Influencer-Paar aus Oberbayern lehnt Leihmutterschaft ab: „Es geht um das Kind“
tzMünchenRegionStand: 22.07.2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgen„Elternschaft beginnt nicht bei den Genen, sondern bei der Verantwortung“: Christian Behr (stehend) und sein Ehemann Bjoern Behr mit dem...
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Stand: 22.07.2026, 06:30 Uhr
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Auf Instagram sind sie papaundpapi: Christian und Bjoern Behr erklären, warum sie ihren Kinderwunsch anders verwirklicht haben als Jens Spahn.
Ampertal – Sie sind vielleicht Deutschlands bekannteste Regenbogenfamilie: Christian Behr (44) und Bjoern Behr (48), seit 16 Jahren ein Paar, seit elf Jahren verheiratet. Mit Pflegetochter Mia (11 Monate) und ihrem achtjährigen Adoptivsohn Lukas leben sie im Ampertal und betreiben von dort aus den Instagram-Account @papaundpapi. Das Freisinger Tagblatt hat angesichts des „Falls Spahn“ bei „Papa und Papi“ nachgefragt, wie sie zu Leihmutterschaft stehen, welche Werte sie vertreten, und wie sie das Verhalten des inzwischen zurückgetretenen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion beurteilen.
Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Zu Recht?
Christian: Ja, aus unserer Sicht zu Recht. Nicht, weil wir Menschen ihren Kinderwunsch nicht gönnen. Wir wissen selbst, wie tief der Wunsch nach einem Kind gehen kann. Aber ein verständlicher Wunsch rechtfertigt für uns nicht automatisch jeden Weg, ihn zu erfüllen. Bei einer Leihmutterschaft geht es für uns eben nicht nur um die Wunscheltern. Es geht um eine Frau, die eine Schwangerschaft mit allen körperlichen und emotionalen Belastungen durchlebt, aber vor allem geht es um das Kind.
Aus unserer Sicht wird in dieser Debatte viel zu selten gefragt, welche Fragen dieses Kind vielleicht eines Tages mitbringt.
Wie bewerten Sie die Diskussion in Deutschland zu diesem Thema?
Bjoern: Aus unserer Sicht wird in dieser Debatte viel zu selten gefragt, welche Fragen dieses Kind vielleicht eines Tages mitbringt. Wie fühlt es sich an, zu erfahren, dass die Frau, die einen neun Monate unter ihrem Herzen getragen hat, nicht die biologische Mutter ist? Wie geht ein Kind damit um, wenn zusätzlich noch eine Eizellspenderin beteiligt war? Wer bin ich? Woher komme ich? Wem sehe ich ähnlich? Warum wurde ich abgegeben? Das sind Fragen, die viele Menschen mit ihrer Herkunft beschäftigen können, unabhängig davon, ob jedes Kind sie später tatsächlich stellt.
Haben es Kinder, die durch Leihmutterschaft geboren werden, schwerer?
Christian: Wir behaupten nicht, dass jedes durch Leihmutterschaft geborene Kind darunter leidet. Viele wachsen in liebevollen Familien auf und entwickeln sich gut. Aber wir finden, dass diese möglichen Identitäts- und Herkunftsfragen in der gesellschaftlichen Diskussion häufig zu wenig Beachtung finden. Die Rechte und Bedürfnisse des Kindes sollten aus unserer Sicht genauso im Mittelpunkt stehen wie der Kinderwunsch der Erwachsenen. Ein Kinderwunsch ist zutiefst menschlich und absolut nachvollziehbar, aber er ist für uns kein Anspruch auf ein Kind. Und wenn verschiedene Interessen aufeinandertreffen, sollte das Wohl des Kindes immer das entscheidende Kriterium sein. Wir haben uns deshalb bewusst für einen anderen Weg entschieden.
Eine Schwangerschaft ist keine Dienstleistung. Sie bedeutet körperliche Risiken, emotionale Bindung und einen tiefgreifenden Eingriff in das Leben einer Frau.
Was sind die stärksten Argumente gegen Leihmutterschaft?
Bjoern: Für uns gibt es nicht das eine Argument gegen Leihmutterschaft, sondern mehrere ethische Fragen, die zusammenkommen. Der erste Punkt ist die Frau, die das Kind austrägt. Eine Schwangerschaft ist keine Dienstleistung. Sie bedeutet körperliche Risiken, emotionale Bindung und einen tiefgreifenden Eingriff in das Leben einer Frau. Selbst wenn eine Leihmutter freiwillig handelt, bleibt die Frage, wie frei eine Entscheidung wirklich ist, wenn finanzielle oder persönliche Abhängigkeiten eine Rolle spielen.
Und die anderen Punkte?
Bjoern: Der zweite Punkt ist das Kind. In der Diskussion wird häufig über die Wünsche der Erwachsenen gesprochen, aber viel seltener über die Perspektive des Kindes. Herkunft, Identität und die Trennung von der Frau, die einen ausgetragen hat, können später wichtige Fragen aufwerfen. Das muss nicht jedes Kind belasten, aber wir finden, dass diese Perspektive viel mehr Gewicht bekommen sollte.
Christian: Und der dritte Punkt ist die grundsätzliche ethische Frage, ob Fortpflanzung zu einem Markt werden sollte. Selbst wenn Leihmutterschaft in manchen Ländern streng geregelt ist, entstehen weltweit Geschäftsmodelle, Agenturen und finanzielle Interessen rund um Schwangerschaften. Uns bereitet die Vorstellung große Sorgen, dass der Körper einer Frau und die Entstehung eines Kindes Teil eines Marktes werden. Genau diese drei Punkte sind für uns entscheidend. Es geht um die Frau. Es geht um das Kind. Und es geht um die Frage, ob Schwangerschaft und Elternschaft überhaupt Teil eines Marktes werden dürfen.
