Eine Chance für die Jugend: Soufian Gouram macht bei Hertha BSC auf sich aufmerksam
Ein paar Restzweifel blieben, ob er die große Bühne tatsächlich würde bespielen können. Aber am Ende waren alle rundum zufrieden mit Soufian Gouram.Der 20-Jährige war als einer von drei Spielern ausgewählt word...
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Ein paar Restzweifel blieben, ob er die große Bühne tatsächlich würde bespielen können. Aber am Ende waren alle rundum zufrieden mit Soufian Gouram.
Der 20-Jährige war als einer von drei Spielern ausgewählt worden, um bei der Saisoneröffnung von Hertha BSC auf der Bühne zu den Fans zu sprechen – sozusagen stellvertretend für die Talente im Kader des Berliner Fußball-Zweitligisten. Gouram erfüllte die Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit. Ohne jeden Anflug von Nervosität, stattdessen sehr souverän und mit Witz und Charme.
Genauso also, wie er es im Moment auch auf dem Fußballplatz tut.
Soufian Gouram bereitet sich gerade mit den Profis von Hertha in Kitzbühel auf die neue Saison in der Zweiten Liga vor. Wie immer in den vergangenen Jahren ist das Trainingslager auch so etwas wie ein Casting für die Profis von morgen. Acht Spieler aus dem eigenen Nachwuchs dürfen derzeit bei Trainer Stefan Leitl vorspielen und sich für mehr empfehlen. Dazu kommt noch der 18 Jahre alte Boris Mamuzah Lum, der dem Talentestatus bereits entwachsen ist.
So verlockend wie in diesem Sommer waren die Aussichten für den Nachwuchs vielleicht noch nie. Zwölf Spieler haben Hertha seit dem Ende der vergangenen Saison verlassen, externe Neue gibt es weiterhin nicht. Und weil der Klub sparen muss, bis es quietscht, soll der von Hertha so oft bemühte Berliner Weg vom Trampelpfad zur Hauptverkehrsader ausgebaut werden.
Gouram, in Berlin geboren, Sohn eines Marokkaners und einer Estin, war schon im Januar beim Trainingslager in Portugal dabei. Nach überzeugenden Auftritten in Herthas Regionalliga-Team hat er im Mai seinen ersten Profivertrag (über eine Saison) unterschrieben und nur wenige Tage danach bereits sein Debüt in der Zweiten Liga gefeiert.
Ich habe sozusagen einen Fuß in die Tür bekommen. Es liegt jetzt alles an mir.
Soufian Gouram
Am letzten Spieltag, im Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld, wurde Gouram knapp zehn Minuten vor Schluss eingewechselt. Für Hertha war die Partie ein Desaster – 1:6 ging sie verloren. Für Soufian Gouram hingegen könnte sie der Beginn einer neuen Etappe seiner Karriere gewesen sein.
„Ich habe sozusagen einen Fuß in die Tür bekommen. Jetzt will ich weiter hart arbeiten, damit ich irgendwann da hinten spielen darf“, hat Gouram bei der Saisoneröffnung vor zwei Wochen gesagt und mit einem Nicken auf das nahegelegene Olympiastadion verwiesen. „Es liegt jetzt alles an mir.“
Tatsächlich hat der estnische U-21-Nationalspieler die Vorbereitung der Profis und die Testspiele genutzt, um einen ersten Fußabdruck zu hinterlassen. Gut zwei Wochen, bevor die Berliner mit dem Auswärtsspiel beim VfL Bochum in die neue Zweitligasaison starten, scheint Gouram, gemeinsam mit Rechtsaußen Jelani Ndi, die besten Chancen auf einen Platz im Profikader zu besitzen.
Fünf Mittelfeldspieler haben den Klub verlassen
Bei allen bisherigen Testspielen wechselte Leitl jeweils zur Pause die komplette Mannschaft. Am Dienstag, beim 1:1 gegen die Mamelodi Sundowns aus Südafrika, den vorerst letzten und mutmaßlich stärksten Gegner während der Vorbereitung, ließ Herthas Trainer in der zweiten Halbzeit jene Elf spielen, die der potenziellen Anfangsformation derzeit am nächsten kommt – mit Jelani Ndi auf dem rechten Flügel und Soufian Gouram als Zehner.
Fünf Mittelfeldspieler haben Hertha seit dem Saisonende verlassen. Mit Diego Demme, Kennet Eichhorn, Jeremy Dudziak, Michael Cuisance und Maurice Krattenmacher ist den Berlinern jede Menge Qualität verloren gegangen. Für Soufian Gouram aber haben sich dadurch einige Optionen eröffnet, zumal er für alle Positionen in der Zentrale in Frage kommt: als zweiter Sechser, als Achter, aber auch als Zehner.
Gegen Leipzig erzielte er sein erstes Tor
Gegen die Mamelodi Sundowns begann er in der Offensive vor den beiden Sechsern Paul Seguin und Kevin Sessa und hatte mit einem Schuss aus 20 Metern Herthas beste Gelegenheit in der zweiten Hälfte. Später wechselte Gouram dann mit Sessa die Position und spielte fortan neben Seguin vor der Abwehr.
Beim 3:1 im Test gegen den Regionalligisten Lok Leipzig erzielte der Linksfuß zwar als Zehner sein erstes Tor für Herthas Profis. Doch wenn Gouram aus der Tiefe kommt und das Feld vor sich hat, kann er seine Stärken noch besser zur Geltung bringen.
Exemplarisch war das wenige Minuten vor Schluss zu sehen, als Gouram vor dem eigenen Strafraum von Torhüter Marius Gersbeck angespielt wurde. Mit einer kurzen Körpertäuschung ließ er den ersten Südafrikaner ins Leere rutschen; den zweiten umkurvte Gouram, ehe er mit einem Pass in die Tiefe einen aussichtsreichen Angriff seiner Mannschaft einleitete.
Solche progressiven Aktionen waren in der vergangenen Saison bei Hertha vor allem von Toptalent Kennet Eichhorn zu sehen, der künftig für Bayer Leverkusen in der Bundesliga spielt. Seinen letzten Einsatz für Hertha hatte Eichhorn Mitte Mai in Bielefeld. In der 83. Minute wurde er ausgewechselt. Für ihn kam Soufian Gouram.