine Strategie, die symptomatisch für die deutsche Autoindustrie ist: Sparen bei den Mitarbeitenden, Prestige-Projekte für die Oberschicht.

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Laut n-tv sollen bis 2035 zwischen 5000 und 6000 Jobs wegfallen. Parallel dazu präsentiert Porsche am 7. Oktober die Designstudie eines zweitürigen Sportwagens mit Achtzylinder-Boxermotor, der oberhalb des 911 positioniert wird.

Porsche Zentrale Stuttgart Zuffenhausen

Porsche-Chef Leiters will bis 2035 bis zu 6000 Stellen abbauen. © Sven Severing via www.imago-images.de

Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Umstrukturierung: Bereits vor eineinhalb Jahren kündigte Porsche an, in der Region Stuttgart bis 2029 rund 1900 Stellen sozialverträglich abzubauen. Zusätzlich liefen die Verträge von etwa 2000 befristeten Angestellten aus. Jetzt kommt die nächste Welle.

Leiters will zudem die jährlichen Sonderzahlungen an die Beschäftigten, die bei guter Gewinnlage hoch vierstellig ausfielen, auf 1500 Euro deckeln. Auch das Weihnachtsgeld soll gekürzt werden. Der Aufsichtsrat unterstützt laut Tagesschau den aktuellen Stand der Verhandlungen zum sogenannten Zukunftspaket. Eine Einigung zwischen Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall steht allerdings noch aus.

Luxus-Sportwagen statt Elektro-Offensive

Während Porsche bei den Kosten radikal spart, investiert das Unternehmen in ein Prestige-Projekt: Der intern als „S1“ bezeichnete Supersportwagen soll nicht vor 2031 auf den Markt kommen und vom neuen Designchef Tobias Sühlmann gestaltet werden. Das ursprünglich geplante Gemeinschaftsprojekt X11 mit Lamborghini kommt nicht zustande.

Elektro- und Softwareprojekte schiebt Leiters dagegen auf die lange Bank. Das Projekt eines elektrischen Panamera hat er in die 2030er-Jahre verschoben. Aktive Entwicklungsprojekte mit dem Gemeinschaftsunternehmen von Volkswagen und Rivian betreibt Porsche derzeit nicht – zahlt aber trotzdem mindestens 700 Millionen Euro pro Jahr für die Allianz.

Software-Investments werden zum Problem

Auch bei den Software-Investments läuft es nicht rund: Leiters versucht, Teile der Porsche-Anteile am Silicon-Valley-Unternehmen Applied Intuition an einen japanischen Investor zu verkaufen. Der Deal scheitert bisher am Veto von Applied-Intuition-Gründer Qasar Younis.

Die Strategie zeigt: Porsche zieht sich aus zukunftsweisenden Technologieprojekten zurück und konzentriert sich auf das Kerngeschäft – hochpreisige Verbrenner-Sportwagen für eine zahlungskräftige Klientel. Im Gegenzug könnte die Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen bis Mitte 2030 ausschließt, verlängert werden. Ein schwacher Trost für die Belegschaft.

Business Punk Check

Porsches Strategie entlarvt die Schieflage der deutschen Autoindustrie: Während 6000 Mitarbeitende um ihre Jobs bangen und Sonderzahlungen auf 1500 Euro gedeckelt werden, entwickelt Leiters einen Supersportwagen für eine halbe Million Euro. Das ist keine Zukunftsstrategie, sondern Luxus-Nostalgie auf Kosten der Belegschaft.

Besonders absurd: Porsche zahlt 700 Millionen Euro jährlich für die Rivian-Allianz, betreibt aber keine aktiven Entwicklungsprojekte. Der elektrische Panamera? Verschoben in die 2030er-Jahre. Software-Investments bei Applied Intuition? Will Leiters verkaufen.

Die Wahrheit hinter dem Zukunftspaket: Porsche setzt auf hochpreisige Verbrenner-Nischen statt auf Elektromobilität und Software – genau die Bereiche, in denen Tesla und chinesische Hersteller dominieren. Kurzfristig mag das die Marge retten. Langfristig ist es wirtschaftspolitischer Selbstmord.

Für Mittelständler in der Zulieferkette bedeutet das: Diversifizierung ist überlebenswichtig. Wer noch ausschließlich auf deutsche Premium-Hersteller setzt, sollte schleunigst alternative Abnehmer suchen. Die deutsche Autoindustrie opfert ihre Zukunftsfähigkeit für kurzfristige Profite – und die Beschäftigten zahlen die Zeche.