Drohnen-Abwehr per Mikrowelle: Diese fliegende Waffe soll 50 Drohnen lahmlegen – und dann zurückkehren

Die Drohnen-Abwehr per Mikrowelle rückt ins Zentrum der modernen Kriegsführung – und Lockheed Martin will vorn dabei sein. Auf der Farnborough International Airshow in London stellte der US-Rüstungskonzern am 2...

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Drohnen-Abwehr per Mikrowelle: Diese fliegende Waffe soll 50 Drohnen lahmlegen – und dann zurückkehren

Die Drohnen-Abwehr per Mikrowelle rückt ins Zentrum der modernen Kriegsführung – und Lockheed Martin will vorn dabei sein. Auf der Farnborough International Airshow in London stellte der US-Rüstungskonzern am 20. Juli 2026 ein System namens Morfius X-Rotor vor. Es soll ein Problem lösen, das Streitkräfte weltweit umtreibt: Wie wehrt man billige Drohnenschwärme ab, ohne teure Abfangraketen zu verschwenden?

Die Antwort von Lockheed ist ein bodengestartetes, unbemanntes Fluggerät. Es trägt eine Hochleistungsmikrowelle als Nutzlast und soll laut Hersteller mehr als 50 gegnerische Drohnen in einem einzigen Flug neutralisieren. Das Besondere: Das Gerät ist auf Bergung und Wiederverwendung ausgelegt. Für wen das relevant ist und wie belastbar die Versprechen sind – der Überblick.

Wie funktioniert die Drohnen-Abwehr per Mikrowelle?

Statt Drohnen einzeln abzuschießen, setzt Morfius auf einen breiten Effekt. Hochleistungsmikrowellen (kurz HPM) stören die Elektronik und Leitsysteme angreifender Drohnen. Der Impuls wirkt in die Fläche – und kann so theoretisch viele kleine Ziele auf einmal treffen.

Genau darin liegt der Reiz. Herkömmliche Systeme bekämpfen jedes Ziel separat. Bei einem Schwarm aus Dutzenden Drohnen wird das schnell teuer und langsam. Eine Mikrowellenwaffe kann dagegen mehrere Ziele gleichzeitig ins Visier nehmen.

Nach Lockheeds Angaben braucht Morfius keinen eigenen Feuerleitradar und keinen speziellen Sensor. Das System lässt sich in unterschiedliche Führungs- und Waffeneinsatzsysteme integrieren. Firmenvertreter Charley Brown erklärte, man habe Morfius dank agiler Entwicklung „innerhalb von Wochen in neue Führungs- und Waffeneinsatzsysteme“ einbinden können.

Warum der Preis pro Abschuss entscheidend ist

Hinter der Neuvorstellung steckt ein knallhartes Kostenproblem. Eine im Iran gebaute Shahed-Drohne kostet nach Schätzungen der Denkfabrik CSIS rund 35.000 US-Dollar. Zur Abwehr kam bisher oft eine Patriot-Rakete zum Einsatz – für rund 4 bis 5 Millionen US-Dollar pro Stück.

Dieses Ungleichgewicht setzt die US-Streitkräfte unter Druck. Im Rahmen der Militäroperation im Nahen Osten verbrauchten US- und Partnerkräfte laut Recherchematerial erhebliche Teile ihrer begrenzten Abfangraketen-Bestände, um billige Drohnen abzufangen. Experten warnen vor einer schnellen Erschöpfung der Lager.

Lockheed bewirbt Morfius deshalb als Lösung mit „hoher Trefferquote bei niedrigen Kosten pro Abschuss“, so Manager Randy Crites. Weil das Gerät wiederverwendbar ist, verspricht der Konzern eine günstigere Rechnung als bei Einweg-Raketen.

Nicht ganz neu – und nicht ohne Konkurrenz

Morfius fällt nicht vom Himmel. Lockheed beschrieb das System bereits 2021 als wiederverwendbaren Mikrowellen-Abfangjäger. Frühere Varianten flogen laut Fachmedium Aviation Week seit 2017. Der X-Rotor ist damit eher eine Weiterentwicklung als ein kompletter Neustart.

Auch der Markt ist umkämpft. Am selben Tag stellte der europäische Konzern MBDA in Farnborough einen eigenen günstigen Abfangjäger gegen Drohnenschwärme vor. Lockheeds Alleinstellungsanspruch steht also unter Wettbewerbsdruck.

Parallel präsentierte Lockheed zudem eine günstigere Patriot-Variante. Sie soll die teure Version nicht ersetzen, sondern ergänzen – Soldaten bräuchten laut Sparten-Präsident Tim Cahill eine Lösung, die „kampferprobt und budgetschonend“ sei.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist der Morfius X-Rotor?
Ein bodengestartetes, unbemanntes Fluggerät von Lockheed Martin mit einer Hochleistungsmikrowelle als Nutzlast. Es soll Drohnen abwehren und ist für Bergung und Wiederverwendung ausgelegt.

Wie viele Drohnen kann Morfius bekämpfen?
Nach Herstellerangaben mehr als 50 gegnerische Drohnen in einem einzigen Flug. Diese Angabe ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Warum braucht es überhaupt günstigere Drohnen-Abwehr?
Weil billige Drohnen wie die Shahed (geschätzt rund 35.000 US-Dollar) mit teuren Patriot-Raketen (rund 4 bis 5 Millionen US-Dollar) bekämpft werden – ein wirtschaftlich untragbares Missverhältnis, das Lagerbestände schnell leert.

Ist die Technik völlig neu?
Nein. Lockheed beschrieb Morfius bereits 2021, frühere Varianten flogen laut Aviation Week seit 2017. Der X-Rotor ist eine Weiterentwicklung.

Gibt es Konkurrenz zu Lockheeds System?
Ja. Am selben Tag stellte der europäische Konzern MBDA in Farnborough einen eigenen günstigen Abfangjäger gegen Drohnenschwärme vor.

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