Frankfurt sucht Orte gegen die Einsamkeit

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Frankfurt sucht Orte gegen die Einsamkeit

Stand: 05.09.2026, 12:57 Uhr

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Frühlingstag im Frankfurter Bethmannpark.

Treffpunkt ohne Konsumzwang: Frühlingstag im Frankfurter Bethmannpark. © Rolf Oeser/dpa

Begegnungen jenseits von Zuhause und Arbeitsplatz verschwinden / Wo es sie noch gibt oder geben könnte. Von Sofie Sindelarova

Der erste Ort ist zu Hause. Der zweite die Arbeit. Und der dritte: ein Ort der informellen Begegnungen, des Austauschs und der Gemeinschaft. Und um diese ging es am Donnerstag in einer öffentlichen Diskussion.

Der Begriff stammt vom amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. „Cafés, Kaffeehäuser, Gemeindezentren, Läden, Bars, Treffpunkte und wie sie dir helfen, den Tag zu überstehen“, heißt es in der Unterzeile seines Werks „The Great Good Place“ aus dem Jahr 1989. Er schrieb über die Bedeutung der dritten Orte für Einsamkeit und Polarisierung, weil amerikanischen Innenstädten damals das Aussterben drohte. Erwartet Frankfurt ein ähnliches Schicksal? „Wenn die dritten Orte nicht stimmen, dann wird meistens auch Mist gewählt.“ Johannes Cox, Podiumsgast und geschäftsführender Gesellschafter der HKK Landschaftsarchitektur, stimmt zu.

Die Diskussion fand in der Zentralbibliothek statt, beispielhaft für einen dritten Ort. „Menschen kommen hierher mit unterschiedlichen Interessen, Hintergründen und Lebensgeschichten.“ Das sagt Birgit Lotz, Leiterin der Zentralen Bibliotheken Frankfurts. „Sie kommen zum Lesen, Lernen, für Veranstaltungen oder nur, um eine Weile hier zu sein.“ Andere beliebte dritte Orte konnten Gäste in den zwei Wochen vor der Veranstaltung in der Zentralbibliothek auf interaktiven Boards markieren.

Lieblingsorte in Frankfurt der Besucherinnen und Besucher der Zentralbibliothek.

Lieblingsorte in Frankfurt der Besucherinnen und Besucher der Zentralbibliothek. © Sofie Sindelarova

„Mein Lieblingsort ist auch ein Problemort“, sagt Podiumsgast Christian Eichinger, Geschäftsführer des Architekturbüros KSP Engel International. Er ist ein großer Fan des Frankfurter Hauptbahnhofs. „Man blickt durch das Glasdach auf die Hochhäuser und denkt sich: Wow, ich bin in einer großen Stadt.“ Eichinger findet, der Hauptbahnhof werde aber nicht in einer Form genutzt, die man schätzen kann. Der Hauptbahnhof steht für ihn als Bildnis für ganz Frankfurt: eine Stadt, die sich schwertue, ihr Potenzial auszuschöpfen.

Die Innenstadt als Garten verstehen

Den ungenutzten Spielraum spiegelt ein anderes Board mit Problemorten wider. Die Pins, die von Gästen auf eine Karte geklemmt wurden, konzentrieren sich stark um den Hauptbahnhof – auch an der Zeil. „Viel zu viel Konsum und Fast-Fashion auf der Zeil“, lautet eine Haftnotiz an der Pinnwand. Dritte Orte gelten als zunehmend konsumorientiert, das beschreibt auch Moderatorin Anna Scheuermann. Sie würden unzugänglicher, wenn etwa Kinos oder Konzerte teurer werden, sagt die Architektin, Autorin sowie Kuratorin.

Problemorte in Frankfurt der Besucherinnen und Besucher der Zentralbibliothek.

Problemorte in Frankfurt der Besucherinnen und Besucher der Zentralbibliothek. © Sofie Sindelarova

Die Debatte dreht sich deshalb um konsumfreie dritte Orte. Und Frankfurt könne sich ein Beispiel an anderen Städten nehmen. „Paris, Mailand, Warschau, Kopenhagen: Alle gestalten ihren öffentlichen Raum um, und hier passiert gar nichts“, bemängelt Torsten Becker, Podiumsgast und Stadtplaner. Paris etwa mache aus kleinen Plätzen grüne Oasen. „Wenn wir die Innenstadt als Garten verstehen, dann würden wir ihn pflegen“, so Becker.

Doch Bestrebungen dieser Art lassen sich in Frankfurt bereits wiederfinden. Moderatorin Scheuermann erzählt von der Ada-Kantine auf dem alten Universitäts-Campus in Bockenheim. Freiwillige retten dort Lebensmittel und stellen ein kostenfreies Mittagessen zur Verfügung. „Bei gutem Wetter sitzt man draußen in dem Hof an langen Tischen und kommt schnell ins Gespräch. Dadurch entsteht ein neues Miteinander.“

Lieblingsorte

Besucher:innen stellen am Board ihre dritten Orte vor:

Der Ostpark bietet jungen Leuten die Möglichkeit, sich zu sehen und schöne Sachen zu unternehmen.“

Der Bethmannpark, weil man ganz gut abschalten kann, quasi ein Rückzugsort.“

Alle Orte, die super begrünt sind.“

Das Harmoniekino.“

Der Lohrberg.“

Das Zeil-Antiquariat.“

Das Mainufer.“