Der Fall Spahn
Der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke wurden mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern. Da Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist, löste dies eine bundesweite Debatte aus. Kritiker werfen Spahn vor, das Verbot im Ausland umgangen zu haben, das er selbst politisch immer mitgetragen hatte. Im Mittelpunkt stehen Vorwürfe der Doppelmoral und mangelnden politischen Glaubwürdigkeit. Am Samstag trat Spahn daher als Unionsfraktionschef zurück.
Wie war das bei Ihnen? Haben Sie mal überlegt, zur Leihmutterschaft im Ausland zu greifen, um Ihren Kinderwunsch zu erfüllen?
Christian: Nein, tatsächlich war das für uns nie eine Option. Natürlich hatten auch wir einen großen Kinderwunsch, und selbstverständlich haben wir uns gefragt, ob wir Eltern werden können. Aber wir haben uns nie gefragt: „Wie bekommen wir ein Kind, egal wie?“, sondern: „Gibt es ein Kind, das Eltern braucht?“ Genau deshalb haben wir uns sehr früh mit Pflege und später auch mit Adoption beschäftigt. Für uns hat sich das stimmig angefühlt, weil unser Wunsch nie nur darin bestand, ein eigenes Baby zu haben.
Bjoern: Unser Wunsch war es, Eltern zu sein und einem Kind Liebe, Sicherheit und Geborgenheit zu schenken. Für uns persönlich wäre Leihmutterschaft aber nicht mit unseren eigenen Werten vereinbar gewesen. Deshalb haben wir unseren Kinderwunsch nicht im Ausland verwirklicht, sondern hier in Deutschland. Heute dürfen wir zwei wundervolle Kinder begleiten und sind jeden Tag dankbar, dass unser Weg genau dieser war.
Unser Weg war alles andere als einfach. Er war geprägt von Unsicherheit, langen Wartezeiten, schmerzhaften Entscheidungen und Momenten, in denen wir nicht wussten, ob wir überhaupt jemals Eltern werden würden.
Würden Sie den Weg, den Sie gegangen sind, wieder gehen?
Christian: Unser Weg war alles andere als einfach. Er war geprägt von Unsicherheit, langen Wartezeiten, schmerzhaften Entscheidungen und Momenten, in denen wir nicht wussten, ob wir überhaupt jemals Eltern werden würden. Gerade als Pflege- und später Adoptiveltern haben wir erlebt, wie belastend bürokratische Prozesse sein können und wie sehr das eigene Familienglück manchmal von Entscheidungen anderer abhängt. Und trotzdem würden wir uns jederzeit wieder so entscheiden. Unsere Kinder sind nicht das Ergebnis eines Plans. Sie sind Menschen mit einer eigenen Geschichte, die Teil unserer Familie geworden sind. Dafür empfinden wir jeden Tag große Dankbarkeit. Wir glauben, dass Elternschaft nicht dort beginnt, wo Gene weitergegeben werden, sondern dort, wo Verantwortung übernommen wird. Genau das durften wir erleben. Deshalb würden wir unseren Weg jederzeit wieder gehen.
Können Sie trotz allem Paare verstehen, die sich für eine Leihmutterschaft entscheiden?
Bjoern: Ja, wir können den Kinderwunsch absolut verstehen. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft es sein kann, wenn der Wunsch nach einem Kind unerfüllt bleibt. Deshalb würden wir niemals über die Sehnsucht oder den Schmerz anderer Menschen urteilen. Was wir jedoch nicht teilen, ist die Schlussfolgerung, dass jeder Weg zur Erfüllung dieses Wunsches deshalb automatisch richtig ist. Wir glauben, dass man Mitgefühl für den Kinderwunsch eines Menschen haben und gleichzeitig kritisch hinterfragen kann, welche Folgen bestimmte Entscheidungen für andere Beteiligte haben. Deshalb verurteilen wir keine Menschen, die sich für eine Leihmutterschaft entschieden haben. Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Menschen, die diesen Weg gegangen sind. Sie richtet sich gegen das System, das Leihmutterschaft ermöglicht.
Wer politische Verantwortung trägt, muss sich auch an den Regeln und Werten messen lassen, die für alle gelten.
War der Rücktritt von Jens Spahn in Ihren Augen unausweichlich und die richtige Konsequenz?
Christian: Aus unserer Sicht war der Rücktritt die richtige und letztlich unausweichliche Konsequenz. Für uns geht es um Glaubwürdigkeit und politische Verantwortung. Wer politische Verantwortung trägt, muss sich auch an den Regeln und Werten messen lassen, die für alle gelten. Wenn man etwas nutzt, das im eigenen Land bewusst verboten ist, entsteht aus unserer Sicht ein Glaubwürdigkeitsproblem. Genau deshalb sprechen wir von Doppelmoral.
Bjoern: Aus unserer Sicht darf man nicht einerseits Teil eines Systems sein, das Leihmutterschaft in Deutschland verbietet, und andererseits dieses Verbot umgehen, indem man die Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch nimmt. Es geht dabei nicht um sein Privatleben. Es geht um die Vorbildfunktion, die politische Verantwortung mit sich bringt. Deshalb halten wir den Rücktritt für richtig. Nicht wegen seiner Familie, sondern weil Glaubwürdigkeit ein zentraler Bestandteil politischer Verantwortung ist.