Gemeinde führt Ganztag an Grundschulen ein – und fühlt sich vom Land alleingelassen

Die Gemeinde Kirchlinteln bietet an zwei Grundschulen ab sofort Ganztag für alle vier Jahrgänge an. Bürgermeister Arne Jacobs wirft dem Land Niedersachsen vor, dabei keine Unterstützung geleistet zu haben.

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Gemeinde führt Ganztag an Grundschulen ein – und fühlt sich vom Land alleingelassen

Stand: 11.09.2026, 19:30 Uhr

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Menschen stehen in einer Küche

In der Mensa: Bürgermeister Arne Jacobs, Nelly Litau (Essensausgabe), Schulleiterin Hanna-Lea Lengert und Ganztagskoordinatorin Nicole Schütz (v.l.). © Wennhold

Die Gemeinde Kirchlinteln bietet ab sofort Ganztag für alle vier Jahrgänge an. Der Bürgermeister wirft dem Land Niedersachsen vor, dabei keine Unterstützung geleistet zu haben.

Kirchlinteln – Erschöpft verlassen die letzten Kinder um 16.09 Uhr die Schule. Für sie endet ein langer Tag, der um 7.50 Uhr mit dem Unterricht begonnen hat. Für den Rest des Tages haben sie jedoch frei – keine Hausaufgaben warten im Schulranzen auf Erledigung und Eltern müssen nicht die Rolle des Ersatzlehrers übernehmen.

Ganztag an Grundschulen startet – Kirchlintelns Bürgermeister übt Kritik am Land Niedersachsen

Zum Schuljahr 2026/27 ist an der Grundschule Luttum der offene Ganztag für alle Jahrgänge eingeführt worden. Damit bietet die Gemeinde als Schulträger deutlich mehr an, als der Gesetzgeber vorschreibt. Die Nutzung des Angebotes ist bereits enorm und das Interesse an der Ganztagsbetreuung steigt laut Schulleiterin Hanna-Lea Lengert und Ganztagskoordinatorin Nicole Schütz stetig: „Der Ganztag wird im Durchschnitt an dreieinhalb Tagen der Woche genutzt.“ Von den rund 200 Kindern seien knapp die Hälfte auch am Nachmittag in der Schule oder auf dem großzügigen Gelände unterwegs.

Womit sie sich nach dem Mittagessen in den ehemaligen Horträumen und nach der Erledigung der Hausaufgaben beschäftigen, bleibt den Schülerinnen und Schülern überlassen. Angeboten wird vom Austoben auf dem großzügigen und umwaldeten Außengelände bis zum Rückzug in einen Ruheraum vieles. Die Kinder müssen nur wählen und werden dabei von Erzieherin Jasmin Müller, die mit 22,5 Stunden in der Woche die Freizeitgestaltung der Ganztagskinder übernimmt, unterstützt.

Bisher ist der Dienstag mit 33 Teilnehmern der am stärksten frequentierte Nachmittag in der Schule. Und dass der genauso entspannt verlaufen kann, wie alle anderen Nachmittage, dafür hat sich die Schule in den Sommerferien ordentlich ins Zeug gelegt. Es wurde umgebaut, umgeräumt, renoviert und zusätzliches Mobiliar angeschafft. Zwei frühere Klassenräume sind allein für die Erledigung der Hausaufgaben umgestaltet worden, ein Raum für freies Spielen reserviert.

Nicole Schütz: „Nach den Vorbereitungen in den Sommerferien sind wir hier einfach so gestartet, und es funktioniert inzwischen sehr gut.“ Dabei habe auch eine Rolle gespielt, dass die Regeln beim Mittagessen und beim freien Spiel am Nachmittag von den Schülerinnen und Schülern selbst aufgestellt worden seien. „Sie werden akzeptiert und eingehalten.“

Bei allem Engagement in der Schule gab es auch große Unterstützung von der Gemeinde bei der Herrichtung der Räumlichkeiten für den Ganztagsbetrieb: Die bisherigen Horträume wurden mit Akustikdecken ausgestattet und die alten Leuchtstoffröhren durch neue LED-Leuchten ersetzt. Dadurch wurde die Lichtqualität deutlich verbessert und der Energieverbrauch reduziert.

Für die neue Essensausgabe wurden im Bereich der Kochinsel abgehängte Steckdosen installiert, um die Warmhaltegeräte sicher mit Strom zu versorgen. Für den neuen Wasserspender wurden Strom- und Wasseranschlüsse bereits vorbereitet und verlegt. Ähnliche Umbauten mussten ebenfalls an der Grundschule Bendingbostel vorgenommen werden und wurden pünktlich zum Start nach den Sommerferien abgeschlossen. Auch hier ist der Ganztag direkt für alle vier Jahrgänge gestartet.

„Die Gemeinde Kirchlinteln geht für eine gute Bildung der Kinder über das erforderliche Maß hinaus“, konstatierte Bürgermeister Arne Jacobs beim Besuch der Grundschule Luttum. „Das Land Niedersachsen war auf diesem Weg keine Unterstützung.“