„Human Safari“ in Cherson: FPV-Drohnen jagen Autos, Fahrräder und Fußgänger – 2000 Angriffe pro Woche

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„Human Safari“ in Cherson: FPV-Drohnen jagen Autos, Fahrräder und Fußgänger – 2000 Angriffe pro Woche

Cherson „gnadenlos“ im Visier: Wie Sanitäter, Polizisten und Helfer zu Zielen werden

Stand: 28.08.2026, 19:50 Uhr

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2000 Drohnen pro Woche, ein zerstörtes Kraftwerk, 60.000 verbliebene Einwohner: Cherson kämpft ums Überleben – und der Winter hat noch nicht begonnen.

Cherson – In der südukrainischen Stadt Cherson hat sich die Lage für Rettungskräfte und Kommunalarbeiter dramatisch verschlechtert. Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute und Mitarbeiter städtischer Betriebe werden nach Angaben der Behörden gezielt von russischen Drohnen angegriffen.

Ein Mitarbeiter des regionalen kommunalen Notfall- und Rettungsdienstes in Cherson. (Archivfoto)

Ein Mitarbeiter des regionalen kommunalen Notfall- und Rettungsdienstes in Cherson. (Archivfoto) © Nina Liashonok/Imago

„Sie sind ein prioritäres Ziel für den Feind“, sagte Jaroslaw Schanko, Leiter der städtischen Militärverwaltung, der Kyiv Post. In den gefährlichsten Stadtteilen könnten Krankenwagen und reguläre Polizeifahrzeuge nicht mehr eingesetzt werden – stattdessen seien gepanzerte Fahrzeuge und speziell gesicherte Evakuierungsteams im Einsatz. Am Freitagmorgen tötete ein russischer Drohnenangriff erneut einen Zivilisten im Stadtviertel Korabelnyji; drei weitere Menschen wurden verletzt.

Cherson liegt unmittelbar an der Front. Der Dnipro trennt die von ukrainischen Kräften gehaltene Stadt vom russisch besetzten Ostufer. Von März bis November 2022 stand Cherson selbst unter russischer Kontrolle – vor dem Ukraine-Krieg lebten dort noch rund 280.000 Menschen.

Russische Angriffe: Drohnen machen jeden Einsatz in Cherson zur Gefahr

Das Grundproblem beschreibt Schanko schlicht als „den Sicherheitsfaktor“: Jede Reparatur an Strom-, Wasser- oder Heizungsleitungen, jeder Rettungseinsatz, jede Bergung eines zerstörten Fahrzeugs setzt die Einsatzkräfte denselben Risiken aus wie die Zivilbevölkerung. Besonders FPV-Drohnen – ferngesteuerte Kamikaze-Drohnen – haben sich dabei zur zentralen Bedrohung entwickelt. Lokale Behörden und Bewohner sprechen von einer gezielten Jagd, die sie als „Human Safari“ bezeichnen. Autos, Fahrräder und Fußgänger seien demnach regelmäßig Ziel der Angriffe. Erst am 19. August schlug eine russische FPV-Drohne in einen Stadtbus im Stadtviertel Korabelnyji ein und tötete vier Fahrgäste.

Nach Angaben Schankos werden über Cherson wöchentlich mehr als 2000 russische Drohnen registriert, rund 90 Prozent davon werden abgefangen oder zerstört. Die Technologie entwickle sich dabei ständig weiter – Frequenzen, Komponenten und Steuerungssysteme würden laufend angepasst. Gouverneur Oleksandr Prokudin warnte zusätzlich, dass Russland verstärkt Lenkbomben und mit Düsentriebwerken ausgestattete Drohnen einsetze, gegen die die Luftabwehr derzeit machtlos sei. Schanko fasste die Lage so zusammen: „Gelenkte Luftbomben, Drohnen, Panzerfeuer, Artillerie, Grad – alles, was sie haben. Der Feind zerstört unsere Stadt gnadenlos.“

Ukraine-Krieg: Kraftwerk in Cherson angegriffen, Versorgung vor dem Winter bedroht

In der Nacht zum Donnerstag griff die russische Armee zusätzlich das Fernwärmekraftwerk von Cherson mit Gleitbomben an und beschädigte es schwer. Über das genaue Ausmaß des Schadens machten die Behörden keine Angaben. Prokudin warnte vor den Konsequenzen: „Cherson könnte ohne Strom und Heizung dastehen, und zwar nicht nur für einige Stunden oder Tage, sondern für einen langen Zeitraum.“ Russland intensiviere „täglich seine Angriffe auf die kritische Infrastruktur in der Region“, schrieb er auf Telegram und rief die Bevölkerung zur Evakuierung auf – vor allem Familien mit Kindern und ältere Menschen.

Die anhaltenden Angriffe haben die Bevölkerung Chersons stark dezimiert. Lebten vor dem Krieg rund 280.000 Menschen in der Stadt, sind es laut Kyiv Post heute noch etwas mehr als 60.000. Viele der Verbliebenen sind älter und haben keine Möglichkeit, die Stadt zu verlassen.

Mit Blick auf den nahenden Winter wächst die Sorge vor einer humanitären Notlage in der Ukraine. Im vergangenen Winter hatte die russische Armee wiederholt ukrainische Kraftwerke angegriffen und damit zeitweise Millionen Menschen in Kälte und Dunkelheit gestürzt. Schanko erwartet, dass die kommenden Monate für Cherson nicht weniger schwer werden als die vergangenen. Gouverneur Prokudin appellierte erneut an die Bevölkerung: „Ich wende mich erneut an die Einwohner von Cherson, insbesondere an Familien mit Kindern und ältere Menschen: Wenn Sie die Möglichkeit haben (...), bitte verlassen Sie die Stadt.“ (Quellen: Kyiv Post, AFP, frühere Berichterstattung) (nak)