Großeinsatz zum 175-jährigen Jubiläum: Keiner kann Korso wie die Berliner Feuerwehr

Blaulicht und Martinshorn waren am Samstagmittag ein Signal der Freude: Historische und aktuelle Fahrzeuge rollten zum Geburtstag von Deutschlands ältester Berufsfeuerwehr durch Berlin.

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Großeinsatz zum 175-jährigen Jubiläum: Keiner kann Korso wie die Berliner Feuerwehr

Blaulicht und Martinshorn, immer wieder, schier unaufhörlich. Das zeugt normalerweise von Unheil und Hilfsbereitschaft. Erst am frühen Samstagmorgen war das wieder der Fall: 74 Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr rückten mit 26 Fahrzeugen zu einem Brand in einer Spandauer Flüchtlingsunterkunft aus. Drei Etagen waren verraucht, vier Menschen wurden verletzt, Hunderte mussten betreut werden. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung.

Wenige Stunden später waren die unentwegten Signale ein Zeichen der Freude: Mit Blaulicht und Martinshorn rollte am Vormittag ein großer Autokorso vom alten Flughafen Tegel über den Ernst-Reuter-Platz, an Siegessäule und Brandenburger Tor entlang zum Deutschen Technikmuseum.

Mit 80 historischen und aktuellen Einsatzfahrzeugen demonstrierte die Berliner Feuerwehr das gesamte Spektrum des Rettungswesens in der Hauptstadt – und feierte den Höhepunkt ihres 175-jährigen Jubiläums. Den letzten Korso dieser Art gab es vor 25 Jahren.

Berliner Feuerwehr: Jede Minute ein Einsatz

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Gegründet im Jahr 1851, ist die Berliner Feuerwehr die älteste und größte Berufsfeuerwehr Deutschlands. Mehr als 7400 hauptamtliche und ehrenamtliche Einsatzkräfte leisten heute ihren Dienst an der Gesellschaft. Jedes Jahr werden mehr als eine halbe Million Einsätze absolviert – das ist rechnerisch einer pro Minute. Damit diese Hilfsbereitschaft auch in Zukunft gewährleistet ist, engagieren sich rund 1300 Nachwuchskräfte in den Jugendfeuerwehren.

Autokorso 175 Jahre Berliner Feuerwehr Technikmuseum

Diese beiden Nachwuchskräfte sind vielleicht noch nicht groß genug für den Einsatz.

© Ingo Salmen

Die reiche Geschichte war im Autokorso, den an den Straßenrändern immer wieder Schaulustige säumten, auf vielfältige Weise vertreten: Als ältestes Gerät war eine Dampfspritze dabei, die vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammt; der Dampfdruck sollte helfen, das Wasser in die höheren Etagen der Häuser aus der Kaiserzeit zu befördern. Einst wurde sie von Pferden gezogen, heute ersparte die Feuerwehr den Tieren diese Last und führte sie auf einem Schlepper durch die Stadt.

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Ordentlich Druck: Was heute antiquiert ist, war vor mehr als hundert Jahren ein wichtiger Fortschritt in der Großstadt Berlin.

© IMAGO/Bernd Elmenthaler/IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler

Dienstende hatten auch die Magirus-Fahrzeuge, die nach dem Ersten Weltkrieg in den Dienst gestellt wurden: Sie verfügen über Vollgummireifen, die bei dem harten Asphalt heutiger Straßen das Fahrwerk zu sehr belasten würden, und durften deshalb auf Anhängern mitfahren.

Am Geruch zu erkennen waren auch die schweren Dieselfahrzeuge aus den 1930er- bis 1960er-Jahren, die mit der roten Karawane durch die Stadt rollten – aus dem Westen wie später auch die Ifa-Laster aus DDR-Zeiten.

Autokorso 175 Jahre Berliner Feuerwehr Technikmuseum

Nicht für obere Stockwerke geeignet: ein Feuerwehr-Trabi.

© Ingo Salmen

Zu sehen waren „Fifty Shades of Red“: von tiefdunkel der frühen Jahre über ein leuchtendes Rotorange seit den 60ern bis hin zu einem satteren Ton mit weißen Streifen, der heute Standard ist.

Drehleitern und Löschfahrzeuge aus vielen Jahrzehnten waren vertreten, dazu Rettungswagen, rollende Einsatzleitzentralen oder Sonderfahrzeuge wie der schwere Kranwagen „Herkules“.

Autokorso 175 Jahre Berliner Feuerwehr Technikmuseum

Der „Herkules“ war 40 Jahre im Dienst.

© Ingo Salmen

Die Werkfeuerwehr von Bayer gratulierte ebenso wie ganz am Ende des Korsos eine andere Berliner Institution: die BVG mit einem Doppeldeckerbus in feuerwehrroter Sonderlackierung. „Unglaublich“, stand auf der Flanke: „175 Jahre Sireneneinsatzverkehr“.

Autokorso 175 Jahre Berliner Feuerwehr Technikmuseum

Hier passen locker mehrere Löschzüge rein: der BVG-Bus zum Jubiläum der Feuerwehr.

© Ingo Salmen

Lang aufgereiht konnten Feuerwehrfreunde die Fahrzeuge am Technikmuseum noch einmal genau in Augenschein nehmen.

Autokorso 175 Jahre Berliner Feuerwehr Technikmuseum

Probesitzen möglich: die alten Fahrzeuge zum Ende des Korsos.

© Ingo Salmen

Dort konnten Besucher auch eine Helmprobe machen oder zum virtuellen Löschangriff mit VR-Brille antreten. Irgendwoher muss der Nachwuchs ja kommen.