Gewaltige Mengen Strom, Wasser, Fläche: Bayerns KI-Boom birgt Herausforderung – und eine überraschende Chance
tzPolitikHessen ist KI-Hauptstadt Europas: Doch Bayern will aufholen – was der Freistaat jetzt plantStand: 02.09.2026, 19:49 UhrKommentareUns auf Google folgen1.131 MW in Hessen, 420 MW in Bayern: Der Freistaat...
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Hessen ist KI-Hauptstadt Europas: Doch Bayern will aufholen – was der Freistaat jetzt plant
Stand: 02.09.2026, 19:49 Uhr
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1.131 MW in Hessen, 420 MW in Bayern: Der Freistaat will bei den KI-Rechenzentren aufholen – mit Milliarden-Investitionen und einem unterirdischen KI-Giganten in München.
München – Hessen ist bislang der absolute Spitzenreiter unter den Bundesländern, wenn es um KI-Rechenleistung geht. Mit rund 1.131 Megawatt (MW) installierter Rechenkapazität und einem der weltgrößten Internetknoten DE‑CIX ist Frankfurt die unangefochtene Hauptstadt der europäischen Serverfarmen. Doch die Vormachtstellung bröckelt: Während Frankfurt zunehmend mit knappen Flächen und überlasteten Stromnetzen kämpft, will Bayern aufholen.

Das bayerische Wirtschaftsministerium betont gegenüber dem Münchner Merkur: „Bayern ist mit rund 420 Megawatt installierter IT-Leistung und rund 500 Rechenzentren der zweitgrößte Rechenzentrumsstandort in Deutschland.“ Aufholen wolle man durch den Internetknoten-Ableger DE-CIX-Munich und durch die Investitionen der bayerischen Hightech-Agenda in Höhe von rund 5,5 Milliarden Euro.
Hessen liegt vor Bayern bei der KI-Rechenleistung: Woran liegt das?
Dass Hessen bei der reinen Rechenleistung noch weit vor Bayern liegt, erklärt das bayerische Wirtschaftsministerium auf Anfrage mit dem Phänomen der sogenannten „Data Gravity“: Weil in Frankfurt bereits die Daten von Großkonzernen, Finanzinstituten und Cloud-Anbietern liegen, würden sich neue Server bevorzugt in deren unmittelbarer Nachbarschaft ansiedeln, um minimale Latenzzeiten zu garantieren.
Bundesweit sind derzeit mehr als 70 Großprojekte für neue Rechenzentren geplant. Auch Bayern soll eine zentrale Rolle bei dem Ausbau spielen. Ein prominentes Beispiel liegt im Münchner Tucherpark, unweit des Englischen Gartens. Das Paderborner Startup „Polarise“ hat dort ein unterirdisches Hochleistungsrechenzentrum errichtet, eine der größten KI-Fabriken Europas, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet. Beteiligt sind unter anderem die Deutsche Telekom und der US-Chiphersteller Nvidia. Ziel ist es, KI-Modelle direkt in Deutschland zu trainieren und sensible Daten aus dem Gesundheits- oder Verteidigungsbereich unabhängiger von internationalen Tech-Konzernen zu verarbeiten.
Der bayerische Plan für mehr KI: So soll mehr KI-Rechenleistung in den Freistaat geholt werden
Laut dem bayerischen Wirtschaftsministerium sei das KI-Wachstum im Freistaat „hauptsächlich durch kleinteiligere Ansiedlungen geprägt und weniger durch große Hyperscaler“. Und: „Studien prognostizieren einen zusätzlichen Rechenzentrumsausbau von rund 95 MW bis zum Jahr 2030. Wenige einzelne Großprojekte können aber großen Einfluss auf die gesamte IT-Anschlussleistung nehmen.“
Auch ländliche Regionen rücken in den Fokus. In der Gemeinde Amberg etwa im Unterallgäu plant „Polarise“ ein weiteres, speziell auf KI ausgelegtes Rechenzentrum, das voraussichtlich Mitte nächsten Jahres in Betrieb gehen soll. Genutzt werden soll das Gelände eines stillgelegten Kurzwellensenders, der Strom soll größtenteils aus Fotovoltaik und einem Windpark stammen. Laut Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) könnte die Kapazität dort doppelt so hoch sein wie in München, mit einem späteren Ausbau auf bis zu 120 Megawatt.
In Schweinfurt bewirbt sich Bayern zudem für ein EU-Förderprojekt: Die geplante AI-Giga-Factory „Blue Swan“ soll die Stadt zu einem wichtigen Hightech-Standort machen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betont die strategische Bedeutung digitaler Infrastruktur: „Wenn unsere Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben sollen, wenn Verwaltung effizient arbeiten und unser Alltag digital funktionieren soll, dann brauchen wir eine starke digitale Infrastruktur.“ Aus seinem Ministerium heißt es, das Projekt befinde sich noch im Bewerbungs- und Abstimmungsverfahren. „Die AI-Gigafactories sollen zu max. 17 Prozent durch die EU, max. 17 Prozent den Mitgliedstaat und mind. 67 Prozent durch das private Konsortium finanziert werden.“
Herausforderungen beim KI‑Ausbau: eine Chance für die erneuerbaren Energien?
Neun von zehn Rechenzentren, die derzeit in Deutschland geplant oder gebaut werden, sind Projekte von Großkonzernen – viele davon aus den USA. Das zeigt eine gemeinsame Recherche von NDR und Süddeutscher Zeitung, der ein Datensatz der NGOs „FragdenStaat“, „AlgorithmWatch“, „Leitmotiv“ und „Heiße-Luft-Kollektiv“ zugrunde liegt. Demnach befinden sich von insgesamt 99 identifizierten Rechenzentren bereits 41 im Bau. Mehr als ein Drittel der Projekte wird von Unternehmen geplant oder errichtet, die ihren Sitz außerhalb der Europäischen Union haben, darunter vor allem US-Technologiekonzerne.
Doch die Rechenzentren stellen Deutschland und Bayern vor große Herausforderungen. Die Serverfarmen verschlingen gewaltige Mengen an Energie, Wasser und Fläche. „Ein Rechenzentrum ist eine riesige Halle voller Computer“, erklärt Jens Gröger vom Öko-Institut gegenüber der ARD-Finanzredaktion. „All die Computer brauchen Strom. Und sie brauchen Kühlung, um die entstehende Wärme wieder abzuführen.“ Große Anlagen können dabei so viel Strom verbrauchen wie eine Kleinstadt. Sie benötigen leistungsfähige Netzanschlüsse sowie geeignete Industrieflächen. Gröger fordert deshalb, den Ausbau künftig enger mit der Energieplanung zu verzahnen.
Der Umweltforscher sieht jedoch auch Potenzial: Rechenzentren könnten dort entstehen, wo ausreichend erneuerbarer Strom verfügbar ist, Batteriespeicher nutzen und ihre Abwärme in Nahwärmenetze einspeisen. „Rechenzentren könnten tatsächlich mit erneuerbaren Energien versorgt werden“, so Gröger. Richtig geplant, könnten sie so zur Energie- und Wärmewende beitragen, statt ihr entgegenzuwirken. (Quellen: Bayerisches Wirtschaftsministerium/Bayerischer Rundfunk/Süddeutsche Zeitung/ARD/eigene Recherche) (sischr)