Flutwelle im Himalaya: Überlebende stehen vor Trümmern ihrer Existenz

Die Flutwelle im Himalaya-Gebiet hat nicht nur viele Menschenleben gefordert, sondern auch Tausende obdachlos gemacht. Sie kämpfen jetzt ums tägliche Überleben - gleichzeitig wächst die Angst vor einer weiteren Sturzflut.

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Flutwelle im Himalaya: Überlebende stehen vor Trümmern ihrer Existenz
Überlebende der Flutkatastrophe schauen auf den Fluss Trishuli in Nepal.

Stand: 28.08.2026 • 19:35 Uhr

Die Flutwelle im Himalaya-Gebiet hat nicht nur viele Menschenleben gefordert, sondern auch Tausende obdachlos gemacht. Sie kämpfen jetzt ums tägliche Überleben - gleichzeitig wächst die Angst vor einer weiteren Sturzflut.

Lena Bodwein

Samjana Bhatta steht vor dem Nichts. Der Nachrichtenagentur AFP erzählt sie, es gebe keine Unterkunft, keine Möglichkeit, etwas zu essen. "Ich weiß nicht, wohin ich gehen oder wo ich bleiben soll. Ich bin hungrig, aber ich habe nichts zu essen. Alles ist aufgebraucht; uns ist nichts mehr geblieben." Die 55-Jährige hat alles verloren.

Viele der Bewohner der Krisenregion, die mit dem Leben davongekommen sind, sehen sich buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz. Ihre Felder sind zerstört, das kleine Stückchen Land, wo sie Gemüse angebaut haben, von Schlamm bedeckt, die Häuser weggespült.

Warten auf Nachrichten von Angehörigen

Dorfgemeinschaften sind zerstört, weil in vielen Dörfern nur eine Handvoll Menschen überlebt hat. Die Flutwelle war zu schnell, zu stark, zu groß. Das musste auch Bharat Raj Bhatta erfahren:

Unser Haus lag an einer relativ hoch gelegenen Stelle, es befand sich nicht in der Nähe des Flusses. Es lag mehr als 1.000 Meter über dem Fluss Bhotekoshi. Wir dachten, unserem Haus würde nichts zustoßen, aber jetzt ist alles weg. Uns ist nichts geblieben.

Zahlreiche Menschen sind in Notunterkünften untergebracht, davor warten viele andere auf Nachrichten von ihren Angehörigen. Sie hoffen, dass Brüder, Kinder, Eltern vielleicht doch noch lebend auftauchen, dass aus den Vermissten nicht Verstorbene werden.

Und während die nepalesische Armee und andere Helfer weiter Überlebende aus den schlammbedeckten Trümmern retten - mehr als 3.000 bisher -, sind auch mehr und mehr Tote geborgen worden. Doch das sei nicht so leicht, beschreibt Tabea Seiz von der Welthungerhilfe in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Die Bergung der Leichen gestalte sich auch deshalb schwierig, weil die Menschen über den kompletten Flussverlauf bis in den Süden des Landes vereinzelt aufgefunden werden. "Sogar sehr viele ganz im Süden, was im Verlauf von 100 Kilometern entlang des Flusses ist."

Die Identifizierung und Zuordnung zu den Familien, die dringend auf Neuigkeiten warten, gestalten sich laut Seiz im Moment sehr schwierig. Die Situation der Bevölkerung sei sehr angespannt.

Menschen in Nepal sind auf der Suche nach ihren Angehörigen: Ein Krankenhaus zeigt Bilder von Opfern der Flutkatastrophe, damit diese identifiziert werden.

Angst vor einer weiteren Flutwelle

Nicht nur das. Auch die stete Bedrohung einer möglichen weiteren Flutwelle hat zumindest am Freitag die Bevölkerung verunsichert. Die Rettungsarbeiten sowohl in Nepal als auch in Tibet waren kurzzeitig gestoppt worden. Die Möglichkeit einer weiteren Flut war zu groß - zwei Seen hatten sich an den Flussläufen im tibetischen Grenzgebiet zu Nepal aufgestaut und waren übergelaufen. Die Behörden hatten Sorge, dass sie sich sturzflutartig entleeren könnten. Die Pegel der Flüsse waren laut Beobachtern kurz angeschwollen, aber bei Weitem nicht in dem Maß wie am Mittwochmorgen.

Doch dass Gletscher schmelzen, Seen Überflutungen auslösen - die Wahrscheinlichkeit einer wiederkehrenden Katastrophe steigt mit den Temperaturen.