Geothermie-Bohrung bei Ampermoching: 97 Millionen Euro für heißes Wasser
Ab 2030 könnte an der Kläranlage Ampermoching aus 1500 Metern Tiefe 70 Grad heißes Wasser gefördert werden. Die Hälfte der 97 Millionen Euro Projektkosten sollen Fördermittel decken.
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Stand: 23.07.2026, 05:56 Uhr
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Ab 2030 könnte an der Kläranlage Ampermoching aus 1500 Metern Tiefe 70 Grad heißes Wasser gefördert werden. Die Hälfte der 97 Millionen Euro Projektkosten sollen Fördermittel decken.
Hebertshausen – Noch ist es ein weiter Weg. Doch wenn alles gut läuft, könnte ab 2030 nahe der Kläranlage Ampermoching nach heißem Tiefenwasser für die Wärmeversorgung gebohrt werden. Und zwar im Rahmen des Geothermieprojekts, an dem die Stadtwerke Dachau sowie die Gemeinden Hebertshausen und Haimhausen seit Juli 2025 zusammenarbeiten. Eine Präsentation zum aktuellen Stand der laufenden Machbarkeitsstudie gab es in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause am Dienstag. Zum Vortrag waren Dachaus Stadtwerkechef Robert Haimerl, Stadtwerke-Projektleiter Johannes Fischer, Christian Flory, Finanzvorstand des Kommunalunternehmens Energie der Gemeinde Haimhausen, und Alexandra Niedenhoff, Vorständin des Hebertshauser Kommunalunternehmens Energie (KEH) in die Ratssitzung gekommen. „Ein komplexes und teures Projekt, aber wir reden hier über die nächsten Jahrzehnte der Wärmeversorgung“, betonte Stadtwerkechef Haimerl. Und nachdem Deutschland und Europa Klimaneutralität anstreben, fragte KU-Vorständin Niedenhoff: „Was wäre die Alternative?“
Geothermie für die Wärmeversorgung zu erschließen, dazu hatten die Stadtwerke bereits 2009 einen Anlauf genommen, informierte Haimerl. Angesichts der damals niedrigen Erdgas- und Heizölpreise wurde das Vorhaben als unwirtschaftlich nicht weiterverfolgt. Doch seit 2022 sind die Energiepreise enorm gestiegen, im 2025 gestarteten Gemeinschaftsprojekt mit Hebertshausen und Haimhausen läuft nun eine neuerliche Machbarkeitsstudie. Ein Wärmenetz wäre für alle drei Kommunen sinnvoll, denn in den meisten Haushalten wird noch fossil geheizt, die Quote beträgt in Dachau 95 Prozent, in Haimhausen 75 Prozent und in Hebertshausen 66 Prozent. So das Ergebnis der kommunalen Wärmeplanung, die alle drei Kommunen abgeschlossen haben. „Geothermie ist da eine große Chance“, betonte der Haimhauser KU-Finanzvorstand Flory.
Über erste konkrete Ergebnisse informierte Stadtwerke-Projektleiter Fischer. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde das Areal an der Kläranlage Ampermoching als idealer Bohrplatz identifiziert. Dort würde aus rund 1500 Meter Tiefe etwa 70 Grad heißes Wasser gefördert, eine Jahresleistung von 120 Millionen Kilowattstunden sei machbar, so Fischer.
Versorgt werden sollen in den Gemeinden geeignete „Wärmeinseln“, in Hebertshausen wäre das der Bereich Holzschleiferei und Gewerbegebiet Deutenhofen. Für Bohrung und Wärmeleitung bis zu den Gemeindegrenzen sind Projektkosten von 97 Millionen Euro veranschlagt. Fördermittel würden 50 Prozent decken, es gibt Förderkredite, die drei Partner beteiligen sich finanziell oder mit Sacheinlagen im Wert von sechs Millionen Euro, informierte Flory.
Aber noch ist alles eine Studie, den konkreten Startschuss müssen 2027 dann Stadtrat und Gemeinderäte geben. Noch gebe es hohe Fördermittel, „wenn nicht jetzt, wann dann“, so KEH-Vorständin Niedenhoff. Ein wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit sei, dass sich fossile Energie wie von EU und Bundesregierung vorgesehen sukzessive verteuert, nannte Stadtwerkechef Haimerl als notwendigen Voraussetzungen. „Wenn ein steigender CO₂-Preis und die Förderung so nicht kommen, müssen wir nochmal entscheiden.“
In einer kurzen Diskussion äußerte sich Gemeinderat Peter Felbermeier (CSU) nachdenklich. „Es ist ein großes Risiko und ein schwer kalkulierbarer Bereich, denn wir bauen dann ja über Jahre.“ Aber irgendwann „muss es zum Schwur kommen“. Martin Gasteiger (FBB) sagte, er sei „kein großer Freund von Geothermie in unserer Region“. Es brauche ein langes Leitungsnetz. „Die Kosten sind exorbitant, das Risiko ist mir zu groß.“ Grundsätzlich positiv sieht Marco Kempin (Grüne) die Situation von Hebertshausen in Bezug auf Wärmewende. Neben der Geothermie gebe es die Option Flusswärmepumpe. „Als Gemeinde haben wir die Karten in der Hand, ich finde uns da privilegiert.“